"Iter" bringt auch Chancen für Österreich: Forschungseinrichtungen & Firmen beteiligt

Hitzebeständige Materialien aus Österreich

An dem Milliarden-Projekt zum Bau des neuen Kernfusionsreaktors Iter werden auch österreichische Forschungs-Einrichtungen und Unternehmen mitnaschen. In dem bereits bestehenden Forschungsnetzwerk seien sowohl die Akademie der Wissenschaften, als auch die Technische Universität Wien und die Uni Graz eingebunden. Einen klingenden Namen in der Branche habe auch die Tiroler Firma Plansee, sagte der Leiter für die Fusion-Vereinbarung in der EU-Kommission, Yvan Capouet.

Die EU wird ab kommendem Jahr Aufträge von insgesamt 1,5 Mrd. Euro ausschreiben, davon 60 Mio. Euro 2007, knapp 100 Mio. Euro 2008 und in den Jahren 2009 bis 2014 jeweils knapp 200 Mio. Euro. Interessierte Unternehmen können sich bereits seit März in eine Zuliefer-Datenbank im Internet unter http://www.efda.org eintragen.

Österreich sei vor allem in der Materialforschung führend, erklärte Capouet. Plansee etwa erzeugt aus Wolfram Innenverkleidungen für den Fusionsreaktor, die extrem hohen Temperaturen von 1.700 Grad standhalten können. Sie sollen an den exponiertesten Stellen im Fusionsreaktor eingesetzt werden, dort wo Randschichten des Plasmas mit Bauteilen in Berührung kommen ("Erste Wand" genannt). Außerdem entwickelt das Unternehmen mit bereits 4.500 Mitarbeitern auch Hochleistungswärmetauscher für Kernfusionsreaktoren. Bauteile der Tiroler Firma aus Reutte stecken etwa bereits bestehenden französischen Versuchsreaktor "Tore Supra".

Ebenfalls international führend ist Böhler-Edelstahl in Kapfenberg, wo man das Know-how für die Produktion von Stahl höchsten Reinheitsgrades und höchster Freiheit von Spurenelementen entwickelt hat. Durch die Vermeidung von Spurenelementen im Stahl soll eine möglichst geringe Radioaktivität des Materials gewährleistet werden.

Koordiniert werden die österreichischen Tätigkeiten von dem an der Akademie der Wissenschaften eingerichteten EURATOM-Koordinationsbüro unter der Leitung des Physikers Hannspeter Winter von der Technischen Universität Wien. Winter zufolge beteiligen sich österreichische Forscher nicht nur an der Lösung physikalischer und technischer Probleme, sondern auch an sozio-ökonomischen Fragestellungen im Zusammenhang mit der Kernfusion. Denn ob die Kernfusion jemals für die Stromerzeugung verwendet wird, hänge nicht nur von wissenschaftlichen und ökonomischen Fragen ab, sondern auch von der Akzeptanz in der Bevölkerung.

(apa/red)