Italien bastelt wieder an netten Atompilzen:
Nachbar will neue AKW-Generation bauen

Ausstieg aus dem Atom-Ausstieg aus dem Jahr 1987 Grundsteinlegung soll spätestens in 5 Jahren erfolgen

Italien will nach mehr als zwei Jahrzehnten wieder in die zivile Nutzung der Atomkraft einsteigen. In der Legislaturperiode bis 2013 soll der Grundstein für den Bau einer Gruppe von Anlagen "der neuen Generation" gelegt werden. Das kündigte Industrieminister Claudio Scajola vor dem Arbeitgeberverband Confindustria in Rom an. Im Sommer 1987 war die Nutzung der Atomenergie durch ein Referendum untersagt worden.

"Ein Aktionsplan für die Rückkehr zur Atomenergie ist unausweichlich", sagte der Minister unter dem Beifall seiner Zuhörer. Scajola erinnerte daran, dass Ministerpräsident Silvio Berlusconi im Wahlkampf die erneute Nutzung der Atomkraft in sein Programm geschrieben hatte, um Italien energiepolitisch unabhängiger von Importen zu machen und die industrielle Kompetenz zu stärken.

"Nur Atomkraftwerke erlauben die Produktion von Energie auf sichere, wettbewerbsfähige Weise und mit Rücksicht auf die Umwelt", sagte Scajola vor dem Arbeitgeberverband. Für glaubwürdige Lösungen bei der atomaren Entsorgung solle gesorgt werden. Für Rom böte sich eine Zusammenarbeit mit dem Atomkraftnachbarn Frankreich an. Auch wegen der Energieversorgung pflegte Berlusconi gute Beziehungen zu Wladimir Putin in dessen Zeit als russischer Präsident. "Seit Tschernobyl hat es keine schweren Vorkommnisse gegeben", hatte Berlusconi im Wahlkampf gesagt und daran erinnert, dass "Energie in Italien doppelt so teuer wie in Frankreich ist".

"In Nuklearenergie investieren"
Auch für Confindustria-Chef Emma Marcegaglia ist die Zeit gekommen, "in Nuklearenergie zu investieren", weil das Land zu abhängig von ausländischen Energiequellen geworden sei. Fulvio Conti, Chef des Energiekonzerns Enel, an dem der italienische Staat direkt bzw. indirekt 30 Prozent hält, sagte, sein Unternehmen sei "technisch bereit", sich an der Initiative zu beteiligen. "Es ist ein guter Anfang der Regierung", so Conti - er bestätige die Notwendigkeit der Diversifizierung der Energiequellen und der Investition in Infrastruktur. Im April hatte Conti gesagt, es würde "sieben bis zehn Jahre dauern, bis ein neuer Nuklearreaktor ans Netz gehen könnte".

Ein Jahr nach dem Super-GAU im ukrainischen Tschernobyl 1986 hatten die Italiener per Volksabstimmung das Ende der Kernkraft durchgesetzt. Damit mussten die drei damaligen Atomkraftwerke abgeschaltet werden, ein in Bau befindliches AKW ging nicht mehr ans Netz. Laut Enel gewinnt Italien heute 60 Prozent seiner Energie aus Erdgas. Große Stromausfälle wie im September 2003 haben wiederholt die Diskussion um eine Rückkehr zur Kernkraft angeheizt. (apa/red)