Iranischer Präsident im Irak eingetroffen: Gilt als historischer Nachbarschaftsbesuch

Erstmals seit dem iranisch-irakischen Krieg 1980-88 Ahmadinejad hofft auf eine "Verstärkung der Bande"

Iranischer Präsident im Irak eingetroffen: Gilt als historischer Nachbarschaftsbesuch © Bild: Reuters

Mit Mahmoud Ahmadinejad hat erstmals ein iranischer Präsident das Nachbarland Irak besucht. In den Beziehungen beider Länder sei ein neues Kapitel aufgeschlagen worden, sagte Ahmadinejad bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem irakischen Kollegen Jalal Talabani in Bagdad. Seit dem Sturz des iranischen Erzfeindes Saddam Hussein im Irak durch US-geführte Truppen 2003 werden beide Länder von schiitischen Mehrheiten regiert. Begegnungen Ahmadinejads mit US-Diplomaten im Irak sind nicht vorgesehen.

"Ein Besuch im Irak ohne den Diktator ist ein wahrhaft glücklicher", sagte Ahmadinejad, der zwei Tage im Irak bleiben wollte. Die iranisch-irakischen Beziehungen haben sich seit dem Sturz Saddams deutlich entspannt. Dem 1980 von Saddam begonnenen achtjährigen Krieg mit dem Iran waren eine Million Menschen zum Opfer gefallen. Viele Schiiten flohen zudem in den Iran. Ahmadinejad sagte, sein Besuch werde dabei helfen, eine Atmosphäre der Zusammenarbeit in der Region zu schaffen.

Französischen Diplomaten in Bagdad zufolge werden auch Vertreter der Europäischen Union Ahmadinejad treffen. Dagegen gibt es nach US-Angaben keine solchen Pläne mit US-Diplomaten. Die USA hätten keine Rolle beim Ahamdinejad-Besuch gespielt. Auch habe das US-Militär nichts mit dessen Schutz im Irak zu tun.

Ahmadinejad fordert Abzug aus Irak
Ahmadinejad hat wiederholt den Abzug der USA aus dem Nachbarland gefordert und das US-Militär für die Gewalt im Irak verantwortlich gemacht. Die Regierung in Washington wiederum wirft dem Iran vor, schiitische Milizen im Irak im Kampf gegen die US-Soldaten auszubilden, was der Iran bestreitet.

"Ein entwickelter, mächtiger und geeinter Irak gereicht jedem zum Vorteil", sagte Ahmadinejad. Talabani sicherte dem iranischen Präsidenten zu, im Irak aktive iranische Rebellen zu vertreiben. Damit erfüllt der Iran eine seit langem gestellte Forderung des Irak. Am Montag wird Ahmadinejad offiziellen Angaben zufolge in den den Schiiten heiligen Städten Kerbela und Najaf erwartet.

Zu einem Treffen mit dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki begab sich Ahmadinejad in die von US-Truppen gesicherte "Grüne Zone" in Bagdad,

Die Teheraner Regierung stellte dem Irak auch eine Milliarde Dollar an Krediten für Infrastrukturprojekte bereit. Der Kredit sei eines der Hauptthemen bei seinen Gesprächen mit irakischen Regierungsvertretern in Bagdad gewesen und stehe für Projekte bereit, die von iranischen Firmen mit iranischer Ausrüstung ausgeführt würden, sagte der stellvertretende Außenminister Ali Reza Sheikh Attar.

Die Bevölkerung des Iran ist mehrheitlich schiitischen Glaubens. Im Irak gibt es rund 60 Prozent Schiiten, die unter dem Saddam-Regime von der sunnitischen Minderheit unterdrückt wurden.

(APA/red)