Italien besteht gegen entfesselte Schotten:
Kanpper Sieg im Hexenkessel von Glasgow

Luca Toni widmete Sieg erschossenem Lazio-Fan Schotten fühlen sich vom Schiedsrichter beraubt

Italien besteht gegen entfesselte Schotten:
Kanpper Sieg im Hexenkessel von Glasgow

Weltmeisterlich und mit einer Portion Glück hat Italien die Nerven behalten und mit einem 2:1 im Schlüsselspiel in Schottland das Ticket für die EURO 2008 gelöst. "Dieses Team wird Europameister", prophezeite Marcello Lippi, der die "Squadra" 2006 zum WM-Titel geführt hatte. Sein lange Zeit umstrittener Nachfolger Roberto Donadoni atmete nach dem Thriller im Hexenkessel Glasgow tief durch und war von der Courage seiner Truppe angetan: "Ich bin tief bewegt. So ein Spiel habe ich noch nie erlebt."

"Complimenti Donadoni", gab es etwa vom "Corriere dello Sport" Sonderlob für den Coach. Donadoni selbst reichte dieses direkt an Kapitän Fabio Cannavaro und Co. weiter: "Als ich den Spielern in die Augen geschaut habe, wusste ich, dass wir es schaffen." Eine Blamage wie Anfang der 80er Jahre blieb damit aus, damals hatten die Italiener als Weltmeister 1982 die EM 1984 verpasst.

Dass der Last-Minute-Siegestreffer von Christian Panucci in der 91. Minute auch die seit dem hitzigen WM-Finale zum Erzfeind gewordenen Franzosen fix zur EURO brachte, stieß einigen Italienern bitter auf. "Dass wir Frankreich zur EM geschossen haben, passt mir gar nicht. Schottland hätte es mehr verdient", betonte etwa Mittelfeld-Abräumer Gennaro Gattuso, der über den französischen Coach Raymond Domenech meinte: "Domenech muss immer etwas sagen, er hat die Quali nicht verdient. Ich hoffe, dass wir bei der EM gegen Frankreich spielen und ihnen eine Lektion erteilen."

Freude im krisengeschüttelten Italien
"Paradiso Italia", bejubelte "Tuttosport" den ersten italienischen Sieg in Schottland als ersten Lichtblick nach dem Tod des Lazio-Fans Gabriele Sandri und den Fan-Krawallen in der vergangenen Woche. Der tragische Zwischenfall vom 11. November war bei den "Azzurri" auch in Glasgow allgegenwärtig. Verbandspräsident Giancarlo Abete zeigte sich erleichtert, dass die Mannschaft auf internationaler Bühne endlich wieder ein positives Bild des von Skandalen gebeutelten italienischen Fußball-Sports zeichnen konnte.

Und Luca Toni, der Italien bereits nach 67 Sekunden in Front gebracht hatte, stellte klar: "Den Sieg widmen wir Gabriele Sandri." Die "Gazzetta dello Sport" bezeichnete den Bayern-München-Star als "absolut unersetzlich".

Schottland mit großem Herz
Schottland fühlte sich nach Schlusspfiff vom - allerdings auf beiden Seiten - schwachen Schiedsrichter Manuel Mejuto Gonzales betrogen. "Wir wurden vom Referee beraubt", meinte James McFadden, der die ganz große Chance auf das zwischenzeitliche 2:1 verhaute. Beraubt fühlten sie sich vor allem durch den Treffer zum 1:2, dem ein vollkommen unberechtigter Freistoß-Pfiff vorausgegangen war. "Meine Spieler hatten es nicht verdient, zu verlieren. In der zweiten Hälfte hing Italien in den Seilen", klagte Teamchef Alex McLeish.

Die 51.301 Zuschauer im Stadion feierten die Mannschaft trotzdem. Die "Tartan Army" jubelte nach dem Abpfiff so lange, bis sich die niedergeschlagenen Spieler noch einmal in der Arena zeigten. "Alex McLeish und seine Mannschaft haben Schottlands Stolz in seine Fußball-Elf wiedererweckt", lobte der britische Premierminister Gordon Brown, der die Partie im Stadion verfolgt hatte.

(apa/red)