Italien von

"Bin Komiker, kein Clown"

Beppe Grillo beleidigt. Überraschungssieger will "keine Regierung unterstützen".

Beppe Grillo © Bild: APA/EPA/Ettore Ferrari

Der Überraschungssieger der italienischen Parlamentswahlen, Beppe Grillo, wirft dem deutschen Sozialdemokraten und Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück schlechte Manieren wegen dessen "Clowns"-Bemerkung vor. "Steinbrück hat sich benommen wie ein Flegel", sagte der frühere italienische TV-Komiker einer deutschen Zeitung. Auf einer SPD-Veranstaltung hatte Steinbrück den Gründer der Protestbewegung "Fünf Sterne" und den ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi nach deren Wahlerfolgen als "Clowns" bezeichnet.

"Ich bin ein Komiker, aber kein Clown", stellte Grillo gegenüber der "Bild am Sonntag" klar. Von Steinbrück erwarte er keine Entschuldigung: "Die interessiert mich gar nicht." Steinbrück habe aber mit seiner Äußerung "alle Italiener beleidigt".

"Clown" als Ehrentitel

Italiens früherer Ministerpräsident Silvio Berlusconi kann sich nach Ansicht von SPD-Chef Sigmar Gabriel freuen, dass er als Clown bezeichnet worden ist. "Ich glaube, Herr Berlusconi hat Glück, dass wir ihm eine so ehrenwerte Berufsbezeichnung gegeben haben", sagte Gabriel am Samstag am Rande des SPD-Bürgerkonvents in Berlin. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hatte mit Blick auf den Wahlausgang in Italien betont: "Bis zu einem gewissen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben." Er spielte so auf das Abschneiden Berlusconis und des Spitzenkandidaten der Protestbewegung "Fünf Sterne", Beppe Grillo, an. Steinbrück wollte dazu nichts mehr sagen - nannte aber das Meinungsbild auf seine umstrittene Aussage "faszinierend".

Grillo: "Werden keine Regierung unterstützen"

Beppe Grillo hat unterdessen erneut ausgeschlossen, dass seine Protestbewegung "Fünf Sterne" einer neuen Regierung in Rom sein Vertrauen aussprechen wird. "Wir werden im Parlament lediglich für Gesetze stimmen, die unserem Programm entsprechen", erklärte der Starkomiker auf seinem Blog am Samstag.

Der 64-Jährige warf der italienischen Mitte-Links-Allianz um Pierluigi Bersani vor, mit dem Versprechen prestigereicher Ämter Parlamentarier seiner Gruppierung zur Unterstützung einer linken Regierung animieren zu wollen. Abgeordnete, Aktivisten und Wähler seiner Organisation seien nicht käuflich, sagte Grillo. "Bersani ist am Ende, er hat es nur noch nicht mitgekriegt", erklärte der Erfolgsblogger.

Mandatare verzichten auf Hälfte ihres Gehalts

Die 162 Grillo-Mandatare, die ins neue Parlament einziehen, haben inzwischen angekündigt, dass sie freiwillig auf die Hälfte ihres Parlamentariergehalts verzichten werden. Jeder Grillo-Parlamentarier wird rund 2.500 Euro Netto und den Tagessatz für die Mandatspesen beziehen, geht aus dem Statut der "Fünf Sterne"-Partei hervor. Die gegen den Euro und die "Politiker-Kaste" wetternde Protestbewegung ist zur stärksten politischen Kraft im neuen Parlament aufgerückt und ist bei den Verhandlungen für die Regierungsbildung entscheidend.

Die Grillo-Bewegung will auf 42,7 Millionen Euro verzichten, die die Gruppierung laut Italiens freigiebigem System der Parteienfinanzierung als Rückerstattung von Wahlkampfspesen beanspruchen kann. "Bersanis PD wird 48 Millionen Euro und Berlusconis Partei 38 Millionen Euro erhalten. Wir werden auf unsere 42,7 Millionen Euro verzichten", sagte Grillo.

Politisches System Italiens wird zusammenbrechen

Grillo rechnet damit, dass das politische System seines Landes noch in diesem Jahr zusammenbrechen wird. "Ich gebe den alten Parteien noch sechs Monate - und dann ist hier Schluss", sagte der prominente Komiker dem Nachrichtenmagazin "Focus". "Dann können sie die Pensionen nicht mehr zahlen und auch die öffentlichen Gehälter nicht mehr."

Der Gründer der Partei Fünf Sterne forderte, Italiens Staatsschulden neu auszuhandeln: "Wir werden erdrückt - nicht von dem Euro, sondern von unseren Schulden. Wenn die Zinsen 100 Milliarden Euro pro Jahr betragen, sind wir tot. Es gibt da keine Alternativen."

Kommentare

Ivoir

Zitat von Beppe Grillo: "Ich bin ein Komiker, aber kein Clown"
Würde mich sehr interessieren, wie diese Kräfteverhältnis in unserer Regierung aussieht?

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