IST Austria geht jetzt in konkrete Planung: Genaues Regelwerk bereits in Ausarbeitung

Feilen an Karriereschema und Patentregelungen Im Mai fällt die Entscheidung über ersten Neubau

Das Institute for Science and Technology (I.S.T.) Austria in Maria Gugging (NÖ) geht in die konkrete Planung. Während hochkarätige Wissenschafter wie der frühere Chef des Weizmann-Instituts, Haim Harari, und der ehemalige Präsident der ETH Zürich, Olaf Kübler, als Geburtshelfer fungieren, sorgen der kürzlich bestellte Interims-Manager Gerald Murauer und der Koordinator des Wissenschaftlichen Beirats, Laurenz Niel, für die Rahmenbedingungen, um der Elite-Uni einen optimalen Start ins Leben zu ermöglichen.

"Wir müssen eine Corporate Identity und ein Regelwerk für das Institut entwickeln, die Baumaßnahmen planen, ein Kooperationsklima mit Universitäten aufbauen und in einer Good-Will-Tour vielen Leuten die Idee von I.S.T. Austria vermitteln", erklärten Murauer und Niel im Gespräch mit der APA ihre derzeitigen Aufgaben.

"Um mit Forschern über ein Engagement am I.S.T. Austria reden zu können, muss man möglichst konkret sagen können, was sie hier erwartet, welche Bezahlung, welche Bedingungen, welche Karrierechancen es gibt", erklärte Murauer die Dringlichkeit für ein Regelwerk, dessen Eckpunkte bis zum Herbst stehen sollen. Niel konzipiert ein vorläufiges Karriereschema, Murauer die Regeln für die Patentrechte (Intellectual Property Right), etwa wem die Rechte für Erfindungen am Institut gehören, etc..

So gibt es laut Niel bereits "vage Vorstellungen" eines Karriereschemas: Vom befristet angestellten Assistant-Professor, der aber schon eine eigene Forschergruppe führt, soll es über den Associate-Professor bis zum Full-Professor gehen. Daneben gibt es als Systemerhalter "Staff-Scientists" und natürlich Postdocs und PhD-Studenten. "Ziel ist, dass die Leute möglichst früh eine Gruppe und damit Selbstständigkeit in der wissenschaftlichen Arbeit erhalten", so Niel.

Mit Bauarbeiten auf dem Gelände der NÖ Landesnervenklinik wird frühestens im Herbst begonnen, sobald die letzten Patienten abgesiedelt sind. Ein Masterplan dafür steht laut Murauer kurz vor seinem Beschluss durch das Executive Committee. Dabei geht es nicht nur um die neue Zufahrt zum künftigen Campus und die Nutzung bestehender historischer Gebäude bzw. den Abriss von Häusern aus den 60er Jahren, sondern auch um Erweiterungsflächen für wissenschaftliche Gebäude, Wohngebäude für Wissenschafter und Studenten sowie ein Gebiet für die erhofften Betriebsansiedlungen.

Im Mai Entscheidung über ersten Neubau
Fix ist bereits der erste Bauakt: Eine "Lecture Hall" für Vorträge und wissenschaftliche Konferenzen, die an das bestehende historische Zentralgebäude angeschlossen werden soll. Im Mai fällt die Entscheidung in einem Architektenwettbewerb für die Lecture Hall, die Fertigstellung soll im Mai/Juni 2008 sein - was wohl Anlass für die offizielle Eröffnungsfeier des I.S.T. Austria sein wird.

Zu diesem Zeitpunkt könnten auch schon ein Präsident sowie erste Wissenschafter für die Einrichtung gefunden sein. Dass es schwer sein wird, einen Chef bzw. Forscher für ein Projekt auf der Grünen Wiese zu finden, glauben Murauer und Niel nicht: "Das ist genau so leicht oder schwer, wie Leute für ein Start-Up-Unternehmen zu finden. Natürlich ist ein solcher Job mit Unsicherheiten behaftet, aber auch mit riesigen Chancen. Es braucht nur Zeit und Geduld, um Wissenschafter mit Weltformat zu bekommen." Ein Pool für die Personalsuche würden sicher Auslandsösterreicher sein, von denen man immer wieder höre, dass sie gerne in ihre Heimat zurückkehren würden, aber keine entsprechenden Angebote vorfinden würden. Aber die Suche werde sich natürlich nicht nur auf diese im Ausland tätigen Österreicher beschränken.

Zuständig für die Wissenschaftersuche und damit für die Definition der am I.S.T. Austria angesiedelten Forschungsthemen ist das Scientific Board. Dabei werde parallel nach Themen und Personen gesucht, "wir wollen um die Köpfe herum Themen aufbauen", sagte Niel. Gesucht würden also nicht einige Top-Forscher, die nichts miteinander zu tun haben, sondern so genannte Cluster. Gute Kontakte gebe es dabei zur Max Planck-Gesellschaft in Deutschland, die auf ähnliche Art und Weise neue Max-Planck-Institute in Ostdeutschland aufgebaut hat.

"Etwas Neues aufbauen zieht sich durch meinen bisherigen Lebensweg, das ist das Reizvolle an dieser Aufgabe", findet Murauer. Aus dem Mund eines 32-Jährigen klingt dies etwas hochtrabend, doch tatsächlich kann Murauer bereits auf einige Aufbauerfahrung zurückblicken: Der gebürtige Welser (geb. 26. November 1974), der ein Wirtschaftsingenieur-Studium an der Technischen Universität Wien absolviert hat, war nach seiner Promotion bei der Boston Consulting Group und hat 2002 gemeinsam mit Michael Stampfer den Wiener Wissenschafts- und Technologie Fonds (WWTF) von Null aufgebaut. 2005 hat er dann sein eigenes Beratungsunternehmen gegründet, in dem er nicht nur Jungunternehmer, sondern auch wissenschaftliche Einrichtungen und Förderinstitutionen beraten hat. (apa/red)