Javier Espinosa von

Ehemalige IS-Geisel packt aus

Schläge, Scheinhinrichtungen und Guantanamo-ähnliche Lager: So war der Alltag

Javier Espinosa - Ehemalige IS-Geisel packt aus © Bild: REUTERS/Thaier Al-Sudani

Schläge, Psychoterror und ständige Angst: Ein Journalist hat vom grausamen Alltag in der Gefangenschaft der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) berichtet. Der "Jihadi John" genannte IS-Kämpfer, der inzwischen als Brite Mohammed Emwasi identifiziert ist, habe ihm Klingen an den Hals gehalten und die Schmerzen einer Enthauptung ausgemalt, schreibt der Spanier Javier Espinosa in der "Sunday Times".

Der Reporter der spanischen Zeitung "El Mundo" war vor einem Jahr nach mehr als sechsmonatiger Geiselhaft in Syrien von seinen Kidnappern freigelassen worden.

Er habe nicht früher über die Zeit als IS-Geisel sprechen können, da die Islamisten gedroht hätten, sonst Geiseln zu töten. "Die Beatles - so nannten wir die drei britischen Kämpfer, die uns bewachten - liebten dieses Theater", schreibt Espinosa über Scheinhinrichtungen mit Schusswaffen und Beschreibungen der Hinrichtungen.

Fotos getöteter Gefangener gezeigt

Den Geiseln seien Fotos bereits getöteter Gefangener gezeigt worden. Durch die Zellenwände hätten sie nächtelang Schreie und Schläge sowie vereinzelte Schüsse gehört. Espinosa gehörte seinem Bericht zufolge zu einer Gruppe von 23 Gefangenen. Während seiner Gefangenschaft lernte er Alan Henning, James Foley und Peter Kassig kennen, die inzwischen ermordet wurden.

Guantanamo-ähnliche Lager

Der Islamische Staat (IS) hat nach seinen Angaben ein Guantanamo-ähnliches Gefangenenlager eingerichtet. Der spanische Journalist Javier Espinosa von der Zeitung "El Mundo" schrieb in einem am Sonntag veröffentlichten Artikel, er sei mit mehr als 20 weiteren Geiseln - Journalisten und humanitäre Helfer aus Europa, den USA und Lateinamerika - in einem Haus nördlich der syrischen Großstadt Aleppo festgehalten worden.

Die Geiselnehmer hätten dort das Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba nachbilden wollen, wo die USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 "feindliche Kämpfer" einsperrten.

Exekutionen vorgetäuscht

"Sie sagten uns, wir müssten dort lange bleiben, weil wir die ersten waren, die sie gefangen genommen haben", schrieb Espinosa in dem Artikel in "El Mundo". Drei besonders brutale Wachen hätten wiederholt Exekutionen vorgetäuscht. Manchmal seien Geiseln gezwungen worden, ein Video von der Tötung eines russischen Ingenieurs anzuschauen. Die Wächter hätten gedroht, dass ihnen dasselbe Schicksal drohe.

Espinosa schrieb, der US-Journalist James Foley, der im vergangenen Jahr vom IS getötet wurde, habe ihm berichtet, dass die Jhadistengruppe lange Zeit vorgehabt habe, ein Lager wie Guantanamo für westliche Geiseln zu schaffen: Sie hätten "ein Hochsicherheitsgefängnis mit Kameras und vielen Wachen" geplant.

Was ist mit den anderen Gefangenen passiert?

Espinosa war am 16. September 2013 entführt und am 29. März 2014 freigelassen worden. Er wartete nach eigenen Angaben bis jetzt mit der Veröffentlichung von Details aus dieser Zeit, weil der IS gedroht habe, Mitgefangene hinzurichten, wenn er von seiner Gefangenschaft berichte. Von den insgesamt 23 Gefangenen aus Espinosas Gruppe wurden 15 freigelassen, sechs vom IS hingerichtet und eine bei einem US-Bombenangriff getötet. Das Schicksal des britischen Fotografen John Cantlie ist ungewiss, in einem IS-Video war er kürzlich lebend zu sehen.

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