Iranisch-libyscher Doppel-Eklat in der UNO: Ahmadinejad lässt den Antisemiten raus

Viele Delegationen protestieren, Österreich bleibt Gaddafi beschimpfte UNO-Rat zuvor als "Terror-Rat"

Iranisch-libyscher Doppel-Eklat in der UNO: Ahmadinejad lässt den Antisemiten raus © Bild: Reuters/Segar

Nachgerade erwartungsgemäß haben der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad und der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi mit ihren Auftritten für einen doppelten Eklat in der UNO-Vollversammlung gesorgt. Aus Protest gegen neuerliche antisemitische Äußerungen Ahmadinejads - er nannte das Vorgehen Israels gegen die Palästinenser "Völkermord" - verließen zahlreiche Delegationen den Plenarsaal. Gaddafi beschimpfte den UN-Sicherheitsrat als "Terror-Rat", auch bei ihm leerten sich die Reihen der Delegierten.

Anfangs hatte Ahmadinejad sich offen für einen Dialog gezeigt und erklärt, Teheran sei bereit, jede Hand zu schütteln, die "uns ehrlich ausgestreckt wird". Dann nutzte er seinen Auftritt vor der UNO-Vollversammlung aber wieder für scharfe Angriffe gegen Israel und die Verbreitung antisemitischer Verschwörungstheorien: "Es ist nicht länger akzeptabel, dass eine kleine Minderheit Politik, Wirtschaft und Kultur in weiten Teilen der Welt durch komplizierte Netzwerke dominiert und eine neue Form der Sklaverei schafft", sagte Ahmadinejad.

Gaddafi bringt Zeitplan durcheinander
Lange vor Ahmadinejad, gleich nach der Rede von US-Präsident Barack Obama, war bereits Gaddafi mit seinem braunen Beduinenumhang und einer übergroßen Afrika-Brosche am Revers ans Rednerpult getreten. Als "König der Könige" hatte ihn zuvor der Präsident der UNO-Vollversammlung, Ali Treki, angekündigt, der auch Libyer ist. Gaddafi sprach anstatt der für ein Staatsoberhaupt üblichen 15 Minuten mehr als eineinhalb Stunden. Damit wirbelte er nicht nur den Zeitplan für die nach ihm folgenden Redner durcheinander, sondern er schaffte es auch, den Plenarsaal sukzessive zu leeren - auch, weil er die Organe der Weltorganisation beschimpfte, einen Teil der UNO-Charta zerriss und sie dann achtlos wegwarf.

Während Ahmadinejads Rede verließen neben den USA von europäischer Seite nach Angaben aus Diplomatenkreisen Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Dänemark und Ungarn den Saal. Auch die Delegationen aus Argentinien, Costa Rica, Australien und Neuseeland zogen sich zurück. Die israelische Delegation hatte die Rede Ahmadinejads von vornherein boykottiert.

Israel verurteilte die Äußerungen des iranischen Präsidenten als antisemitisch. Die israelische UNO-Botschafterin Gabriela Shalev sagte dem israelischen Rundfunk, die Hassrede Ahmadinejads beweise erneut die Gefahr, die von dem Iran ausgehe. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu werde bei seiner Ansprache vor den Vereinten Nationen die iranische Bedrohung belegen und beweisen, dass es keine Alternative für ein sofortiges und entschlossenes Vorgehen gebe. Netanyahu sagte der Zeitung "Israel Hajom": "Ich werde der Welt sagen, was wir in der Iran-Frage spüren." Seine Äußerungen werden "scharf und klar" sein, kündigte er an. "Wir werden es einem gefährlichen Führer nicht erlauben, uns mit einem neuen Holocaust zu bedrohen."

Ahmadinejad "Schaden für sein Land"
Auch der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier distanzierte sich entschieden von den Äußerungen Ahmadinejads: "Äußerungen dieser Art sind nicht nur nicht hinnehmbar, sondern dieser Präsident ist eine Schande für sein Land", sagte Steinmeier in Berlin.

(apa/red)