Italiens Frächter beenden den Streik: Land vorerst dennoch fast im Ausnahmezustand

Folgen: 80% der Tankstellen mittlerweile ohne Benzin Frächtergewerkschaften mit Regierung im Gespräch

Italiens Frächter beenden den Streik: Land vorerst dennoch fast im Ausnahmezustand

Die italienischen Frächter haben beschlossen, ihren seit Montag andauernden wilden Streik auszusetzen. Dies berichteten Sprecher der Frächtergewerkschaften, die mit der Regierung zusammen getroffen waren. "Der Streik ist beendet", bestätigte Staatssekretär Enrico Letta. Die Frächter reagierten positiv auf Vorschläge der Regierung Prodi, die den Verbänden ein Dokument mit Maßnahmen für die Berufsgruppe der Lastwagenfahrer vorgelegt hatte.

Das Paket beinhaltet Anti-Dumping-Maßnahmen gegen unfaire Konkurrenz durch osteuropäischen Frächtern sowie Vorschläge zur Reform des italienischen Transportwesens. Auch über eine Senkung der Spritsteuer zeigte die Regierung Dialogbereitschaft. Pasquale Russo, Generalsekretär des Verbands Conftrasporto, der die sieben größten Frächtergewerkschaften vereint, bewertete das Regierungsdokument als grundsätzlich positiv. Nach Gewerkschaftsangaben hatten sich 90 Prozent der italienischen Frächter dem Streik angeschlossen. Der Ausstand war ursprünglich bis Freitag geplant.

Kein Benzin, Medizin knapp
Italien hatte die Auswirkungen des Streiks hart zu spüren bekommen. 80 Prozent der italienischen Tankstellen waren ohne Benzin. Lange Schlangen bildeten sich vor den wenigen Tankstellen, die noch Benzin hatten. In einigen Fällen kam es auch zu Schlägereien zwischen aufgebrachten Autofahrern. Wegen der Benzinknappheit waren in Mailand 150.000 weniger Autos als sonst unterwegs. Auch die Fähr-Verbindungen zwischen dem Festland und den Inseln waren in mehreren Fällen abgebrochen. Auch im Vatikan musste Benzin rationiert werden. Jeder Angestellte durfte maximal für 20 Euro Benzin tanken. Sogar bei der Verteilung von Medikamenten kam es zu erheblichen Schwierigkeiten.

Industrie kurz vor Stillstand
Ferner kämpfte die Industrie mit großen Schwierigkeiten. Der Nahrungsmittelproduzent Barilla musste seine Arbeiter nach Hause schicken, weil die Fabriken nicht beliefert wurden. Bei Fiat hatten 25.000 Arbeitnehmer frei. Die Produktion von 5.000 Pkw sei ausgefallen, teilte der Konzern mit. Der Industriellenverband Confindustria klagte bereits über Schäden in Millionenhöhe.

Die Regierung Prodi hatte zuvor die zwangsmäßige Arbeiteinberufung der LKW-Fahrer angeordnet. Die Staatsanwaltschaft Rom leitete eine Untersuchung wegen Unterbrechung des öffentlichen Dienstes ein. In mehreren Teilen Italiens identifizierte die Polizei mehrere Lwk-Fahrer, die trotz der Verordnung den Protest fortgesetzt hatten. (apa/red)