Israel über Jubelfeiern im Libanon empört:
Wut über Verherrlichung von Samir Kuntar

Shimon Peres bezeichnet Freudenfeiern als Schande Tausende bei Beerdigung von ermordetem Soldaten

Israel über Jubelfeiern im Libanon empört:
Wut über Verherrlichung von Samir Kuntar © Bild: Reuters/Zvulun

Der israelisch-libanesische Austausch von Gefangenen und sterblichen Überresten hat neue Wunden geschlagen. In Israel hat die Verherrlichung durch die libanesische Staatsführung des freigelassenen Top-Terroristen Samir Kuntar (Kantar) allgemeines Entsetzen und Wut hervorgerufen. Der israelische Staatspräsident Shimon Peres bezeichnete die Freudenfeiern in dem Nachbarland als Schande. Ministerpräsident Ehud Olmert erklärte: "Wehe einer Nation, die die Freilassung eines 'menschlichen Tieres' feiert, das den Kopf eines vier Jahre alten Mädchen zerschmettert hat". In Beirut, wo vor wenigen Tagen eine Regierung der Nationalen Einheit gebildet wurde, bekundeten Vertreter aller Lager Unterstützung für die schiitische Hisbollah, die Israel bis zur Übergabe der Särge über den Tod der Soldaten Ehud Goldwasser und Eldad Regev in Ungewissheit gelassen hatte.

Der 45 Jahre alte Kuntar, ein libanesischer Druse, der als Mitglied eines palästinensischen Terrorkommandos einem vierjährigen israelischen Mädchen mit dem Gewehrkolben den Schädel zertrümmert hatte, ist nach seiner Freilassung durch Israel im Libanon wie ein Volksheld gefeiert worden. "Deine Rückkehr heute ist ein Segen für den ganzen Libanon!", sagte Staatspräsident General Michel Sleimane bei der Empfangszeremonie in Beirut. "Die Tage der Niederlage sind vorbei. Der Sieg ist gekommen", verkündete Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah, der ebenso wie führende Politiker des pro-westlichen Lagers um Ministerpräsident Fouad Siniora die "Stunde des nationalen Zusammenschlusses" pries.

"Der Libanon feiert einen Sieg. Die Staatsführung und die Hisbollah-Führung heißen einen Mörder willkommen, der mit einem Gewehrkolben und bloßen Händen den Kopf des vierjährigen Mädchens zerschmettert und danach kaltblütig ihren Vater erschossen und später nie Reue gezeigt hat", sagte der israelische Präsident Peres. Verteidigungsminister Ehud Olmert nannte die in der libanesischen Regierung mit einem Vetorecht ausgestattete Hisbollah als "zynischen und verabscheuungswürdigen Feind".

Israel als "moralischer Sieger"
Das israelische Außenministerium lancierte auf dem Internet-Portal YouTube ein Video in arabischer Sprache, in dem sich Israel zum "moralischen Sieger" des Gefangenenaustausches vom Mittwoch erklärt. In arabischer Sprache sagte der Mitarbeiter des Ministeriums Ofir Gendelman: "Für Hisbollah ist Samir Kuntar ein erstklassiger Held, während er für Israel und den Rest der zivilisierten Welt der verabscheuungswürdigste Mörder ist". Hisbollah sei eine Terrororganisation, die vom Iran finanziert werde und stolz auf einen kaltblütigen Mörder sei.

Tausende bei Beerdigung
An der Beisetzung Goldwassers auf dem Militärfriedhof von Naharia im Norden Israels nahmen Tausende teil, darunter auch Militärs und Politiker. Der Soldat war am 12. Juli 2006 gemeinsam mit Eldad Regev während einer Patrouille im Südlibanon in die Gefangenschaft der Hisbollah geraten. Dies hatte den 34-tägigen Krieg mit mehr als 1200 libanesischen und 160 israelischen Toten ausgelöst. Beide Soldaten sollen nach ersten pathologischen Untersuchungen unmittelbar nach ihrer Gefangennahme gestorben sein. Danach starb Goldwasser an den Folgen einer Schussverletzung in der Brust. Regev, der ebenfalls beigesetzt werden sollte, wurde am Kopf sowie im Brustbereich getroffen.

(apa/red)