Italien von

Morddrohung im Ruby-Prozess

Ilda Boccassini forderte Haftstrafe für Berlusconi – Erhielt Drohbrief mit Patronen

Berlusconi und Boccassini © Bild: Getty/ AFP

Massive Einschüchterungsversuche im Ruby-Prozess: Die prominente Mailänder Staatsanwältin Ilda Boccassini (siehe Bild) hat im Zusammenhang mit dem sogenannten Ruby-Prozess gegen Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi Morddrohungen erhalten. Die bekannte Staatsanwältin habe in den vergangenen Wochen zahlreiche anonyme Drohbriefe erhalten und nun auch einen Umschlag, der neben einer Morddrohung zwei Geschoßpatronen enthielt, teilte die Staatsanwaltschaft in Mailand laut ANSA am Donnerstag mit.Unterdessen sagte Ruby vor Gericht aus.

Einige Dutzend handgeschriebene Drohbriefe von unterschiedlichen Verfassern habe Boccassini in den vergangenen Wochen erhalten. Gehäuft hätten sich die Drohschreiben, seitdem die Anklägerin im Ruby-Prozess vergangene Woche sechs Jahre Haft und einen lebenslangen Ausschluss aus allen öffentlichen Ämtern für Berlusconi gefordert hatte. Im jüngsten und deutlichsten Drohbrief mit den beigefügten Pistolenkugeln sei der Ruby-Prozess auch explizit erwähnt worden.

Boccassini ist eine der prominentesten italienischen Staatsanwälte. Seit vielen Jahren ermittelt die rothaarige Staatsanwältin, die in Italien "rote Hilde" genannt wird, gegen Berlusconi und avancierte dadurch zum Feindbild seiner Anhängerschaft. Im Ruby-Prozess ist Berlusconi wegen Amtsmissbrauch und Sex mit der damals minderjährigen Marokkanerin Karima el Marough alias "Ruby Herzensbrecherin" angeklagt.

Ruby sagte als Zeuginaus

Die junge Ex-Nachtclubtänzerin Karima el Marough alias "Ruby Herzensbrecherin", die im Mittelpunkt eines Prozesses gegen den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi steht, hat am Freitag als Zeugin der Verteidigung vor Gericht ausgesagt und zugegeben, auch vor den Ermittlern wiederholt gelogen zu haben. Die 20-jährige Marokkanerin hatte gegenüber den ermittelnden Staatsanwälten angegeben, von Berlusconi und seinem Buchhalter 187.000 Euro in bar bekommen zu haben. Auf Fragen des Mailänder Staatsanwalts Antonio Sangermano erklärte Ruby nun, die Summe habe sie "erfunden", um Aufsehen zu erregen.


Der Ex-Chefredakteur der Tagesschau TG 4, Emilio Fede, der ehemalige Showgirl-Manager Lele Mora und die Ex-Regionalpolitikerin Nicole Minetti werden beschuldigt, Ruby und andere Callgirls für ausschweifende Partys in der Villa Berlusconis bei Mailand vermittelt zu haben..

Ruby, die in Begleitung ihres Lebensgefährten Luca Rizzo erschien, antwortete oft vage auf Fragen des Staatsanwalts. Öfters wiederholte sie, sie erinnere sich an die Vorfälle nicht mehr. So konnte sie dem Staatsanwalt auch nicht die Frage beantworten, ob sie in einer Nacht im März 2010 allein oder mit anderen jungen Frauen in der Berlusconi-Villa übernachtet habe. Sie dementierte, einer Freundin gesagt zu haben, es sei zum Sex mit dem damaligen Regierungschef gekommen. Bereits vor einer Woche hatte sich Ruby von früheren Äußerungen distanziert. Zugleich bekräftigte sie, niemals sexuelle Beziehung zu Berlusconi gehabt zu haben.

Auf wilden Partys in Berlusconis Villa in Arcore soll die Marokkanerin wie weitere 32 junge Frauen für Geld, Schmuck und Autos mit dem Medienzaren intim geworden sein, heißt es in der Anklage der Mailänder Staatsanwälte. Die Staatsanwälte führen vor allem abgehörte Telefongespräche und Aussagen der Mädchen ins Treffen.

Das Mailänder Verfahren läuft parallel zu einem weiteren Prozess gegen Berlusconi. Dieser ist angeklagt, weil er mit der Marokkanerin Sex gehabt haben soll, als diese noch minderjährig war. Der 76-Jährige soll zudem seine Beziehungen genutzt haben, damit die Polizei sie nach einer Festnahme wegen Diebstahls im Jahr 2010 freiließ. Staatsanwältin Ilda Boccassini hatte vor zwei Wochen für Berlusconi eine sechsjährige Haftstrafe und den lebenslangen Ausschluss aus allen öffentlichen Ämtern gefordert. Mit einem Urteil im Prozess ist am 24. Juni zu rechnen.

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