Irre 29. Runde stellt alles auf den Kopf:
Rieder melden sich im Titelrennen zurück

Fünf Auswärtssiege in der Runde machen es möglich Schöttel nach Leistung seiner Neustädter "sprachlos"

Irre 29. Runde stellt alles auf den Kopf:
Rieder melden sich im Titelrennen zurück © Bild: GEPA/Kelemen

Die verrückte 29. Runde mit fünf Auswärtssiegen und keinem einzigen Tor der Gastgeber - beides zugleich gab in der Geschichte der Bundesliga noch nie - hat es möglich gemacht: Obwohl Ried zuletzt sieben Spiele lang ohne Dreipunkter geblieben war, ist der Herbstmeister nach dem 2:0-Erfolg am Sonntag in Wiener Neustadt wieder voll im Titelrennen. Nur drei Punkte trennen die Oberösterreicher von Spitzenreiter Austria Wien, auch die internationalen Startplätze winken weiter.

"Man hatte uns bereits abgeschrieben, aber jetzt haben wir uns zurückgemeldet", frohlockte Ried-Routinier Ewald Brenner, der mit seinem Freistoßtor zum 1:0 die Weichen in der 30. Minute zum Erfolg gestellt hatte. Das Ende der sieglosen Serie sorgte auch beim 35-Jährigen für Erleichterung. "Wir haben gut gespielt, aber nicht die nötigen Punkte gemacht. Das ist das einzige, was man uns vorwerfen kann." Brenner war sich nach seinem 47. Tor im 405 Bundesliga-Spiel jedenfalls sicher: "Wir sind in guter Lauerstellung."

Paul Gludovatz, der zum 100. Mal in der Liga auf der Bank der Innviertler saß, gab sich gewohnt zurückhaltend. "Wir werden weiter versuchen, so viele Punkte wie möglich zu machen, ob wir weiter nach vorne kommen, entscheiden nicht wir allein", sagte der Burgenländer, der auch in der kommenden Saison das Trainerszepter in Ried. Für seine Mannschaft hatte er Lob parat: "Wir haben sehr konzentriert in der Defensive agiert und in der Offensive mehr Chancen gehabt. Wir haben mit einer gewissen Sicherheit agiert und daher verdient gewonnen."

Auf wenig Gegenliebe stieß bei Brenner hingegen die Eliminierung Martin Stocklasas aus dem Kader. Wenige Tage nachdem der Club bekanntgegeben hatte, dass der Vertrag des Liechtensteiners nicht verlängert werde, durfte der Abwehrspieler die Reise nach Niederösterreich gar nicht mehr antreten. "Ich finde das nicht in Ordnung", sagte Brenner, der selbst noch keine Gewissheit in Bezug auf die kommende Saison hat. "Dürfen wir dann auch nicht mehr spielen, wenn man uns nicht verlängert?", fragte er.

"Das war ein katastrophaler Auftritt"
Wesentlich größerer Ärger herrschte bei Neustadt-Coach Peter Schöttel, dessen Männer gegen die Rieder alle vier Saisonspiele verloren und kein einziges Tor (0:10) erzielten. "Das war ein katastrophaler Auftritt, mir fehlen die Worte", meinte der Wiener, der als favorisierter Kandidat auf den Trainer-Posten bei Rapid gehandelt wird. Im Kampf um einen internationalen Startplatz war die Niederlage bitter, das wusste auch Schöttel. "Vor dem Spiel war noch vieles möglich, wir hatten uns auch viel vorgenommen. Für mich kam das extrem überraschend." Die Vorstellung seines Teams verwunderte ihn nicht zuletzt ob der Leistung des Gegners: "Die Rieder haben einfach gespielt, sind viel gelaufen und haben die Zweikämpfe gewonnen. Sie haben aber nichts Besonderes gemacht."

Von einer bereits so gut wie finalisierten Einigung mit Rapid wollte Schöttel nichts wissen. "Ich habe ein Gespräch gehabt, mehr ist bis jetzt nicht passiert", gab der 44-Jährige zu Protokoll. "Ich würde gar nicht sagen, dass ich der Favorit bin. So weit sind wir in den Gesprächen noch gar nicht vorgedrungen." Eine baldige Entscheidung sei aber absehbar, weil beide Vereine im Hinblick auf die kommende Saison Gewissheit bräuchten: "Ich glaube, dass es in den nächsten Tagen eine Entscheidung geben sollte."

(apa/red)