Italiens Kampf gegen die Müll-Windmühlen:
Regierung verbietet jetzt Plastik-Sackerln

Berlusconi: Ende Juli keine Müllberge mehr in Neapel Krise kostete bisher mehr als 200 Millionen Euro

Italiens Kampf gegen die Müll-Windmühlen:
Regierung verbietet jetzt Plastik-Sackerln © Bild: EPA/Fusco

Noch immer türmen sich meterhohe Abfallberge enlang der Straßen von Neapel. Touristen halten sich gegen den Gestank Taschentücher vors Gesicht. Von einem Ende der Müllkrise ist noch nichts zu bemerken, daher hat jetzt die italienische Regierung erste Schritte erlassen. Ab sofort sind Plastik-Sackerln und Wegwerf-Produkte verboten.

"Es genügt nicht, Recycling zu fördern, man muss einfach weniger Abfall produzieren. Die Menge des täglich produzierten Abfalls ist so gewaltig, dass man neue Strategien finden muss", sagte der mit der Bewältigung der Müllkrise in Neapel beauftragte Unterstaatssekretär Guido Bertolaso im Gespräch mit Journalisten in Rom.

200 Millionen Euro Kosten
Bertolaso erklärte, dass die Müllkrise in Neapel in einem Jahr den Staatskassen 200 Millionen Euro gekostet habe. Vor allem die Ausgaben für die Entsorgung des Unrats Neapels in Deutschland würden die öffentlichen Kassen schwer belasten. Um eine Tonne Abfall per Bahn nach Deutschland zu bringen, müsse Italien 350 Euro ausgeben. Das sei nicht mehr annehmbar, sagte Bertolaso. Er verfüge über ein Budget von 150 Millionen Euro, um eine Lösung für die akute Notstandslage zu finden. Bis Ende Juli werden die Müllberge von den Straßen Neapels verschwinden. Das Heer sei im Dauereinsatz, um die Straßen vom Unrat zu befreien, versicherte Bertolaso.

Zwei neue Deponien
Um die Krise zu bewältigen, sollen in den nächsten Wochen zwei neue Mülldeponien geöffnet werden. Außerdem werde im Herbst der Bau einer Müllverbrennungsanlage in Acerra bei Neapel fortgesetzt, deren Errichtung wegen des Protests der Bevölkerung gestoppt worden war, sagte Bertolaso. Die Verbrennungsanlage in Acerra soll die größte in Europa werden. In den nächsten Jahren sollen insgesamt vier Verbrennungsanlagen der jüngsten Generation errichtet werden, in denen auch der Müll verbrannt werden soll, der in den vergangenen Jahren auf illegalen Deponien unter Kontrolle der Camorra entsorgt worden war.

Österreich ein Vorbild
Die Regierung Berlusconi plane eine Kampagne, um der Bevölkerung klar zu machen, dass Mülldeponien und Verbrennungsanlagen keine Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellen. "Wir nehmen uns an Ländern wie Österreich ein Beispiel, in denen Müllverbrennungsanlagen zu einer Einnahmequelle geworden sind und der Bevölkerung Strom und Wärme liefern", meinte Bertolaso.

Der Unterstaatsekretär berichtete, dass in der süditalienischen Region Kampanien täglich 7.000 Tonnen Müll produziert werden. Die Hälfte davon stamme aus der Provinz Neapel. Der Großraum von Neapel sei Europas Gebiet mit der höchsten Zahl von Einwohnern pro Quadratmeter. In einem dermaßen dicht bevölkerten Gebiet sei es schwierig, geeignete Mülldeponien zu finden, erklärte Bertolaso. (apa/red)