Israelische Luftwaffe fliegt neue Angriffe:
Moschee in Flüchtlingslager unter Beschuss

Luftschläge am Neujahrstag forderten 26 Todesopfer Diplomatie um Herstellung einer Feuerpause bemüht

Israelische Luftwaffe fliegt neue Angriffe:
Moschee in Flüchtlingslager unter Beschuss © Bild: Reuters/Salem

Die israelische Luftwaffe hat auch am siebenten Tag der Militäroffensive gegen die radikal-islamische Hamas Angriffe auf Ziele im Gazastreifen geflogen. Der arabische Nachrichtensender Al-Jazeera berichtete von einer Reihe von Luftschlägen. In israelischen Medien hieß es unter Berufung auf die Luftwaffe, Kampfflugzeuge hätten eine Moschee im Flüchtlingslager Jabalya im nördlichen Gazastreifen angegriffen. Das Gotteshaus soll als Waffenlager und Versteck für Extremisten gedient haben.

Es sei die fünfte Moschee, die seit Beginn der Militäroperation am vergangenen Samstag bombardiert wurde, schrieb der israelische Onlinedienst "Ynet". Der israelische Rundfunk sprach unter Berufung auf palästinensische Quellen von fünf Luftschlägen kurz vor Mitternacht.

Die israelische Außenministerin Tzipi Livni hatte kurz zuvor noch einmal betont, Israel werde die Militäroffensive im Gazastreifen so lange weiterführen, bis Militante aufhören, den jüdischen Staat mit Raketen zu beschießen. Es sei nicht eine Frage eines Zeitplanes, sondern eine Frage der Ziele, sagte Livni am Donnerstag dem israelischen Fernsehen aus Paris. Man werde die Situation täglich überprüfen. Das israelische Militär habe weitere Ziele im Visier. "Dann wird es einen Punkt geben, an dem wir sehen werden müssen, ob die (radikal-islamische) Hamas es begreift und mit dem Beschuss aufhört", sagte die Außenministerin weiter.

Ausgangs- und Einreisesperre über Westjordanland
Für das Westjordanland verhängte Israel aus Sicherheitserwägungen von Mitternacht an eine zweitägige Ausgangs- und Einreisesperre. Die von Verteidigungsminister Ehud Barak angeordnete Maßnahme soll bis Samstag um Mitternacht gelten, hieß es in einer am Donnerstagabend herausgegebenen Erklärung des israelischen Militärs. In humanitären und medizinischen Notfällen würden Ausnahmen gemacht. Die Zeitung "Jerusalem Post" sagte, die Behörden hätte auf Warnungen vor möglichen Attentatsversuchen durch militante Palästinenser in Folge der israelischen Offensive im Gazastreifen reagiert.

Die israelische Luftwaffe flog am Donnerstag nach Angaben einer Militärsprecherin rund 60 neue Angriffe auf den Gazastreifen. Gleichzeitig feuerten militante Palästinensergruppen mehr als 40 Raketen und Mörsergranaten zum Teil weit in das israelische Kernland ab.

26 Tote am Neujahrstag
Bei den israelischen Luftangriffen kamen am Neujahrstag 26 Palästinenser ums Leben. Allein 19 Tote wurden aus den Trümmern eines Hauses in Jabalya geborgen, das einem Führungsmitglied der Hamas gehörte.
Neben dem Hamas-Funktionär Nizar Rayan kam auch nahezu dessen gesamte Familie ums Leben, darunter alle vier Frauen Rayans und neun seiner zwölf Kinder.

Rayan gehörte zu den fünf Mitgliedern der höchsten Entscheidungsebene der Hamas. Der Professor für islamisches Recht unterhielt auch enge Kontakte zum militärischen Flügel der Hamas.

Keine gezielte Tötung?
Berichte, wonach die israelische Armee zu einer Politik der gezielten Tötung von Hamas-Führern zurückgekehrt sei, wies die Armeeführung jedoch zurück. Die israelische Luftwaffe greife Häuser an, die zur Hamas-Infrastruktur gehörten und in denen Raketen oder große Mengen an Sprengstoff gelagert würden, sagte eine Armeesprecherin am Freitag.

Der Sprecherin zufolge hat die Armee auch die Bewohner des Hauses von Top-Hamas-Führers Nisar Rian vor dem Raketenangriff vom Donnerstag gewarnt. Nach Informationen des israelischen Rundfunks hatten auch Nachbarn von Rian vor dem Angriff telefonische Warnungen erhalten.

Diplomatie um Waffenruhe bemüht
Unterdessen gehen die diplomatische Bemühungen um eine Waffenruhe zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas weiter. Der UN-Sicherheitsrat hatte Israel und die Hamas in den letzten Stunden des alten Jahres noch einmal eindringlich zu einer Waffenruhe aufgerufen. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon drängte die Konfliktparteien, umgehend "vom Abgrund zurückzutreten".

Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas (Fatah) will sich jetzt beim Weltsicherheitsrat für eine Waffenruhe einsetzen. Abbas werde solange in New York bleiben, bis es eine Resolution mit einer klaren Zeitvorgabe für ein Ende der Gewalt gebe, sagte Abbas-Sprecher Yasser Abed Rabbo in Ramallah.

Unterdessen droht Israel angesichts der fortwährenden Raketenangriffe weiter mit einer Bodenoffensive im Gazastreifen. Der israelische Rundfunk meldete, dass mehrere tausend Soldaten am Rande des Gazastreifens auf ihren Einsatzbefehl warteten, darunter viele Reservisten. Der Bodeneinsatz mit starken Verbänden solle nach Vorstellung der Armee heftig und kurz sein, hieß es.
(apa/red)