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"Diese WM ist die
Herausforderung meines Lebens"

Sport - "Diese WM ist die
Herausforderung meines Lebens" © Bild: ERNST KAINERSTORFER News

Die Ausrichtung der Beachvolleyball-WM in Wien ist für Hannes Jagerhofer die Nagelprobe. Nach dem Event will Mister Beachvolleyball Turniere in Amerika aufziehen und mit der Familie nach Fort Lauderdale übersiedeln, verrät er im Interview

Beachvolleyball gehörte bis vor einem Jahr zu Klagenfurt wie der Lindwurm und der Wörthersee. Da wurde unter dem Jubel einer Riesenpopulation aus Promis, Wirtschaftstreibenden und Sportbegeisterten gebaggert und gepritscht, was die durchtrainierten Körper der Athleten hergaben. Und wenn eine Mannschaft einen Punkt machte, eigentlich egal, welche, schob sich die Geräuschwelle aus Fanaufschrei und Musik bis weit hinter Pörtschach.

Wien statt Klagenfurt

Der Jubelschrei von Hannes Jagerhofer dürfte noch um einige Phon lauter gewesen sein, als der Beachvolleyballverband FIVB bekannt gab, die Weltmeisterschaften heuer in Wien, und zwar auf der Donauinsel, auszutragen. Somit war Klagenfurt, wo das Turnier seit den zaghaften Anfängen vor 21 Jahren immer stattgefunden hatte, plötzlich eine zerstörte Sandburg. Aber die Kärntner hätten die WM finanziell und auch platzmäßig nie und nimmer stemmen können. Wien aber verwandelt sich ab 28. Juli für zehn Tage in die Welthauptstadt des Beachvolleyballs. Das 10.000 Besucher fassende Stadion bildet dabei das Herzstück der Veranstaltung auf der Donauinsel.

Herr Jagerhofer, Sie haben sich einen lang gehegten Wunsch erfüllt und die Beachvolleyball-WM federführend nach Wien geholt. Nun geht's los - haben Sie es schon mit der Angst zu tun bekommen?
Mir ist schon länger bewusst, welche Dimension dieses Unternehmen hat, und das auf der Donauinsel, einer Location, wo wir noch keine Erfahrung haben. Dieser Riesenaufbau, das 10.000er-Stadion, das ganze Beach Village, alles, was an Entertainment aufgebaut wird - es wird ja ein richtiger Vergnügungspark für Jung und Alt errichtet -, das ist einfach ein Megaunternehmen. Das hat Wien noch nicht erlebt, und ich möchte gerne wissen, wie viele Leute kommen werden. In Klagenfurt hab ich ja die Besucherzahl auf plus/minus zwei Prozent voraussagen können, hier auf plus/minus 100 Prozent, weil ich keine Ahnung hab. Das verursacht schon ein gewisses Grübeln.

Was bedeutet Ihnen persönlich dieser Coup? Ist das Ihr bislang größter Erfolg?
Im Prinzip ist das Organisieren einer Weltmeisterschaft für mich nichts Neues. Ich hab 2011 schon eine in Klagenfurt ausgerichtet. Nur damals hat Beachvolleyball einen viel geringeren Stellenwert gehabt. Jetzt, nach Rio de Janeiro, wo Beachvolleyball zur erfolgreichsten Sportart der Olympischen Spiele gewählt worden ist und die höchsten TV-Einschaltquoten dort gehabt hat, eine olympiawürdige WM zu veranstalten, ist die größte Herausforderung meines Lebens.

»Was wir auf der Donauinsel aufziehen, hat es noch nicht gegeben«

Stecken da nur Arbeit und Stress dahinter oder ist auch ein Quäntchen Spaß dabei?
Das macht mir natürlich ganz schön Spaß, weil das Ganze in einer Stadt passiert, die zwei Millionen Einwohner hat, in der ich jetzt schon länger als 30 Jahre lebe, und noch dazu auf einem Platz, der wie gemacht für so eine Veranstaltung ist, nämlich die Donauinsel. Das ist schon geil, geil, geil. Deshalb kann man ruhig sagen, dass ein Traum von mir ist in Erfüllung gegangen ist.

Und dieser erfüllte Traum steht in Ihrem persönlichen Ranking auf Platz eins?
Mit Sicherheit. Das, was wir jetzt mit einem Budget von neun Millionen aufführen, das hat es sicher noch nicht gegeben. Und wird es sicher auch so schnell nicht mehr geben.

Es ist immer was los

Die gesamte Veranstaltungsfläche beträgt 85.000 Quadratmeter. Für die 216 Spiele bei der Weltmeisterschaft werden 2.500 Tonnen Sand benötigt, weiters stehen 100 Container auf dem Eventgelände, dazu VIP-Sitzplätze und ein ganzer VIP-Bereich, ein "Warm-up-Court", die TV-Area für die Live-Übertragungen, Public Area, Media-Center und der Bereich für die Spieler und Spielerinnen. 5.000 Quadratmeter Teppich müssen verlegt werden. In dem riesigen Beach Village können sich die Besucher auch selbst beim Bouldern, Slacklining, Wassersport oder beim Enduro-Fahren sportlich betätigen.

