Konflikt von

IS erobert historische Oasenstadt

Teile von Palmyra eingenommen - Unesco befürchtet Zerstörung von Weltkulturerbe

IS erobert Teile von Palmyra. © Bild: APA/EPA/STR

Im Irak bereiten sich Regierungstruppen und die verfeindete Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) auf eine neue Schlacht um die strategisch wichtige Stadt Ramadi vor. Unterdessen ist die IS nach heftigen Kämpfen mit syrischen Regierungstruppen in Teile der historischen Oasenstadt Palmyra eingerückt.

Die Extremisten kontrollierten ein Drittel der Stadt, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch. Unklar war zunächst, ob sich unter den Gebieten auch das Unesco-Weltkulturerbe befindet. Palmyra ist seit Tagen heftig umkämpft. Bereits am Samstag brachten IS-Kämpfer Teile im Norden der Stadt unter ihre Kontrolle. Den Angaben der Aktivisten in London nach wurden bei den erbitterten Gefechten zahlreiche Kämpfer auf beiden Seiten getötet.

Weltkulturerbe durch Terrormiliz bedroht

Die UN-Kulturorganisation Unesco fürchtet, die IS-Kämpfer könnten die zum Weltkulturerbe gehörenden antiken Stätten in Palmyra zerstören. Der IS hat im Irak mehrere berühmte Ruinen und Statuen zerstört. Palmyra beherbergt heute monumentale Ruinen einer Stadt, die zwischen dem ersten und dritten Jahrhundert eines der wichtigsten kulturellen Zentren der antiken Welt war. Kunst und Architektur von Palmyra entstanden an der Kreuzung mehrerer Zivilisationen, sie verbanden griechisch-römische Techniken mit lokalen Traditionen und persischen Einflüssen.

IS hat Ramadi eingenommen

Der IS hatte am Sonntag Ramadi eingenommen und damit der irakischen Regierung und ihren US-geführten Verbündeten eine deutliche Niederlage zugefügt. Insbesondere in den USA ist der Einsatz der schiitischen Milizen gegen den sunnitischen IS umstritten, da sie vom Iran unterstützt werden. Zudem wird befürchtet, dass aus dem Kampf gegen den IS ein offener Konflikt zwischen den beiden islamischen Glaubensrichtungen werden könnte. Allerdings ist die irakische Armee nicht stark genug, um allein gegen die Islamisten bestehen zu können.

Ein Sprecher der US-Regierung betonte am Dienstag, die schiitischen Kämpfer stünden unter dem Kommando der irakischen Regierung. Die USA unterstützten in dieser Konstellation ihren Einsatz. Nach dem Fall von Ramadi war aus amerikanischen Regierungskreisen verlautet, der Irak habe keine wirkliche Alternative dazu. "Man muss mit der Armee kämpfen, die man hat", sagte ein Insider. "Und das ist die Armee, die sie haben."

Neffe von Saddam Hussein gestorben

In den Reihen der Terrormiliz ist unterdessen bei Gefechten mit der irakischen Armee ein Neffe des früheren Langzeitherrschers Saddam Hussein ums Leben gekommen. Ibrahim Sabawi Ibrahim sei nördlich von Bagdad in der Nähe der umkämpften Erdölraffinerie Baidshi ums Leben gekommen, meldete die Nachrichtenseite Al-Sumaria am Mittwoch.

Sie berief sich dabei auf eine Mitteilung von Saddams Baath-Partei, die im Irak nach dem Sturz des Diktators verboten worden war. Der 32-Jährige war Sohn von Saddams Halbbruder Sabawi Ibrahim al-Tikriti, der einst an der Spitze des irakischen Geheimdienstes stand und vor zwei Jahren an Krebs starb. In den Reihen des IS kämpfen zahlreiche frühere Baath-Mitglieder und Anhänger Saddams.

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