Menschen von

Darum ist Island der einzig akzeptable Gewinner der Europameisterschaft

Und das obwohl sie Österreich aus der EM gekickt haben.

Ragnar Sigurdsson © Bild: 2016 Getty Images/Lars Baron

Ganz Island ist im Fußballrausch. Eine Nation mit so vielen Einwohnern wie Premier-League-Sieger Leicester: 330.000. Eine Nation, die noch nie zuvor in der Endrunde eines großen Turniers stand, die die Engländer mit leidenschaftlichem Fußball blamiert hat und ungeschlagen im Viertelfinale steht. "Das hier wird unser Leben verändern", sagt Trainer Heimir Hallgrimsson und spricht damit das aus, was viele Isländer fühlen. So stark hat sich das kleine Land lange nicht gefühlt.

Der Fußballerfolg der kleinen Nation lässt niemanden auf der Insel kalt. Fernsehmoderatorin Maria Sigrun Hilmarsdottir trägt die 22-Uhr-Nachrichten im Island-Trikot vor. Und der Chef des isländischen Wettanbieters Islensk getspa, Stefan Konradsson, schreibt auf Twitter: "Wir haben Millionen wegen dieses Ergebnisses verloren, aber ich fühle mich trotzdem großartig."

»Wir haben Millionen wegen dieses Ergebnisses verloren, aber ich fühle mich trotzdem großartig.«

Nur um eins machten sich die Isländer zwischenzeitlich Sorgen. Aber dazu gleich. Vorher noch eine Frage, die sich viele insgeheim stellen:

Wo liegt Island eigentlich?

Island ist gar nicht so klein, wie es die Einwohneranzahl (nur 334.300 oder 3,2 Einwohner pro km²) vermuten lässt. Nach dem Vereinigten Königreich ist es der flächenmäßig zweitgrößte Inselstaat Europas. Er befindet sich südöstlich von Grönland. Östlich befindet sich Norwegen, südöstlich liegen die Färöer, Großbritannien und Irland

Passend dazu: Eine Grafik, die im Vorfeld des Spiels bereits um die Welt ging. Darin wurde mit viel Humor aufgeschlüsselt, wie das isländische Nationalteam zusammen gestellt wurde.

Jedenfalls hat dieses fuzikleine Land die Engländer um Kopf und Kragen gekickt. Zwei Tore mussten die Briten einstecken. Trainer Roy Hodgson erklärte nach dem 1:2 umgehend seinen Rücktritt. In der Presse überschlug sich die Kritik. Von "hirntotem Fußball" (Times) und der "ultimativen Demütigung" (Daily Mail) war die Rede.

MOMENTE, DIE BLEIBEN

Frei nach dem Motto "Das Leben besteht nicht aus Momenten in denen wir Atmen, sondern aus denen die uns den Atem rauben!" haben wir die emotionalsten Momente des gestrigen Spiels für euch zusammen gestellt.

1. Genug Luft, zu wenig Stimme

Aber jetzt dazu, worum sich die Isländer zwischenzeitlich Sorgen machen: den Gesundheitszustand von Gudmundur Benediktsson, der beim Achtelfinal-Einzug Islands gegen Österreich in Ekstase geraten war und bis zum Komplettversagen der Stimme kommentiert hatte. Am Montag lief Benediktsson wieder zu Höchstform auf. "Buht, soviel ihr wollt, Engländer!", sagt er nach dem Abpfiff. "Island fährt jetzt zum Stade de France. Frankreich - Island. Ihr könnt nach Hause gehen! Ihr könnt Europa verlassen! Ihr könnt hingehen, wo ihr wollt! England 1 - Island 2 in Nizza, und das Abenteuer geht weiter."

2:1 für Island - einfach unglaublich!
Schon bei Siegertor gegen Österreich flippte Benediktsson vollkommen aus

2. So teilt man Freude ins Unendliche...

Die Isländer haben Schlachtrufe einfach drauf - nicht nur in dieser Hinsicht kann ihnen keiner das Wasser reichen (außer vielleicht Mel Gibson in "Braveheart"). Am Ende des Spiels klatschten sie zusammen mit dem Publikum den Sieg ein - und machten ihn damit noch realer und gleichzeitig unglaublicher.

3. Dieses Stadion hatte keine Mauern

Der Schlachtruf verhallte noch viele Hunderte Kilometer weit entfernt nach: Mehr als 10.000 Menschen in Island-Blau - einige von ihnen mit Wikingerhelmen auf dem Kopf - kreischten und hüpften nach dem sensationellen 2:1-Sieg gegen England auf dem Hügel Arnarholl in der Innenstadt Reykjavíks. Hierher war das Public Viewing vom zentralen Ingolfstorg verlegt worden, weil dort nicht mehr genug Platz für alle Fußballfans war. Die Straßen in der Innenstadt waren wegen der erwarteten Menschenmassen während des Spiels gesperrt. Während Fernsehkommentator Benediktsson wieder bei Stimme war, dürften viele Fans immer noch heiser sein.

4. Gesichter der Leidenschaft

Ohne Worte.

Arnor Ingvi Traustason
© 2016 Getty Images/xkcec0iVd78
Aron Gunnarsson
© 2016 Getty Images/Dan Mullan
Ragnar Sigurdsson
© 2016 Getty Images/Lars Baron

5. So freute sich die Welt

FAZIT

Für die Isländer wird gerade ein Traum wahr. Diesen Traum mit ihnen zu träumen, macht uns gerade einfach nur glücklich. Und nachdem es die Isländer waren, die unser österreichisches Nationalteam aus der EM gekickt haben, kann der einzige akzeptable Sieger der Europameisterschaft 2016 nur Island sein.

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