Wen erwarten Sie an Promis? Kommt Niki Lauda, wie er voriges Jahr hoch und heilig in einem News-Interview versprochen hat?
Die WM wird auf VIP-Seite hoch wirtschaftlich besetzt sein, angekündigt haben sich IOC-Präsident Thomas Bach, Alibaba-CMO Chris Tung, Jochen Thewes, CEO des Logistikunternehmens DB Schenker. Der CEO des Sportbekleidungsherstellers Asics, Gene McCarthy, und der Bürgermeister von L.A., Eric Garcetti, wollen auch kommen. Ob Niki kommt, weiß ich noch nicht.

Wie kommt man auf die verwegene Idee, eine hier praktisch unbekannte Sportart aufzuziehen? Stimmt die Geschichte mit der VHS-Kassette?
Ja, die stimmt. Der Harald Puttinger, ein Salzburger, der damals für O'Neill gearbeitet hat, ist eines Tages in meinem Büro mit einer Videokassette aufgetaucht und hat gesagt: "Du, da gibt's eine Sportart in L.A., die ganz groß rauskommen wird, schau dir das an." Und das war eben Beachvolleyball. Mich hat gereizt, dass es das genaue Gegenteil von diesem "Quiet, please" beim Tennis ist, dass es Entertainment ist, die Spieler eine Gaudi haben und sich nix pfeifen, ob ein Wirbel ist oder nicht. Das hat damals gut in mein Konzept gepasst.

© ERNST KAINERSTORFER News

Champions League

Was damals als "Alkoholikertreffen" vor zwanzig Zuschauern und ein paar Kisten Bier begann, wie es einmal die "Frankfurter Allgemeine" scherzhaft tituliert hat, ist längst zu einem Megaevent mutiert. Mit allen Größen des Sports am Court und jenen aus Finanz und Politik auf den Rängen beziehungsweise in der VIP-Zone. Die von Jagerhofer aufgezogenen Turniere, die Beach Majors, sind die höchstdotierten und qualitativ besten innerhalb der World Tour -die Champions League des Beachvolleyballs. Wegen dieser Meriten wurde Jagerhofer vom Weltverband mit dem Ausrichten der WM in Wien betraut.

»Bei der WM geht es so richtig ums Eingemacht: 1,5 Millionen Preisgeld«

Bisher wurden Ihre Veranstaltungen in Klagenfurt hauptsächlich als Society-Events wahrgenommen. Wird Beachvolleyball durch die WM eine ernst zu nehmende Sportart?
Die Tour selbst ist eine anerkannte Sportgroßveranstaltung und die Athleten sind so professionell geworden. Es ist ja nicht mehr wie vor 15 Jahren. Heute hat jeder sein Betreuerteam dabei, seinen Physiotherapeuten, seinen Mentalcoach; die Spieler trainieren 360 Tage im Jahr, das ist hochseriös. Und bei der WM geht es um eine Millionen US-Dollar Preisgeld. Das ist schon eine beachtliche Summe. Da geht's richtig ums Eingemachte. In Klagenfurt war's ...

... Sport, Spaß, Society ...
... das ist ja, was Beachvolleyball so interessant macht. Das ist eine Kombination aus einer Sportveranstaltung, einer Musikaktivierung, wo die Fans integrativer Bestandteil des Gesamtgeschehens sind. Es ist etwas Spezielles - und dann noch in Kombination mit dem ganzen Business-to-Business- Bereich und dem Societybereich, das macht's, glaube ich, aus. Es ist eine neue Form einer Sportveranstaltung.

Was ist für Sie persönlich das Faszinierendste dabei?
Für mich ist es die unfassbare Energie, die im Stadion herrscht, wenn du das Publikum beobachtest. Bei einem Ballwechsel ist es erst totenstill und plötzlich kommt der Aufschrei. Wir haben jetzt einen Untertitel für die Tour, und der lautet: "Goosebumps don't lie - See you at the beach". Ich kenne keinen, der nicht das Stadion verlässt und sagt: "Bist du deppert, ich hab eine Stunde durchgehend Gänsehaut gehabt."

Ein Manko ist aber, dass man als Normalsterblicher kaum Spieler kennt ...
Na ja, man kennt doch Clemens Doppler und Alex Horst und auch die Schwaiger-Sisters, auch wenn Doris aufgehört hat, und hinten kommen einige wie der Martin Ermacora und Moritz Pristauz nach. Aber die Hardcore-Fans in Österreich, ich schätze, das sind 50.000, kennen natürlich alle Spieler. Man muss bedenken, wenn wir ein Video posten, das wir produziert haben, wie "Super slow motion of the day" oder "Rally of the day", dann haben wir in 24 Stunden 500.000 Views. Wenn wir's auf die Red-Bull-Social-Media-Seite stellen, haben wir fünf Millionen Views und erreichen damit bis zu elf Millionen Menschen. Wir sind aktuell die beste wiederkehrende Plattform auf der gesamten Red-Bull-Plattform.

