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Sensationsfund: Gauguin hing in der Küche

Polizei spürte vor 44 Jahren gestohlene Werke bei ahnungslosem Arbeiter auf

Gauguin-Fund in Italien © Bild: APA/EPA/Onorati

44 Jahre nach dem Diebstahl zweier Gemälde von Paul Gauguin und Pierre Bonnard in London sind die Werke nun in Italien aufgetaucht. Carabinieri konnten die wertvollen Bilder in der Wohnung eines ahnungslosen Arbeiters auf Sizilien aufspüren, der sie in den 70er Jahren für eine Bagatellsumme erworben hatte, teilte das italienische Kulturministerium am Mittwoch mit.

Kulturminister Dario Franceschini schilderte die "abenteuerlichen" Etappen der Fahndung nach den Werken der beiden französischen Post-Impressionisten bei einer Pressekonferenz in Rom. "Fruits sur une table ou nature au petit chien" heißt das Gemälde von Paul Gauguin aus dem Jahr 1889, das von den italienischen Carabinieri wiedergefunden wurde. Es war mit Bonnards Werk "La femme aux deux fauteuils" im Juni 1970 aus einer Luxusresidenz im Londoner Regent's Park gestohlen worden. Der Wert des Gauguin-Gemäldes wird auf rund 35 Millionen Euro geschätzt, berichtete Franceschini. Bonnards Gemälde sei ungefähr 600.000 Euro wert.

Gauguin-Fund in Italien
© APA/EPA/Onorati Der gefundene Bonnard

In Zug zurückgelassen

Die beiden Ölgemälde waren einem reichen englischen Ehepaar in London entwendet, dann nach Frankreich und später per Bahn über die Strecke Paris-Turin nach Italien gebracht worden. Die Gemälde wurden dann aus noch ungeklärten Gründen an Bord eines Zugs in Turin zurückgelassen und vom Bahnpersonal gefunden. 1975 wurden sie von dem sizilianischen Fiat-Arbeiter bei einer Auktion verlorener Gegenstände der Staatsbahnen für 45.000 Lira (heute circa 20 Euro) gekauft.

Gauguin-Fund in Italien
© APA/EPA/Onorati Gauguin-Bild

Der inzwischen pensionierte Fiat-Arbeiter kannte nicht die Herkunft der Bilder, die jahrelang in der Küche seiner Wohnung in Turin und dann auf Sizilien hingen. Erst vor einigen Monaten erhielten die Carabinieri zufällig Fotos der beiden Gemälde und nahmen Ermittlungen im Fall auf.

Keine Erben

Das englische Ehepaar, dem die Bilder gestohlen wurden, ist ohne Erben gestorben. Die italienischen Behörden haben Kontakte in London aufgenommen, um festzustellen, ob jemand die Gemälde beanspruchen könnte. Die beiden Bilder waren nicht in der Liste der international gesuchten Kunstwerke eingetragen.

Die Sicherstellung der beiden Gemälde ist ein Erfolg für die auf Suche nach kulturellem Diebesgut spezialisierte Einheit der Carabinieri. Die weltweit renommierte Task Force verfügt nach eigenen Angaben mit rund 5,7 Millionen aufgelisteten Objekten über die größte Datenbank der Welt für gestohlene Kunst.

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