Ist bald Schluss mit dem Medizin-Turnus?
Karls Reformvorschlag löst Debatte aus

Ärzte begrüßen Vorstoß der Wissenschaftsministerin Gesundheitsminister Stöger ist hingegen skeptisch

Ist bald Schluss mit dem Medizin-Turnus?
Karls Reformvorschlag löst Debatte aus © Bild: dpa/Rolf Vennenbernd

Der Vorstoß von Wissenschaftsministerin Karl zur Reform der Ärzteausbildung ist seitens der Mediziner großteils positiv aufgenommen worden. Karl will statt des dreijährigen Turnus ein Praxisjahr in das Studium einbeziehen und damit gleich nach der Uni zumindest in Teilbereichen die freie Berufsausübung ermöglichen. Gesundheitsminister Stöger zeigte sich am Samstag skeptisch.

Wie ein Sprecher der Wissenschaftsministerin erläuterte, will Karl eine Ausbildungsreform nach deutschen Vorbild. Eine Teilapprobation, die das selbstständige Arbeiten mit Patienten erlaubt, soll es dadurch bereits nach dem Studium geben. Wer Facharzt oder Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag werden will, muss allerdings weiter eine Ausbildung absolvieren - und die könnte sogar länger ausfallen als bisher.

Verwunderung im Gesundheitsministerium
Im Gesundheitsministerium zeigte man sich verwundert. Es sei nicht sinnvoll, den bisherigen Turnus in verschiedenen Spitalsabteilungen abzuschaffen und in das Studium zu verlagern, weil zu befürchten sei, dass die Qualität der praktischen Ausbildung leide, so eine Sprecherin Stögers. "Ein gut ausgebildeter Arzt ist das Ziel, nicht einer, der möglichst kurz ausgebildet ist", sagte sie. Gegen sinnvolle Adaptierungen habe man nichts einzuwenden, man sei auch in Gesprächen mit der Ärztekammer.

Dort wurde die Idee Karls begrüßt. Der für Ausbildung zuständige oberösterreichische Kammerpräsident Niedermoser sagte, dass die Ärztekammer schon lange eine auf die Praxis zentrierte Reform des dritten Abschnitts des Medizinstudiums anstrebe. Weiterhin müsse es danach aber eine qualitätsgesicherte Aus- und Weiterbildung geben. Die Kammer wünscht sich dabei eine Facharztausbildung auch für Allgemeinmediziner - und die würde nicht drei, sondern sogar fünf Jahre lang dauern.

Attraktiveres Österreich
Der Rektor der Wiener Medizin-Uni, Schütz, unterstützte Karls Vorschlag. Die Absolventen seien durch gegenüber ihren Kollegen aus den meisten europäischen Ländern stark benachteiligt, erklärte er. Österreich würde durch die Abschaffung des Turnus für Jungmediziner als Arbeitsplatz erheblich attraktiver.

(apa/red)

Kommentare

derpradler

Bei den Zahnärzten hat man ja das Niveau mit Erfolg nach unten getrieben. Es ist nur logisch, daß jetzt die übrigen Mediziner folgen!

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