Terrormiliz von

Libyen: Österreicher in
Gewalt der IS-Terroristen

Außenamt hat Entführung nun offiziell bestätigt - Derzeitiger Aufenthalt unklar

Jihadist © Bild: Reuters/Jadallah

Seit Montag ist es sicher: Der 39-jährige Oberösterreicher, der nach einem Angriff der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) auf ein Ölfeld in Libyen gemeinsam mit mehreren anderen Personen vermisst wird, wurde von IS-Terroristen entführt. Das bestätigte das Außenministerium am Montag.

"Es liegen nunmehr gesicherte Informationen vor, dass sich die Gruppe von Ausländern, die sich auf dem Ölfeld al-Ghani befand, als dieses am 6. März von IS-Terroristen angegriffen wurde, in den Händen der IS-Terroristen befinden", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme des Außenamtes. "Zu dem Zeitpunkt, als die Gruppe mit mehreren Fahrzeugen von dem Ölfeld in Richtung Norden abtransportiert wurde, waren die Mitglieder dieser Gruppe unverletzt." Woher die Informationen stammen, wollte Außenministeriumssprecher Martin Weiss nicht konkretisieren.

Dass der Österreicher nach wie vor am Leben ist, muss die Nachricht leider auch nicht bedeuten: Seit dem Abtransport der Geiseln von al-Ghani am Freitagnachmittag gibt es von der Gruppe laut Weiss "weder ein Lebenszeichen noch einen Todesbeweis", auch über den Aufenthaltsort der Gruppe gibt es keine gesicherten Informationen. Die Familie des Entführten - die in zahlreichen Medien genannte Identität als der Linzer Dalibor S. wird vom Außenamt weiter nicht bestätigt - sei informiert, ebenso alle übrigen betroffenen Regierungen.

Kurz sagt Frankreich-Besuch ab

Die Information erfolgte nach einer weiteren Sitzung des im Außenministerium eingerichteten Krisenstabes. Außenminister Sebastian Kurz hat aufgrund der Ereignisse in Libyen seinen für Mittwoch und Donnerstag geplanten Besuch in Frankreich abgesagt. Geplantes Thema der Gespräche mit seinem Amtskollegen Laurent Fabius: Der Kampf gegen den Extremismus. Laut Ministeriumssprecher Weiss hat man in Wien jetzt sämtliche Netzwerke befreundeter Staaten, Institutionen und Dienste aktiviert und sich "auf schwierige Tage und Wochen" eingestellt.

Auch andere betroffene Regierungen bestätigten mittlerweile die Entführung von offenbar neun Männern in Libyen: Laut einem Sprecher des tschechischen Außenministeriums sind es außer dem Österreicher ein Tscheche, vier Philippinos, zwei Männer aus Bangladesch und ein Ghanese. "Niemand hat sich zu der Entführung bekannt und der Arbeitgeber hat keine Lösegeldforderungen erhalten", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Manila.

Unbestätigten Medienberichten zufolge war der Linzer Dalibor S., ein Ex-UNO-Soldat, für das maltesisch-österreichische Unternehmen VAOS (Value Added Oilfield Services) in Libyen. Die VAOS ist als eine von wenigen ausländischen Firmen in Libyen noch auf mehreren Ölfeldern tätig, und liefert Fachkräfte, Catering und Infrastruktur. Die Ölförderung in Libyen ist seit dem Sturz Gaddafis und dem fortschreitenden Bürgerkrieg massiv eingebrochen. Auch die OMV, seit vielen Jahren im Land engagiert, hat ihre Tätigkeit seit einiger Zeit eingestellt.

Deutsche Kurdenkämpferin getötet

Auch wurde bekannt, dass bei Kämpfen gegen den IS im Nordosten Syriens laut Aktivsten eine Deutsche in den Reihen kurdischer Einheiten getötet worden ist. Die junge Frau sei nordwestlich der Stadt Al-Hassaka ums Leben gekommen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Laut der kurdischen Nachrichtenagentur ANF starb sie bereits am Samstagmorgen in der Nähe des Ortes Tell Tamr.

Die Deutsche sei 19 Jahre alt gewesen, hieß es weiter. Zunächst war ihr Alter mit 20 Jahren angegeben worden. Die junge Frau hatte afrikanische Wurzeln und war Anhängerin der kommunistischen Partei MLKP aus der Türkei. Sie habe seit sechs Monaten in den Reihen der Kurden gegen den IS gekämpft. Auch ein im Internet verbreitetes Video soll die Frau zeigen. Darin sagt sie, sie sei nach Nordsyrien gekommen, "weil man hier für die Menschlichkeit kämpft".

Irak: 20 Menschen ermordet

Die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat nach offiziellen Angaben 20 Iraker gehängt, die sich dem Kampf gegen die Extremisten anschließen wollten. Die Männer seien in der Stadt Hawija in der nördlichen Provinz Kirkuk hingerichtet worden, hieß es am Montag von örtlichen Behördenvertretern und aus dem Polizeigeheimdienst.

Die Opfer wollten demnach paramilitärischen Einheiten beitreten, die zur Vertreibung der IS-Jihadisten aufgebaut werden. Auf sozialen Netzwerken im Internet tauchten Bilder von mehr als einem Dutzend Leichen auf. Die Männer sind an ihren Füßen an Masten aufgehängt. Über den Leichen prangt die schwarze IS-Flagge. In Beschriftungen der Fotos wird darauf angespielt, dass es sich bei den Toten um Schiiten handle.

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