Italienischer Bluff

Markus R. Leeb über die gewagten Pläne von Fiat PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Sergio Marchionne ist ein talentierter Mann. Der 56-jährige Fiat-Boss beherrscht die Kunst der perfekten Inszenierung. Sein Deutschland-Besuch in legerem Outfit, im Maserati und mit wehendem Haar triefte vor Italo-Charme. Bereits wenige Stunden nachdem er ein Opel-Werk infrage gestellt hatte und den Protest spürte, absolvierte er einen Besuch bei der „Bild“-Zeitung (!), um zu verkünden, dass mit Fiat alle Werke sicher sind. Charisma hat Marchionne zweifelsohne.
Experten der Branche halten die italienischen Avancen allerdings für den Bluff des Jahrhunderts. Denn sowohl Fiat als auch die Übernahme-Objekte Chrysler und Opel sind schwer unter Wasser. Wenn man drei marode Konzerne vereint und als tollen Konzern bezeichnet, erinnert mich das an die faulen Kredit-Wertpapiere, die Auslöser der aktuellen Krise waren. Mit einem Heuschrecken-Hedgefonds vergleicht der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer den Fiat-Boss, weil dieser mit geringem Einsatz hohe Wirkung erzielen wolle. Ein Verbund mit Fiat und Chrysler würde Opel aushöhlen: Jobs und Modelle müssten am Ende wegfallen. Klar ist: Fiat hat Milliarden an Schulden. Man braucht Chuzpe, um daraus einen Weltkonzern zu bauen. Aber mit Milliarden an Staatshilfen könnte das klappen.