IWF warnt vor Krieg auf Währungsmärkten:
Heftiger Streit zwischen USA, China und EU

IWF-Boss befürchtet Gefahr für globales Wachstum Abwertung des Yuan bleibt entscheidender Zankapfel

IWF warnt vor Krieg auf Währungsmärkten:
Heftiger Streit zwischen USA, China und EU © Bild: Corbis

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat mit deutlichen Worten vor den Gefahren eines weltweiten Währungskrieges gewarnt. Ein Abwertungswettlauf könne die Erholung der Weltwirtschaft abwürgen und enormen Schaden anrichten, sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn. Der deutsche Wirtschaftsminister Rainer Brüderle will in der kommenden Woche bei seiner China-Reise den Wert des Yuans thematisieren. Er glaube aber nicht, dass China seine Wechselkurspolitik rasch ändern werde. US-Finanzminister Timothy Geithner bekräftigte seine Forderung an starke Exportnationen, eine Aufwertung ihrer Währungen zuzulassen.

Strauss-Kahn kritisierte gegenüber der "Financial Times Deutschland", es breite sich die Idee aus, dass Währungen als politisches Druckmittel genutzt werden könnten. Wenn Staaten versuchten, mit Hilfe der Währung den heimischen Aufschwung anzukurbeln, sei die Stabilität der Weltwirtschaft längerfristig in ernster Gefahr.

Der IWF-Chef verwies auf den Währungsstreit der Industrienationen mit China und Eingriffe am Devisenmarkt in Asien und Südamerika. Schwellenländer versuchten, sich mit geldpolitischen Maßnahmen gegen starke ausländische Investitionsflüsse und die Verteuerung ihrer Währungen zu wehren. "Ich denke, dass das keine gute Idee ist", sagte Strauss-Kahn. Europa und die USA werfen unter anderem China vor, seine Währung niedrig zu halten und damit die heimische Wirtschaft zu subventionieren.

Geithner sagte, Staaten mit großen Handelsbilanzüberschüssen müssten eine Aufwertung ihrer Währungen zulassen. Andernfalls würden andere Länder nachziehen, sagte er in einer Rede laut im Voraus verbreitetem Manuskript. Geithner bekräftigte die Forderung der USA, dass exportstarke Nationen die Binnennachfrage ankurbeln sollten.

China weist Forderungen zurück
China zeigte sich unbeeindruckt. Bei einem Besuch in Brüssel wies Ministerpräsident Wen Jiabao Forderungen aus der EU nach einer Aufwertung des Yuans zurück und begründete dies mit der Sorge vor sozialen Unruhen in seinem Land. Dies könne für die Stabilität in der Welt ernste Konsequenzen haben.

Zuletzt sorgten die Notenbanken der USA und Japans für große Bewegungen an den Devisenmärkten. Die Bank of Japan intervenierte im September zum ersten Mal seit Jahren, um den Yen gezielt zu schwächen. Die asiatische Leitwährung ist derzeit so stark wie lange nicht mehr und eine Belastung für die Exportwirtschaft Japans. Die Ankündigung der Fed, bei einer weiteren Abschwächung der US-Konjunktur noch mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen, setzt auf der anderen Seite den Greenback seit Wochen unter Druck. Am Devisenmarkt fiel der Dollar am Mittwoch auf den tiefsten Stand seit fast neun Monaten.

Stiglitz gibt Fed & EZB die Schuld
Hauptschuldige an dem weltweiten Währungschaos sind nach Ansicht des US-Starökonomen und Nobelpreisträgers Joseph Stiglitz Fed und Europäische Zentralbank (EZB). Die von ihnen mit ihren Anti-Krisenmaßnahmen ausgelöste "Liquiditätsflut" destabilisiere die globalen Devisenmärkte, sagte Stiglitz in New York.

Da der IWF von den USA dominiert wird, erwartet kaum jemand, dass bei der Jahrestagung des Währungsfonds und der Weltbank am Wochenende in Washington etwas gegen den Abwertungswettlauf am Devisenmarkt unternommen wird. Das Thema steht aber bei den Beratungen von Regierungsvertretern und Notenbankern ganz oben auf der Tagesordnung.

(apa/red)

Kommentare

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Währungsstreit Schafft die einzelnen Landeswährungen ab und statt dessen eine global gültige \'Leistungseinheit\' (nennt sie Kaulimuschel, Global Currency, oder sonst was). Denn \'Geld\' ist schliesslich nur der Gegenwert einer Leistung, sofern es sich nicht um das Monopolygeld der Börsenzocker handelt die ohne Leistung Geld schaffen - ein Widerspruch in sich, welches aber trotzdem die Realwirtschaft (Leistung, BIP) ruiniert wie wir gelernt haben). Globale Wirtschaft verlangt globale Währung. Dann enden alle Währungsspekulationen und Subventionen, es werden gleiche Leistungen in verschiedenen Ländern kalibriert und der Konsument hat endlich einen wirklichen Vergleich.

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Re: Währungsstreit Globale Wirtschaft verlangt globale Währung?

Im Prinzip ja, nur haben wir leider keine globale Wirtschaft, sondern nur ein globales WirtschaftsSYSTEM.
Denn der Resourceneinsatz in ein und der selben Branche kann je nach Region/Nationalstaat/... unterschiedlich effizient sein. Und nenne mir bitte ein einziges Produkt, dass weltweit überall mit der selben Kosten-Nutzen-Effizienz hergestellt wird.
Die von dir postulierte "gleiche Leistung" gibt es daher nicht.
Und auch der "Vergleich für den Konsumenten" funktioniert nur unter der Annahme von Märkten, auf denen vollständige Information herrschaft - also das ALLE weltweit immer GLEICHZEITIG und KOSTENLOS alle Markinformationen zur Verfügung haben.

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Re: Währungsstreit Man müsste ja nicht einmal die Landeswährungen dabei abschaffen. Wie sich in den 30er Jahren gezeigt hat, war ein Experiment mit Freigeld (also ständig fließendem Geld) nämlich das "Wörgeler Freigeld" ziemlich erfolgreich. Die Wirtschaft in dieser Region blühte auf und die Arbeitslosigkeit sankt innerhalb eines Jahres um 25%. Das "Wörgeler Freigeld" wurde damals nach dem Vorbild Silvio Gesells eingeführt. Dieser hatte ja die Vorstellung, dass die einzelnen Länder zwar ihre Währungen behalten, sich aber zu einer internationalen Valuta-Assoziation zusammenschließen. Die sollten ein neutrales Weltgeld herausgeben um globale Ungleichgewichte in den Handelbeziehungen auszugleichen.
Leider sah die Zentralbank damals ihr Monopol gefährdet und ließ das Freigeld wieder abschaffen.

Wer hätte das gedacht... ...dass den Amerikanern einmal wer ein wenig auf die Zehen tritt? .....sie selbst wohl am allerwenigsten.
Wird der IWF, den man ja bisher eher als "amerikanischen Währungsfond" bezeichnen hätte müssen, nun wirklich international?

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