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Israel setzte Raketenabwehrsystem
an Grenze zu Syrien ein

Angespannte Lage am Golan

Israel hat am Montag an der Grenze zu Syrien sein modernstes Raketenabwehrsystem eingesetzt. Die Abwehrraketen des Waffensystems "David's Sling" (Davids Schleuder) seien gestartet worden, weil dessen Sensoren berechnet hätten, dass zwei in Syriens gestartete SS-21-Raketen auf der israelischen Seite der Golanhöhen einschlagen würden, sagte ein israelischer Insider.

Die syrischen Raketen trafen letztlich aber syrisches Gebiet. Als sich das herausgestellt habe, seien die israelischen Abwehrraketen zerstört worden.

Der Einsatz zeigt, wie angespannt die Lage im Gebiet der von Israel besetzten Golanhöhen ist. Die syrische Armee und ihre Verbündeten haben die Rebellen dort geschlagen und übernehmen wieder die Kontrolle in dem Gebiet. Israel befürchtet, dass damit auch mit der syrischen Führung verbündete iranische Truppen bis an den Golan heranrücken könnten.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte an Russland appelliert, dies zu verhindern. Er will sich noch am Montag mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und Armeechef Waleri Gerassimow treffen.

Die syrische Regierung kritisierte unterdessen die Aktion zur Ausreise von Mitgliedern der Weißhelm-Hilfsorganisation und ihrer Familien an der Grenze zu den Golanhöhen. Die Regierung in Damaskus sprach am Montag von einer "kriminellen Operation", die von "Israel und seinen Helfershelfern" organisiert worden sei.

Die Weißhelm-Angehörigen und ihre Familien waren mit Hilfe Israels aus Syrien über die Golanhöhen nach Jordanien gebracht worden. Israel hatte seine Beteiligung mit einer entsprechenden Bitte von US-Präsident Donald Trump und anderer Politiker begründet. Die Betroffenen hätten um ihr Leben fürchten müssen.

Die jordanische Regierung erklärte später, es seien bisher 422 Flüchtlinge über Israel nach Jordanien gebracht worden. Demnach hatten Kanada, Deutschland und Großbritannien ursprünglich zugesagt, 827 Weißhelme und deren Angehörige aufzunehmen. Kanada erklärte sich bereit, bis zu 50 Weißhelmen und deren Familien, also etwa 250 Menschen, aufzunehmen. Kanadas Regierung hat seit November 2015 mehr als 40.000 syrische Flüchtlinge geholt und unterstützt seit Jahren die Arbeit der Weißhelme in Syrien.

Die Weißhelme sollen Jordanien binnen drei Monaten verlassen. Das haschemitische Königreich beherbergt seit Jahren mehrere hunderttausend syrische Flüchtlinge. Wie in den Nachbarländern Libanon und Türkei werden die Flüchtlinge zunehmend als Belastung der Gesellschaft wahrgenommen, weshalb die Regierungen inzwischen auf eine Rückkehr der Flüchtlinge dringen, was aber wegen der Sicherheitslage in Syrien weiter schwierig ist.

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