Wer sind die Favoriten bei der WM, bei den Männern und bei den Frauen?
Schwer vorauszusagen, weil das Niveau so hoch und ausgeglichen ist. Bei den Herren können zwölf Teams gewinnen und bei den Damen zehn Teams. Es gibt teammäßig keine Dominanz, aber ländermäßig.

Bleibt Wien Veranstaltungsort für das Beach Major?
Allein die Zusammenarbeit mit der Stadt Wien hat gezeigt, wie sie sich mit dem Produkt identifiziert. Und das ist schon eine tolle Botschaft an mein Team und mich und freut uns natürlich sehr.

Jagerhofer goes USA, hört man. Was haben Sie denn in Amerika konkret vor?
Ich plane, innerhalb der nächsten zweieinhalb Jahre drei Turniere in den USA und eines in Mexiko zu veranstalten, und das geht alles nicht mehr von Europa aus. Ich bin voriges Jahr 257 Tage nicht in Österreich gewesen. Die Veranstaltung in Fort Lauderdale gibt es schon seit zwei Jahren, und wenn es wirklich machbar ist, soll noch New York dazukommen. Welche andere Stadt es auf unseren Kalender für 2018 schafft, hängt maßgeblich von der Vergabe der Olympischen Spiele 2024 ab. Sollte Los Angeles den Zuschlag erhalten, dann werden wir alle unsere Energie darauf konzentrieren, ein Turnier in Santa Monica zu organisieren, wo auch das Stadion für Olympia stehen soll.

Sie sind zweifacher Familienvater. Was passiert mit Ihrer Frau und Ihren Kindern?
Natürlich kommt die Familie inklusive unseres Hundes Winnie mit. Der hätte mir am meisten leid getan, wegen des Flugs, da hätten wir ihn mit Schlaftabletten ruhig stellen müssen, weil er ja im Frachtraum transportiert worden wäre. Aber kürzlich hat mich der Pilot von Gaston Glock angerufen, nachdem ich Gaston von unserem Amerika-Umzug erzählt habe - jetzt darf Winnie im Jet mit den Mitarbeitern der Firma Glock nach Atlanta mitreisen. Wir fliegen mit Austrian, er mit dem Global Express.

»Mit 85 will ich auf keinem Sandplatz mehr herumumpeln«

Wann genau soll die Übersiedlung nach Amerika über die Bühne gehen?
Heuer im September. Wir haben auch schon ein Apartment in Fort Lauderdale und die Kinder werden drüben in den Kindergarten gehen. Das ist schon alles geregelt. Bevor die Kinder in die Schule müssen, also in zwei Jahren, müsste ich alles so aufgebaut haben, dass ich nicht mehr dort leben muss.

Wie sieht Ihr Lebensziel aus? Wie lange wollen Sie noch Ihre hochkarätigen Sandkastenspiele organisieren?
Ich hab mir ausgerechnet, dass ich jeden einkommasiebenten Tag meinen Aufenthaltsort ändere. Ich bin zehn Monate im Jahr in Sachen Beachvolleyball unterwegs; ich habe im letzten Jahr eine Million Flugmeilen gesammelt. Andererseits, es ist ein Traumjob, schon wegen des Umstands, Red Bull als Partner zu haben: Ich verhandle jetzt mit den Größten der Großen der Branche. Diese Chance musst du einmal kriegen, das ist eine andere Liga, als wenn du ein Turnier in Kärnten aufziehst.

Also wie lange wollen Sie's noch machen? Mit Verlaub, Sie sind am besten Weg, der Bernie Ecclestone des Beachvolleyballs zu werden.
Das hab ich nicht vor. In der Frequenz, in der ich den Job jetzt betreibe, möchte ich's noch drei, vier Jahre machen. Dann sollte die Struktur so passen, dass ich nicht mehr jede zweite Woche rüberfliegen muss. Ich hoffe nicht, dass ich mich noch mit 85 bei 35 Grad auf einem Beachvolleyballplatz herumtreibe. Auf Sand kannst in dem Alter ohnedies nur schlecht gehen.

Hannes Jagerhofer

wurde 1962 in Klagenfurt geboren. Nach der Matura ging er nach Wien, wo er erfolglos Medizin studierte, aber mit seinen Clubbings Furore machte. Seit 1996 veranstaltete er das Beachvolleyballturnier in Klagenfurt. Außerdem betreibt er das Botendienstportal Checkrobin. Er ist unverheiratet Vater von zwei Kindern.