Italien will Blutbad auf Straßen stoppen: Tempo 120 soll Horror-Statistik entschärfen

Durchschnittlich 18 Tote pro Tag bei Verkehrsunfällen Strafen für alkoholisierte Fahrer werden verschärft

Italien will das Blutbad auf seinen Straßen stoppen. Der italienische Verkehrsminister Alessandro Bianchi will ein Maßnahmenpaket verabschieden, mit dem die Strafen für Verkehrsrowdys deutlich verschärft werden. Auf den Autobahnen soll die erlaubte Geschwindigkeit von 130 auf 120 Stundenkilometer reduziert werden, berichtete die römische Tageszeitung "Il Messaggero".

Zugleich will man die Strafen für alkoholisierte Fahrer verschärfen. Bianchi entschloss sich zu schärferen Maßnahmen, nachdem in den vergangenen Wochen eine Reihe schwerer Autounfälle mit vielen jungen Toten die Öffentlichkeit geschockt haben.

Im Durchschnitt sterben mehr als 18 Menschen täglich auf Italiens Straßen. Jährlich werden mehr als 210.000 Unfälle gemeldet. Italien ist somit mit Portugal und Griechenland Europas schwarzes Schaf, was Sicherheit auf den Straßen betrifft. "Wir registrieren einen Toten alle 78 Minuten", so ein Sprecher des italienischen Automobilverbands ACI. Unaufmerksamkeit, zu hohe Geschwindigkeit und Übermüdung seien für die vielen Opfer mitverantwortlich, geht aus einer Statistik des ACI hervor. Die Mehrheit der Unfälle ereignet sich auf Gemeindestraßen (74 Prozent), nur sechs Prozent auf Autobahnen.

Straßennetz seit den 70ern nicht mehr erneuert
Laut italienischen Studien ist die hohe Unfallrate auch dem veralteten Straßennetz zuzuschreiben, das seit den siebziger Jahren nicht mehr erneuert wurde, obwohl der Verkehr seither um 60 Prozent zugenommen hat. Auch alte Fahrzeuge tragen zu unzähligen Unfällen bei. Trotz staatlicher Subventionen für die Verschrottung alter Pkw sind immer noch viel zu viele alte und unsichere Wagen unterwegs. Nur bei wenigen Autos sind etwa Airbags installiert.

Auch die Familienangehörigen der Opfer von Autounfällen geben sich mit der neuen Straßenverkehrsordnung nicht zufrieden. Einige Mitglieder des Verbands, der für mehr Sicherheit auf den Straßen kämpft, ketteten sich dieser Tage vor dem Regierungssitz in Rom an. Sie wollten damit gegen die "Oberflächlichkeit" der Ermittlungen bei Autounfällen protestieren. Die Prozesse gegen Autofahrer, die für den Tod anderer Personen verantwortlich sind, seien zu langwierig, klagten sie.

In den meisten Fällen komme der Verantwortliche nicht einmal ins Gefängnis. Die Strafen bei tödlichen Verkehrsunfällen müssten drastisch verschärft werden.

(apa/red)