Terrorismus von

USA töten IS-Anführer:
"Er ist wie ein Hund gestorben"

Terrorismus - USA töten IS-Anführer:
"Er ist wie ein Hund gestorben" © Bild: APA/AFP

"Er ist wie ein Hund gestorben": Mit diesen Worten hat US-Präsident Donald Trump den Tod von IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi bekanntgegeben. Baghdadi sei am Wochenende bei einem Einsatz von US-Spezialkräften im Nordwesten Syriens gestorben, sagte Trump in Washington. DNA-Analysen hätten die Identität des IS-Anführers bestätigt. Baghdadi habe sich selbst das Leben genommen, indem er eine Sprengweste an seinem Körper gezündet habe.

Trump dankte Russland, der Türkei, Syrien, dem Irak und den syrischen Kurden für ihre Mithilfe bei der Aktion. Die Russen etwa hätten den von ihnen kontrollierten Luftraum geöffnet, hätten aber keine Informationen über die konkrete US-Mission erhalten, sagte Trump. Das russische Verteidigungsministerium gab an, man habe keine Informationen über die Aktion in der Nähe der syrischen Stadt Idlib und die "erneute" Meldung der Tötung Baghdadis.

Die USA hatten den Anführer der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) seit Jahren gejagt. "Letzte Nacht haben die USA den weltweiten Terroristen Nummer eins zur Strecke gebracht", sagte Trump in einer ausführlichen Pressekonferenz. Er habe von dem Einsatz drei Tage zuvor gewusst und ihn zusammen mit Vizepräsident Mike Pence, Verteidigungsminister Mark Esper und hohen US-Militärs im sogenannten War Room im Weißen Haus verfolgt. US-Truppen seien bereits auf der Jagd nach den Nachfolgern Baghdadis.

Drastische Worte des US-Präsidenten

Sein Tod gilt als Schlag gegen die radikalislamische IS-Miliz, die vorübergehend große Teile des Iraks und Syriens kontrolliert hatte. Nach dem US-Abzug aus Syrien war vor einem Wiedererstarken des IS gewarnt worden, weil kurdische Kräfte aus dem Grenzgebiet zur Türkei wegen des Vorrückens der türkischen Armee in Nordsyrien abziehen mussten.

Trump schilderte die Militäraktion gegen Baghdadi in teilweise drastischen Worten. "Er war ein kranker und verdorbener Mann, nun ist er weg", sagte der US-Präsident. Auch zahlreiche Komplizen des IS-Anführers seien getötet worden. US-Bürger seien bei dem Einsatz nicht ums Leben gekommen. Trump ergänzte, ein Militär-Hund sei aber verletzt worden.

Baghdadi habe versucht, mit seiner Familie aus seinem Versteck in Syrien zu fliehen. "Er erreichte das Ende eines Tunnels, als unsere Hunde ihn erreichten. Er zündete die Weste und tötete dabei sich und seine drei Kinder", sagte Trump. Baghdadi habe seit Monaten in Angst vor Entdeckung gelebt. Er sei vor den US-Soldaten "wimmernd und weinend und schreiend" in den Tunnel geflüchtet. Er sei "wie ein Hund" und "wie ein Feigling" gestorben. Vor einem Monat habe es gesicherte Hinweise auf seinen Aufenthaltsort gegeben.

Kein Ende des Islamischen Staates

Die kurdisch geführte syrische SDF-Miliz, die zusammen mit den USA gegen den IS gekämpft hatte, beanspruchte einen erheblichen Anteil an der Militäraktion der USA. Man habe den Aufenthaltsort Baghdadis ausfindig gemacht und den USA mitgeteilt, sagte der SDF-Offizier Redur Xelil in einer Pressekonferenz. Die Aktion sei wegen des türkischen Vormarsches in Nordsyrien um mehr als einen Monat verzögert worden. Die französische Regierung erklärte, der Tod Baghdadis bedeute nicht das Ende des IS.

Die USA hatten zuletzt ihre Truppen aus Syrien abgezogen und die Zusammenarbeit mit der SDF beendet. Dies war etwa von EU-Regierungen kritisiert worden. Denn der US-Rückzug hatte den türkischen Vormarsch in Nordsyrien erst möglich gemacht. Die Türkei beansprucht einen 30 Kilometer tiefen Sicherheitskorridor an der Grenze und hat mit Russland - der Schutzmacht von Syriens Präsident Bashar al-Assad - den Abzug der kurdischen Truppen vereinbart.

Auch das irakische Militär teilte mit, verantwortlich für die Entdeckung Baghdadis gewesen zu sein. Der irakische Geheimdienst habe über ein Jahr Informationen gesammelt und sei dann in der Lage gewesen, Baghdadi in der Provinz Idlib aufzuspüren. Baghdadis Versteck sei entdeckt worden, als er versucht habe, seine Familie aus Idlib heraus zur türkischen Grenze zu bringen, hatte Reuters zuvor aus irakischen Sicherheitskreisen erfahren.

Über das Schicksal Bagdadis gab es in der Vergangenheit widersprüchliche Berichte. Zuletzt hieß es in Sicherheitskreisen, der Iraker halte sich in entlegenen Gebieten seines Heimatlandes oder Syriens versteckt. Im April hatte der IS ein Video veröffentlicht, das Baghdadi zeigen sollte. Er führte den IS seit 2010. Damals war die Miliz noch ein Ableger der Extremistenorganisation Al-Kaida im Irak, von der sie sich abspaltete. Der IS kontrollierte bis 2017 große Teile Syriens und des Iraks, gilt aber inzwischen als militärisch besiegt. Auf dem Höhepunkt seiner Macht beherrschte der IS ein Gebiet, das von Nordsyrien über die Landesgrenze hinweg bis kurz vor die irakische Hauptstadt Bagdad reichte. Millionen Menschen hatten unter den Extremisten zu leiden. Baghdadi hatte in dem Gebiet ein Kalifat mit Raqqa als Hauptstadt ausgerufen und sich zum Herrscher erklärt.