Islam-Aussagen als 'Rohrkrepierer' für FP: Winter-Angriffe hatten durchaus Einfluss

OGM: Wahlergebnis geringer als Umfragenwerte Wahlmotive: Vorne an erster Stelle stand Parteitreue

Islam-Aussagen als 'Rohrkrepierer' für FP: Winter-Angriffe hatten durchaus Einfluss © Bild: GRAFIK: APA

Die islamfeindlichen Aussagen von Spitzenkandidatin Susanne Winter haben sich als "Rohrkrepierer" für die FPÖ erwiesen, stellte OGM-Chef Wolfgang Bachmayer auf Basis einer von OGM für den ORF erstellten Wahltagsbefragung fest. Genützt haben Winters Ausfälle bei der Grazer Gemeinderatswahl vor allem der ÖVP und den Grünen, teilweise auch dem BZÖ. Die SPÖ mit schwachem Themen- und Spitzenkandidatenprofil sei bei dieser Entwicklung zwischen die Sessel gekommen, erklärte Bachmayer.

Winters Islam-Beschimpfung hatte durchaus Einfluss - wenn auch nicht den gewünschten. Denn in den Umfragen vor der Wahl waren der FPÖ schon elf bis 13 Prozent prognostiziert worden. Aber die Winter-Rede beim FPÖ-Neujahrstreffen vor einer Woche trug wesentlich zur Mobilisierung und Umorientierung der Wähler bei. Fast jeder fünfte Wähler (18 Prozent) hat sich erst in den letzten Tagen für die gewählte Partei entschlossen, ergab die telefonische Wahltagsbefragung von OGM. Die Stimmen der "late deciders" kamen vor allem der ÖVP und den Grünen zu Gute.

30- bis 50-jährige Wähler entschieden zuletzt
Erst zuletzt entschieden haben sich vor allem die 30- bis 50-jährigen Wähler. Jeder Vierte von ihnen legte sich erst in den letzten drei Tagen auf eine Partei fest oder schwenkte in seiner Parteiorientierung um.

Wahlmotive
Für die Grazer, die doch FPÖ wählten, waren die "klaren Aussagen gegen den Islam" aber immerhin das zweit-wichtigste Motiv für die Entscheidung (24 Prozent). Das noch stärkere Motiv war allerdings der Protest gegen die politische Situation in ihrer Stadt.

Bei den anderen Parteien wurde das Motiv der Haltung zum Islam nicht abgefragt. ÖVP-Wähler nannten fast gleichrangig den Spitzenkandidaten Bürgermeister Siegfried Nagl (33 Prozent) und Haltung/Themen (32 Prozent). Auch bei der SPÖ waren die Inhalte das zweit-wichtigste Wahlmotiv (31); weit vorne an erster Stelle stand die Parteitreue - 40 Prozent nannten "Stammwähler". Spitzenkandidat Walter Ferk - der mittlerweile den Rücktritt bekanntgegeben hat - war mit 20 Prozent der dritt-wichtigste Faktor für die Wahl der SPÖ.

Bei Grünen, KPÖ und BZÖ waren Haltung/Themen das wichtigste Wahlmotiv, gefolgt vom Protest gegen die politisch Situation in Graz.

(apa/red)