Terrorismus von

IS: US-Geisel Peter Kassig enthauptet?

Maskierter Mann behauptet in Video, Hilfsorganisations-Gründer ermordet zu haben

Islamic State Kassig © Bild: APA/EPA/SERA /Handout

Mehr als einen Monat nach der Ermordung einer britischen Geisel hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Internet ein Video zur angeblichen Enthauptung des US-Bürgers Peter Kassig veröffentlicht. Die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Bernadette Meehan, erklärte dazu am Sonntag: "Die Geheimdienste arbeiteten auf Hochtouren, um die Echtheit des Videos zu ermitteln."

Sie fügte hinzu: "Falls sich die Angaben bestätigen sollten, sind wir erschüttert über die brutale Ermordung eines unschuldigen amerikanischen Entwicklungshelfers und drücken seiner Familie und seinen Freunden unser tiefstes Mitgefühl aus." Der britische Premier David Cameron zeigte sich unterdessen entsetzt über den "kaltblütigen Mord" an Kassig.

Der 26-Jährige Ex-Elitesoldat hat nach Angaben seiner Eltern als Entwicklungshelfer in Syrien gearbeitet, als er am 1. Oktober 2013 in Deir al-Zor im Osten des Landes entführt wurde.

Botschaft an Obama

In dem Video werden auch Enthauptungen syrischer Soldaten gezeigt - vermutlich in Nordsyrien. Ein vermummter Jihadist richtet in englischer Sprache mit britischem Akzent eine Botschaft an US-Präsident Barak Obama, in der er sagt, dass Kassig US-Soldat gewesen sei und den US-Truppen ähnliches widerfahren werde. Erneut machte die Terrorgruppe ihre Expansionsansprüche deutlich: auf Saudi-Arabien, Libyen oder auch Europa.

Kassig leistete nach Angaben der "Washington Post" Armeedienst und war Mitglied des bekannten 75. Ranger Regiments. Der Infanterist habe mit seiner Einheit von April bis Juli 2007 im Irak gedient. Nach seinem ehrenhaften Ausscheiden aus dem Armeedienst aus medizinischen Gründen habe Kassig begonnen, Politikwissenschaft zu studieren, berichtete das Blatt weiter.

Erste-Hilfe-Lieferungen transportiert

Demnach reiste er während seiner Semesterferien in den Nahen Osten. Er gründete eine eigene kleine Hilfsorganisation. Von der türkischen Grenzstadt Gaziantep aus transportierte er später unter anderem Erste-Hilfe-Lieferungen nach Syrien und arbeitete in humanitären Projekten mit. Der aus Indianapolis (Indiana) stammende Kassig trat während seiner Gefangenschaft zum Islam über, wie der Sender CNN berichtete. Seinen Vornamen änderte er auf Abdul-Rahman

Eltern bitten um zurückhaltenden Umgang

Die Eltern von Peter Kassig haben die Medien um einen zurückhaltenden Umgang mit dem von den Jihadisten veröffentlichten Video gebeten. "Wir warten auf eine Bestätigung der Regierung", erklärten Ed und Paula Kassig auf einer Seite der Angehörigen des 26-Jährigen beim Kurznachrichtendienst Twitter.

"Die Familie bittet die Medien, den Geiselnehmern nicht in die Hände zu spielen, indem sie Bilder oder das Video der Entführer veröffentlichen", teilten sie mit. "Wir ziehen es vor, wenn an die wichtige Arbeit unseres Sohnes erinnert wird, an die Liebe, die er mit Freunden und Familie teilt." Die Veröffentlichungen der Geiselnehmer hingegen, seien zur Manipulation der Amerikaner gedacht und zur Förderung der Ziele der Entführer.

IS-Extremisten hatten zuvor bereits die beiden Amerikaner Jim Foley und Steven Sotloff sowie die Briten David Haines und Alan Henning ermordet. Eine von den USA angeführte internationale Allianz fliegt seit Anfang August im Irak und seit Ende September auch in Syrien Luftangriffe gegen die Extremisten. Dennoch stellte eine unabhängige Untersuchungskommission in einem am Freitag veröffentlichten Bericht für den UN-Menschenrechtsrat fest, dass die Kampfkraft des IS in Syrien größer geworden sei.

IS-Kämpfer verletzt

Der IS-Kämpfer, der an mindestens vier Geisel-Enthauptungen beteiligt ist, soll indes angeblich bei einem Luftangriff verletzt worden sein. Der mutmaßlich aus London stammende Mann habe in der Ortschaft Al-Qaim im Westirak an einem Treffen von Stammesältesten teilgenommen, berichte die britische "Mail on Sunday" am Sonntag unter Berufung auf anonyme Quellen.

Bei einem Angriff irakischer und US-amerikanischer Kampfjets sei er verletzt und in ein Krankenhaus gebracht worden. Das Londoner Verteidigungsministerium bestätigte den Bericht zunächst nicht.

Der Mann trat in den Videos des IS stets vermummt auf und sprach Englisch mit Londoner Akzent. Ob er auch in dem am Sonntag veröffentlichten mutmaßlichen Enthauptungsvideo zu sehen ist, war zunächst nicht klar.

Großbritanniens Premierminister David Cameron kommentierte den Bericht nicht. Er wolle aber, dass der "Jihadi John" genannten Mörder die gerechte Strafe für seine Taten bekomme, sagte Cameron auf dem G-20-Gipfel in Australien. Wer nach Syrien oder in den Irak reise, um an Terroraktionen teilzunehmen, bringe sich in Gefahr.

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