Terrorismus von

Terror-Konkurrenz
"Islamischer Staat"

Taliban und Al-Kaida unter Druck: IS will in Afghanistan und Pakistan Fuß fassen

Syrien: Mann mit Waffe in der Hand © Bild: APA/EPA

Damit hatten die Taliban nicht gerechnet. Als im Sommer der Siegeszug der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Teilen Syriens sowie des Iraks einsetzte, war die Überraschung bei den Aufständischen am Hindukusch groß. Zunächst erfreut über die ihnen scheinbar gleichgesinnten Jihadisten, kippte die Stimmung aber spätestens, als sich IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi selbst zum "Kalifen" erklärte. Damit nimmt Al-Baghdadi für sich in Anspruch, Oberhaupt aller Muslime auf der Welt zu sein.

Eine Kampfansage an die Taliban wie auch an das Terrornetz Al-Kaida, denn nicht einmal Taliban-Führer Mullah Omar hat sich je einen solchen Titel angeeignet. Ein Angebot des IS an die Taliban, Al-Baghdadi die Treue zu schwören, lehnten diese laut afghanischen Geheimdienstvertretern ab. Und auch Al-Kaida-Chef Ayman al-Zawahiri erneuerte erst im Juli seine Loyalität gegenüber dem Taliban-Chef.

"Keine Verbindungen" zwischen Taliban und IS

Ihm sei nicht bekannt, dass seine Führung mit dem IS Gespräche führe, sagte Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Sollte das stattgefunden haben, würden wir davon wissen. Fürs Erste kann ich das nicht bestätigen." Entgegen der Darstellung afghanischer Behörden und von NATO-Vertretern befänden sich auch keine IS-Kämpfer in Afghanistan, sagte Mujahid. "Ich weise alle Gerüchte zurück, dass es auch nur irgendeine Verbindung zwischen uns und dem IS gibt."

Wie groß der Einfluss des IS in der Region tatsächlich ist, lässt sich kaum mit Gewissheit sagen. Erst im vergangenen Monat war in afghanischen und pakistanischen Grenzstädten ein Rekrutierungs-Aufruf des IS in den beiden vorherrschenden Sprachen - Paschtu und Dari - aufgetaucht. Darin wurden die Muslime aufgefordert, Al-Baghdadi die Treue zu schwören.

Mitte Oktober hatten dann sechs Kommandanten der pakistanischen Taliban (TTP) dem IS ihre Gefolgschaft erklärt. Sie wurden daraufhin zwar aus der TTP ausgeschlossen. Aus Taliban-Kreisen hieß es aber, zahlreiche weitere Kämpfer stünden bereit, sich dem IS anzuschließen.

Al-Kaida unter Zugzwang

Unter Zugzwang geraten ist Al-Kaida nicht zuletzt durch schwere Verluste bei US-Drohnenangriffen in Pakistan sowie aufgrund ihrer geringer werdenden finanziellen Reserven. Auch die Ankündigung des Al-Kaida-Chefs Zawahiri, einen neuen Ableger des Terrornetzwerkes in Südasien zu gründen, wertet der afghanische Politikanalyst Najib Sharif als Versuch, sich wieder ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Und der Journalist Rahimullah Yusufzai stellt fest: "Sie wollten der Welt einfach zeigen, dass sie noch immer wichtig sind."

Ähnlich sieht es auch der Verteidigungsexperte Fida Khan aus dem pakistanischen Peshawar. "All das zeigt, dass Al-Kaida unter Druck ist. Sie sind besorgt über den Aufstieg des IS und die Möglichkeit, dass die Gruppe die Region unterwandern könnte."

Dass sie dabei durchaus erfolgreich sein kann, glaubt auch der Leiter des pakistanischen Institute of Peace Studies, Amir Rana. Er persönlich denke, dass die Inspirationskraft des IS deutlich größer sei als die Al-Kaidas.

Gerade jüngere Extremisten in Afghanistan und Pakistan könnten dem IS dabei hilfreich sein, in der Region Fuß zu fassen, meint auch Fida Khan. Die IS-Ideologie eines weltweiten Jihad bis zum muslimischen Kalifat könnte gerade auf jüngere Anhänger der afghanischen Taliban einen Reiz ausüben. "Das Konzept eines globalen Heiligen Krieges scheint attraktiver zu sein als die religiös-nationalistische Perspektive der Taliban", sagt Khan.

Kommentare

Der Rat der islamischen Gelehrten unter Führung von Scheich Yusuf al-Qaradawi hat die Selbsternennung Abu Bakr al-Baghdadis zum Kalifen für nichtig und diesen Schritt für schädlich erklärt. Die große Mehrheit der Muslime weltweit würde diesem selbsternannten Kalifen sicher gern einen Tritt in den Hintern geben.

Bin ja mal gespannt, wie lange die Unterstützer dieser Typen noch glauben ungeschoren davon zu kommen wenn die immer stärker werden und das mit dem Weltweiten Oberhaupt der Muslime ist der reine Wahnsinn.

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