Jagd auf Nazi-Verbrecher Heim: Deutsche Justiz bittet Chile um Hilfe bei Ermittlungen

91-jähriger KZ-Arzt wird in Südamerika vermutet Gebürtiger Österreicher galt als besonders grausam

Die deutsche Justiz hat die chilenischen Behörden um Ermittlungen im Fall des möglicherweise in Chile untergetauchten NS-Kriegsverbrechers Aribert Heim gebeten. Der 91-Jährige gebürtige Österreicher sei vermutlich nach Chile ausgewandert, nach dem er mehrere Jahre zunächst in Ägypten und später in Spanien, Brasilien und Uruguay gelebt habe, verlautete am Samstag aus Justizkreisen in Santiago.

Heim, der wegen seiner grausamen Menschenversuche als "Doktor Tod" bekannt wurde, wird vorgeworfen, während des Zweiten Weltkriegs in den Konzentrationslagern Buchenwald und Mauthausen zahlreiche Insassen gefoltert und durch Herzinjektionen getötet zu haben. Nach dem Krieg praktizierte er viele Jahre in Süddeutschland. Als 1962 Anklage gegen ihn erhoben wurde, tauchte Heim unter.

Die Ermittler stießen im vergangenen Jahr auf die Spur des bereits tot Geglaubten, als Heims Anwälte beim Finanzamt ein Antrag um Verminderung der Vermögensteuer stellten. Der chilenische Oberste Gerichtshof muss über das deutsche Rechtshilfeersuchen entscheiden, bevor die Polizei in dem Fall ermitteln darf.

Im vergangenen September hatte die spanische Polizei auf Grundlage eines deutschen Rechtshilfeersuchens in der Region von Valencia nach Heim gesucht. Heim ist laut Simon-Wiesenthal-Zentrum nach dem Eichmann-Gehilfen Alois Brunner der meist gesuchte NS-Verbrecher weltweit. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg hat eine Belohnung von 130.000 Euro auf ihn ausgesetzt. Heim wurde 1914 in Radkersburg in der Steiermark geboren; 1940 trat er der Waffen-SS bei.

(apa)