Ist Turpal-Ali Y. ein "Unschuldslamm"?
Dritter Verhandlungstag im Israilov-Prozess

Flüchtling Israilov wurde in Floridsdorf erschossen Kam Auftrag vom tschetschenischen Präsidenten?

Ist Turpal-Ali Y. ein "Unschuldslamm"?
Dritter Verhandlungstag im Israilov-Prozess

Turpal-Ali Y. präsentierte sich den Geschworenen als "Unschuldslamm". Er sei nur deshalb zu Israilovs Adresse gefahren, weil ihn Suleyman D. darum gebeten habe: "Die Tschetschenen sind ein kleines Volk, da hilft man sich gegenseitig." Letscha B. - für die Anklage gilt er als der Todesschütze, dem nach dem Geschehen die Flucht nach Tschetschenien gelungen war - und Otto K. wären ihm bis dahin völlig unbekannt gewesen.

Bei Israilov angelangt, habe er abgewartet. Plötzlich habe er Schüsse vernommen, "und Letscha ist mir entgegengelaufen." Er habe es mit der Angst zu tun bekommen und sei Letscha hinterhergerannt. Dieser habe ihm plötzlich eine Pistole zugeworfen, behauptete Turpal-Ali Y.: "Ich habe weiter Angst bekommen und die Pistole in eine Mülltonne geworfen. Mein Hauptziel war, so schnell wie möglich von dort wegzufahren."

Zeuge glaubte an "Filmdreh"
Staatsanwalt Leopold Bien glaubt beweisen zu können, dass Turpal-Ali Y. in den Plan, Israilov zu entführen, eingeweiht war und dazu bestimmt wurde, diesen zu überwältigen. Der Versuch schlug jedoch fehl, worauf der 31-Jährige und Letscha B. laut Anklage Pistolen zogen und mehrere Schüsse auf Israilov abgaben. Ein Autofahrer, der diese Szenen zufällig mitbekam, glaubte, "dass da ein Film gedreht wird", sagte der Mann im Zeugenstand.

Befragt wurde auch eine Frau, die vom Balkon ihrer Wohnung aus mitbekommen hatte, wie Israilov verfolgt und niedergeschossen wurde. Mit ihrem Fotoapparat fertigte sie ein Bild der flüchtenden Täter an. Danach lief die Frau mit Verbandszeug auf die Straße und versorgte den zu diesem Zeitpunkt noch ansprechbaren, tödlich getroffenen Israilov. Auf ihre Frage, wer geschossen habe, erwiderte der Sterbende: "Ich weiß es nicht."

Die insgesamt acht gehörten Zeugen wurden aus Sicherheitsgründen in Abwesenheit der Angeklagten vernommen. Anschließend wurden ihnen jeweils Suleyman D. und Turpal-Ali Y. gegenüber gestellt. Mit einer Ausnahme verneinten alle die Frage, ob sie die beiden als die Täter identifizieren könnten. Ein Mann glaube zwar, in Turpal-Ali Y. jenen Mann wieder zu erkennen, der mit einer Pistole in der Hand die Leopoldauer Straße entlanggelaufen war, "aber nicht mit hundertprozentiger Sicherheit."

(apa/red)