Ist Insolvenz die letzte Chance für GM?
Auch Weißes Haus sieht darin beste Option

Chrysler 'hoffnungsvolles Beispiel für General Motors' Gesundschrumpfen lautet das Motto der GM-Zukunft

Auch das Weiße Haus fasst eine Insolvenz als letzte Überlebenschance für den Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) ins Auge. Das Beispiel des Autobauers Chrysler - der vor einem Monat in die Insolvenz ging - "ist ein hoffnungsvolles Beispiel für General Motors", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs.

Zugleich stimmten auch die Arbeitnehmer drastischen Einschnitten bei Löhnen und Sozialleistungen zu, die eine Insolvenz mit anschließender faktischer Verstaatlichung des Autobauers erleichtern dürften. Die GM-Aktie fiel in New York auf unter einen Dollar (0,709 Euro).

Allerdings betonte Gibbs, die Verhandlungen über die Zukunft des einstigen Flaggschiffs der US-Industrie gingen bis zum Ende der von der Regierung gesetzten Frist am Montag weiter. Einzelheiten nannte er aber nicht, er wolle sich nicht an Spekulationen beteiligen.

Blitz-Insolvenz erwartet
Es wird erwartet, dass US-Präsident Barack Obama die Insolvenz des einst weltgrößten Autoherstellers offiziell am Pfingstmontag bekanntgeben wird. Es soll sich um eine sogenannte Blitz-Insolvenz handeln, der Neustart des gut 100-jährigen Traditionsunternehmens ist nach Obamas Plan innerhalb von 60 bis 90 Tagen geplant. Die Regierung soll zunächst über 70 Prozent des neuen Unternehmens übernehmen.

Die Zugeständnisse der mächtigen US-Automobilgewerkschaft UAW bedeuten für GM jährliche Einsparungen in Milliardenhöhe. Zugleich sieht die Vereinbarung vor, dass die Gewerkschaft einen Anteil von 17,5 Prozent an GM erhalten soll. Die Arbeitnehmer hätten "notwendige und schmerzliche Opfer gebracht", meinte der Gewerkschaftsvorsitzende Ron Gettelfinger. "Diese Vereinbarung gibt GM eine Chance zu überleben." 

Gläubiger entscheiden über Dauer
Das gerichtliche Gläubigerschutz-Verfahren wäre das größte seiner Art in der US-Geschichte. Die Dauer hängt von den zehntausenden Gläubigern ab, denen der größte US-Autobauer 27 Milliarden Dollar schuldet. Ein Nein der Kreditgeber würde die ohnehin komplizierte Insolvenz dramatisch erschweren. Etwa 20 Prozent von ihnen stimmten bereits zu. Mit einer zweiten Gläubigergruppe, die für weitere 30 Prozent der GM-Schulden stehe, sei das Finanzministerium im Gespräch, so die "New York Times".

Für ihren Schuldenverzicht sollen die Kreditgeber zehn Prozent am neuen Konzern bekommen und später ihren Anteil auf bis zu 25 Prozent aufstocken können. Die Autogewerkschaft UAW soll für Zugeständnisse 17,5 Prozent erhalten. Die Mehrheit übernimmt zunächst die Regierung mit 72,5 Prozent. Dafür pumpt sie zur Sanierung weitere 30 Milliarden Dollar in GM, zusätzlich zu bereits gewährten 20 Milliarden Dollar.

Gesundschrumpfen als Lösung
Die Zukunft von GM heißt Gesundschrumpfen: Weltweit sollen weniger als 200.000 der zuletzt noch 235.000 Jobs im Konzern übrigbleiben. Vor zehn Jahren gab es bei GM noch doppelt so viele Stellen. Aus Opel und der britischen Schwester Vauxhall will sich GM großteils zurückziehen, die schwedische Tochter Saab sowie die US-Marken Hummer und Saturn sollen abgestoßen werden. In den USA sollen zahlreiche Werke sollen geschlossen werden.

(apa/red)