Ist Obama tatsächlich ein Schwulenhasser?Schwuler Bürgermeister erhebt Vorwürfe

Obama verweigerte angeblich ein gemeinsames Foto Vorfall von vor 4 Jahren. Wahlkampfleiter: Lächerlich!

Ist Obama tatsächlich ein Schwulenhasser?Schwuler Bürgermeister erhebt Vorwürfe © Bild: APA/EPA/Chang

Wie diese Nachricht wohl bei der alternativen Wählerschaft des demokratischen US-Präsidentschaftsbewerbers Barack Obama ankommt? Wegen seiner angeblichen Weigerung, sich mit dem schwulen Bürgermeister von San Francisco fotografieren zu lassen, sieht sich der Senator von Illinois nämlich dem Vorwurf ausgesetzt, er habe etwas gegen Homosexuelle. "Lächerlich", kommentiert dies Obamas stellvertretender Wahlkampfleiter Steve Hildebrand: "Barack Obama lässt sich ständig mit Schwulen fotografieren. Mich eingeschlossen."

Der Vorfall, um den es geht, liegt vier Jahre zurück. Obama kämpfte damals in Illinois um einen Sitz im US-Senat. Um Geld für seine Wahlkampagne zu sammeln, ließ er im ganzen Land Spendendinners organisieren. Eines dieser Abendessen richtete der frühere Bürgermeister von San Francisco, Willie Brown, aus. "Obama sagte mir, dass er es sehr schätzen würde, wenn ich kein Foto mit ihm und dem Bürgermeister (Gavin Newsom, Anm.) machen ließe. Er sagte, dass er es wirklich nicht wünsche, mit Gavin fotografiert zu werden", wurde Brown Anfang Februar von der Tageszeitung "San Francisco Chronicle" zitiert.

Obamas damalige Berührungsängste hatten wohl eher einen politischen als persönlichen Hintergrund. Im Wahlkampfjahr 2004 stand Newsom im Zentrum einer hitzigen Debatte über die Homosexuellen-Ehe, nachdem er diese als erster US-Bürgermeister zugelassen hatte. Obama dürfte auf Distanz zur "Schwulen-Ikone" Newsom gegangen sein, um seine Wahlchancen im vergleichsweise konservativen Illinois nicht zu gefährden. Damit befand er sich in guter Gesellschaft, schließlich feindeten damals viele Demokraten den Bürgermeister von San Francisco an, weil er mit seinem Eintreten für die Homo-Ehe den Republikanern unnötigerweise Wahlkampfmunition geliefert habe.

Während der damalige demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry einen großen Bogen um San Francisco machte, hielt Obama in der Schwulen-Metropole zwar die Hand auf - um das Spendendinner habe der Senator selbst gebeten, wie Brown betont -, ohne zu ihrem Bürgermeister zu stehen. Entsprechend fiel die Reaktion Newsoms auf die Zurückweisung durch Obama aus. Er sei "stinksauer" gewesen, berichten Mitarbeiter des Bürgermeisters, der im jetzigen Wahlkampf Hillary Clinton unterstützt.

Noch voriges Jahr klagte Newsom den Shooting-Star der Demokraten in einem Reuters-Interview bitterböse an, ohne freilich dessen Namen zu nennen. Von den drei (damaligen) aussichtsreichen demokratischen Kandidaten Obama, Hillary Clinton und Al Gore "will sich einer nicht mit mir fotografieren lassen und im gleichen Raum mit mir sein", sagte Newsom. Dabei habe er "nicht einmal, sondern zweimal" Spendendinners "für diese Person organisiert".

Man könne Obama "für viele Dinge angreifen, aber sicher nicht deswegen", weist sein Wahlkampfmanager Hildebrand den Vorwurf der Schwulenfeindlichkeit zurück. Tatsächlich zeigt der Senator aus Illinois im jetzigen Wahlkampf keine Scheu gegenüber Homosexuellen und ihren politischen Anliegen. Die Episode mit Newsom ist für Obama trotzdem peinlich, untergräbt sie doch sein sorgsam gepflegtes Image eines prinzipientreuen Politikers, der auch dann für Menschenrechte einsteht, wenn dies unpopulär ist. Oder, wie Obama bei einer Wahlkampfveranstaltung in Virginia sagte: "Diese Partei war immer dann am besten, wenn sie nicht auf Grundlage von Berechnungen geführt wurde, sondern aufgrund von Überzeugungen."

(APA/red)