Franz Viehböck,
der einzige Österreicher im All

Die 200 Millionen Schilling teure Mission "Austromir" jährt sich zum 25.Mal

Mit dem sowjetischen Kosmonauten Alexander Wolkow und dem Kasachen Tachtar Aubakirow flog als erster Österreicher am 2. Oktober 1991 Franz Viehböck im Rahmen der Austromir-Mission zur russischen Raumstation Mir ins All . "Ich habe viel gelernt. Die Raumfahrt ist in der Zwischenzeit viel internationaler geworden", sagte Viehböck jetzt im Gespräch.

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    Start der Sojus Rakete am 2.Oktober 1991 Vormittag. Im Bild Franz Viehböck bei Verabschiedung vor dem Start der Austromir-Mission.

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    Im Bild: Transport der Sojus TM13-Rakete zur Startrampe in Baikonur am 30. September 1991.

Vor 25 Jahren - am 10. Oktober 1991 - landete um 5.12 Uhr MEZ Franz Viehböck, der erste Österreicher im All, mit einer Sojus-Landekapsel in Kasachstan. Am 2. Oktober war er im Rahmen des damals rund 200 Millionen Schilling teuren "Austromir"-Projekts mit einer Rakete von Baikonur aus zur russischen Raumstation Mir gestartet

2. Oktober 1991: Der Start

Sieben Minuten vor dem Start ergeht das Kommando aus dem Kontrollraum in Baikonur: "Kljutsch na Start" (Schlüssel auf Startstellung). Fünf Sekunden vor dem Start das Kommando: "Sashiganije" (Zünden). Exakt um 6.59 Uhr MEZ hebt Sojus-TM 13 mit dem Österreicher Franz Viehböck an Bord mit einer Kraft von 100 Millionen PS von der Rampe ab. Der Start geht problemlos vor sich. Achteinhalb Stunden nach dem Start bringt Viehböcks Frau Vesna im Krankenhaus Wiener Neustadt ein gesundes Mädchen - Carina Marie - zur Welt.

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4. Oktober 1991: Die Landung

Sojus-TM 13 dockt an der Raumstation Mir an. Viehböck steigt mit seinem Team unter den Klängen des Donauwalzers als Begrüßungsmelodie in die Raumstation um. 15 wissenschaftliche Experimente aus Österreich werden bis zum Ende der Mission durchgeführt.

Der wissenschaftliche Leiter des Projekts "Austromir"., Willibald Riedler, der als Österreichs "Weltraumpapst" gilt, sagt zu dieser emotionalen Landung gegenüber der APA: "Mein Onkel Willi Boskovsky war Konzertmeister und Dirigent der Wiener Philharmoniker. Und als Franz Viehböck zu den Klängen des Donauwalzers von den Wiener Philharmonikern unter Willi Boskovsky in die Raumstation "Mir" eingeschwebt ist, war das für mich schon eine emotional große Sache, dass das sozusagen mit meinem Onkel eingeweiht wurde."

»Ohne Training, wäre mir das Herz in die Hose gerutscht«

- 10. Oktober 1991: Die Rückkehr zur Erde mit einer Sojus-Landekapsel - um 4.57 Uhr und 18 Sekunden: der Fallschirm öffnet sich; um 5.12 Uhr und 17 Sekunden: Landung bei Arkalyk in Kasachstan, etwa 900 Kilometer von Baikonur entfernt. Viehböcks erste Worte nach der Landung: "Mir geht es gut - alles in Ordnung. Es war aber eine harte Landung. Wenn ich dafür nicht so viel trainiert hätte, wäre mir das Herz in die Hose gerutscht."

© FOTO: APA/WOLFGANG WAGNER Landung am 10. Oktober
»"Das Hinausschauen aus dem Fenster war das Beeindruckendste"«

"Ich bin damals zur Raumstation Mir geflogen. Das war kurz nach dem Ende des Kalten Krieges. Jetzt fliegen die Raumfahrer zur internationalen Raumstation. Bei der Technik hat sich da nicht soviel geändert. Man fliegt noch immer mit den Sojus-Raumkapseln. Die sind sicherlich modifiziert worden", sagte Viehböck. Die grundsätzliche Technik sei in der russischen Raumfahrt gleich geblieben. Die Raketen, welche die Raumkapseln ins All befördern, basieren weiterhin auf den ersten Interkontinentalraketen der längst zugrunde gegangenen Sowjetunion.

Was für den Austronauten am beeindruckendsten im Rahmen der Weltraummission war? "Das Hinausschauen aus dem Fenster (von Mir; Anm.), das ständige Gefühl der Schwerelosigkeit. Und dann natürlich die ganzen technischen Details. Der Start, der Wiedereintritt in die Atmosphäre, die Landung."

© NASA Viehböck mit Österreich-Fahne im All

Viehböck wird Anfang Oktober (3. bis 7. Oktober) in Wien Gastgeber des 29. Planetary Congress des internationalen Verbandes der Raumfahrer Association of Space Explorers, kurz ASE, sein. "Da kommen mehr als hundert Raumfahrer zusammen. Ich werde am 2. Oktober mit meinen Kollegen von damals zusammen sein", sagte der Austronaut, der damit weiterhin mit der "Szene" verbunden ist. Am 5. Oktober haben Interessierte in fünf Bundesländern die Chance, Raumfahrer, im Rahmen des "Community Day"in Schulen, Hochschulen und Unternehmen zu treffen.

© Austromir.at/BMBWK Franz Viehböck mit Alexander Wolkow und Tachtar Aubakirow
»"Mir hat Austromir schon auch Wissen für das Management gebracht"«

Der erste Österreicher im All erinnert sich noch gern an die Weltraummission: "Ich habe viel gelernt. Austromir hat aber auch meine berufliche Karriere komplett geändert. Ich bin ins Management gegangen und hatte dort dann mit der Raumfahrt zu tun." Das war beim damaligen US-Konzern Rockwell, wo Viehböck für die "Space Systems Group" tätig war - und später ähnlich für den US-Luftfahrtkonzern Boeing. 1999 wurde er Europaverantwortlicher für den Bereich Space & Communication für den US-Konzern.

© FOTO: APA/ROBERT JAEGER

Was aber am 2. Oktober auch ansteht: Das Feiern des 25. Geburtstages von Tochter Carina Marie, die an jenem Tag im Krankenhaus Wiener Neustadt zur Welt kam. Viehböck landete schließlich 2002 als Geschäftsführer bei "Berndorf Band" und ist seit 2008 als Chief Technology Officer für Technik und Personalentwicklung zuständig. "Mir hat Austromir schon auch Wissen für das Management gebracht", sagte er.

© Trend Michel Debor Heidi Franz Viehböck in der Berndorf AG

Obwohl es nie zu Austromir 2, also zu einer Nachfolgemission, kam, hat sich Österreich für Franz Viehböck in Sachen Raumfahrttechnologie etc. recht gut behauptet. "Die Beteiligung an Weltraumprojekte ist sehr beachtlich", sagte er. Das gelte für die Wissenschaft genauso wie für die Industrie.

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