Ist die Modelbranche rassistisch? Dominik Wachta über faire Chancen für alle Models

Naomi Campbell ist langsam reif für die Modelpension Scharfzüngige Kolumne von Agentur-Chef Wachta

Ist die Modelbranche rassistisch? Dominik Wachta über faire Chancen für alle Models © Bild: Symbolfoto: epa

Heute fasse ich ein heisses Eisen an: Rassismus in der Branche des Glanz und Glimmers. Topmodel Naomi Campbell hält das Modelbusiness für so rassistisch wie nie zuvor und meint: "Farbige Models haben keine fairen Chancen."

Generell sollte man das Rassismus-Problem nicht auf Farbige allein beschränken, da sicher auch andere Gruppierungen betroffen sind. Für mich selbst sind gerade exotische Models eigentlich das Salz in der Modelsuppe und stellen eine absolute Bereicherung dar. Tyra Banks aber auch Iman, Naomi Sims und Beverley Johnson sind international bekannte Topmodels, Sympatieträgerinnen, Vorbilder und Symbole.

Dass jedoch der Rassismus von einem Model wie Naomi Campbell angeprangert wird, die selbst nicht gerade als die personifizierte Sanftmut bekannt ist, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Würden sich schwarze Models zusammen gegen den Rassismus einsetzen, würde ich unter jede Unterschriftenliste gerne meinen Namen setzen, bei den Aussagen Naomis lächle ich hingegen etwas ungläubig.

Sind Naomis Vorwürfe haltbar?
Die Aktion Naomis wirkt auf mich wie eine billige Eigen-PR, um aus der medialen Versenkung altender Topmodels wieder aufzutauchen. Ich möchte aber auch das Modelbusiness im Allgemeinen hier in Schutz nehmen, da man auch bei solchen Vorwürfen nie eine Verallgemeinerung, wie hier Frau Campbell, machen darf! Denn auch wenn teilweise der Rassismus ein Phänomen ist, der sicher auch vorm Modelbereich nicht halt macht, denke ich jedoch, dass gerade im Modelbusiness viel Platz für Minderheiten und freies Denken vorhanden ist.

Naomi selbst berichtet weiter, dass andere Topmodels wie Linda Evangelista und Christy Turlington ohne sie nicht über den Catwalk schweben wollten und auch auf dem Titel der französischen "Vogue" sei sie nur gelandet, weil Yves Saint Laurent gedroht hätte, seine Anzeigen zurückzuziehen. Erst dadurch sei sie zu einem wichtigen Faktor in der Modewelt geworden. Umso enttäuschender, dass sie die Gelegenheit nicht genutzt hat, für ein gutes Image von farbigen Models zu sorgen.

Weniger Geld für schwarze Models?
Aber auch Campbells ehemalige Managerin Carole White sprach von Rassismus in der Branche: "Schwarze Models machen nie Geld. Selbst Naomi verdiente nie so viel wie weiße Models", so White. Diese Aussage wage ich ebenso zu bezweifeln. Erstens weil Frau Campbell ihren Luxus ja durchaus gerne zur Schau stellt, zweitens weil sie in den Hitparaden der reichsten Briten auf einem Topplatz liegt.

Ihre gewöhnungsbedürftige, polizeibekannte Art hingegen spiegelt ein anderes Phänomen wider: Dass die Arbeit mit einigen schwarzen Models tatsächlich sehr schwer ist. Natürlich muss man als Agentur die selben Anforderungen - nicht nur was Äusserlichkeiten anbelangt - sondern auch punkto Disziplin an alle Models stellen.

Nachwuchs-Naomis
Auch ich habe hier schon einige Nachwuchs-Naomis erleben dürfen und es hat überhaupt nichts mit Rassismus zu tun, wenn ich diese auf den Boden der Realität und raus aus der Agentur befördert habe. Ich sehe ganz besonders im Modelbereich die Multi-Kultigesellschaft als eine Bereicherung an, aber wie im realen Leben hat man nicht nur die gleichen Rechte, sondern auch die gleichen Pflichten.

Natürlich darf man nicht den Fehler machen, alle Farbigen über einen Kamm zu scheren. Das wäre politisch und menschenrechtlich absolut inkorrekt! Aber aufgrund des Mentalitätsunterschiedes orte ich schon gewisse Probleme, die man genauso wenig totschweigen sollte.

In Österreich trifft man zudem ziemlich selten talentierte, farbige Models an. Selbst wenn sich bildhübsche Schwarze öfters in der Agentur beworben haben, wenn die Masse und die Grösse nicht stimmen, muss man sie genauso an andere Agenturen - die vermehrt auf den Werbebereich setzen - verweisen.

Suche Juwel
Aber ich nutze meine Kolumne gleich für einen Aufruf: Wenn eine wirklich talentierte, farbige Dame, die zudem den Ehrgeiz und die Disziplin mitbringt, diesen Beitrag liest: Bitte bei uns melden! Bei uns würde ein solches Model natürlich gleich wie alle anderen behandelt werden und wir würden uns sehr über ein solches Juwel freuen.

Naomi reif für die Pension
Naomi selbst konnte ich beim Lifeball erleben. Dass sie mit ihrer Diven-haften Art Probleme hat, ist für mich nicht schwer vorstellbar. Das gute: Naomi ist langsam reif für die Model-Pension, es wird also im internationalen Modelbusiness langsam Zeit für zahlreiche neue Nachwuchs-Tyras, damit farbigen Models zu einem besseren Image verholfen wird.

Nachwuchs-Naomis hingegen würde ich nicht einmal für meine Feinde herbeisehnen....

Dominik Wachta ist Inhaber der Model-Agentur "Jademodels International"