Iran von

Gassi gehen verboten

Behörden verdammen Hunde-Boom als zu westlich und sagen Haltern den Kampf an

  • Hunde als Haustiere erobern den Iran.
    Bild 1 von 14 © Bild: Getty/AFP/BEHROUZ MEHRI

    Im Iran wächst die Hundeliebe. Die Behörden sehen diesen "westlichen Trend" gar nicht gerne.

    Im Bild: Hundbesitzerin Andia schmust mit ihrem Terrier Tommy.

  • Hunde als Haustiere erobern den Iran.
    Bild 2 von 14 © Bild: Getty/AFP/BEHROUZ MEHRI

    Andia mit ihrem Hund in ihrem Haus in Teheran.

Die iranischen Behörden kämpfen derzeit verzweifelt gegen einen neuen Feind: Den Hund. Immer mehr Iraner legen sich einen Vierbeiner als Haustier zu. Für die Behörden ist das ein unverzeihlicher Schritt in Richtung westlichen Lebensstil. Seit einiger Zeit kommt daher das Gassi gehen für Irans Hunde und Halter einer aufrührerischen Tat gleich: Werden sie erwischt, drohen Geldstrafen für den Besitzer und Haft oder noch Schlimmeres für sein Tier. Doch allen Maßnahmen zum Trotz: Hunde sind gefragt wie noch nie, ihr Verkauf boomt. .

"In den vergangenen Jahren verzeichnete die Nachfrage nach Hunden einen steilen Anstieg", sagt der Tierarzt und Zoohändler Sorusch Mobaraki. "Wir allein verkaufen 15 bis 20 Hunde pro Monat." Für viele Iraner seien die Tiere inzwischen Statussymbol: "Sie wollen einen Hund - so wie man ein Luxusauto besitzen will."

Hunde als Familienmitglieder

Hunde als Haustiere waren jahrzehntelang selten im Iran anzutreffen - nach dem traditionellen Glauben gelten sie als "nadschis" (unrein). Aufgrund ihrer geringen Zahl wurden sie jedoch toleriert; Wach-, Hüte- und Jagdhunde waren ohnehin akzeptiert. Inzwischen aber sind die Behörden alarmiert, weil die in ihren Augen verwestlichte Mittelschicht zunehmend auf den Hund kommt: "Für mich ist sie wie ein Familienmitglied", sagt etwa die 28-jährige Nahal, während sie ihre zweijährige Spitz-Hündin Torandsch knuddelt.

Berichte über Schoßhunde im Designermäntelchen, die in Luxuskarossen herumkutschiert oder durch die Parks von Teherans Nobelviertel geführt werden, zogen den Zorn konservativer Geistlicher auf sich. Im Juni 2010 verurteilte Großayatollah Naser Makarem Schirsi die Hundehaltung als "blinde Nachahmung" der westlichen Kultur und warnte, die traditionellen Werte könnten dabei vor die Hunde gehen: "Viele Menschen im Westen lieben ihre Hunde mehr als ihre Frauen und Kinder", wurde er von den Medien zitiert.

Besitzer müssen Strafe zahlen

Daraufhin belegte die Regierung die Hundehaltung mit Geldstrafen; Werbung in den Medien für Haustiere wurde komplett verboten. Mobaraki hat seine Hunde seitdem in einem Garten außerhalb der Stadt untergebracht. "Ich hole sie erst, wenn der Käufer und ich einig sind und das Geschäft unter Dach und Fach ist", sagt der 34-Jährige.

Die früher eher sporadischen Hunde-Razzien sind heute an der Tagesordnung. Die Polizei "geht gegen alle vor, die ihre Hunde auf der Straße spazieren führen", drohte Vize-Polizeichef Achmad Resa Radan im April. "Autos, in denen Hunde sitzen, werden beschlagnahmt."

Tierschützer bezweifeln, dass diese Razzien rechtmäßig sind. "Es gibt kein Gesetz, das die Haltung oder den Transport von Hunden verbieten", mahnte die Iranische Gesellschaft zur Verhütung von Grausamkeiten an Tieren in einem offenen Brief an Radans Vorgesetzten, Polizeichef Esmail Ahmadi Mokadam. Auf ihre Proteste gegen die "Massenfestnahme von Hunden" erhielt die Organisation aber nie eine Antwort. Nach Berichten von Hundebesitzern verschleppen die Beamten die Tiere an "unbekannte Orte", wo sie sie oftmals einfach verhungern lassen.

Mit Tötung gedroht

Laut dem ehemaligen Vorsitzenden der iranischen Anwaltsvereinigung, Bachman Keschawars, können Haustiere nur beschlagnahmt werden, wenn die Halter gegen Hygienestandards verstoßen haben. "Haustieren dürfen nicht ohne richterliches Urteil beschlagnahmt werden", zitiert die Tageszeitung "Bachar" den Juristen. Bisher erhielten Hundehalter nach Zahlung einer Strafgebühr und dem Versprechen, nicht mehr gegen die "Moral" zu verstoßen, ihren Liebling in der Regel wieder zurück. Heute können sie sich nicht mehr sicher sein: "Den Haltern wird gesagt, dass ihre Hunde getötet werden, und dann erhalten sie nicht einmal einen Beleg für die Beschlagnahme", erzählt Tierklinik-Leiter Pajam Mochebi.

Manche Hundeliebhaber führen ihre Tiere nur noch in abgelegenen Ecken oder nachts spazieren. Einige verzichten ganz darauf: "Ich traue mich nicht mehr, meine Hündin mitzunehmen", sagt eine Frau beim Familienpicknick in einem Park im Westen Teherans. "Also haben wir sie zu Hause gelassen."

Kommentare

was hier gleich ersichtlich ist-es werden schön gepflegte gesund aussehene tiere gezeigt. wer schonmal dort war weiss, dass die hunde zwar gerne gekauft werden, wenns mit stubentraining nicht gleich klappt, fliegens halt ungeimpft raus. in heissen regionen, regieren krankheiten wie, herzwurm, parvo, leishmanose. zudem ekeln die meisten sich nicht vor hunden, sondern vor den hinterlassenschaften, die nicht weggemacht werden-dort gibts keine MA die alles säubert. anstatt mit strafzetteln zu drohen, droht man dort mit hundentzug und ggf tötung

Ignaz-Kutschnberger

Also ich bin dafür, dass man den iranischen Leuten Waffen liefert... dann möchte ich mal gesehen haben, welche Behörde da einfach grundlos den Hund oder was auch immer abholt...

mfp7764 melden

kopftücherl land was soll man da sagen-wohl gar nix mehr.

seach4nick melden

Und Sie sind ein Bauer mit so einer Aussage ......was soil man da sagen-wohl gar nix mehr ...............

Frustriert melden

@mfp7764: Sehen Sie sich doch mal die Fotos an. Sehr viele Kopftücherln sieht man hier nicht.
@seach4nick: Und wie darf man in diesem Zusammenhang bitte den Begriff "Bauer" auffassen??? Haben Sie irgendwas gegen diesen wichtigen Berufsstand?

lagi62 melden

@seach4nick, san ma a bisserl realitätsfremd wie? erstens ist es ein kopftücherl land zweitens haben die einen riesen klescha mit solchen verboten. das zeigt mal wieder wie normal diese länder sind. ausserdem kannst gerne dorthin auswandern wenns so schön ist.

seach4nick melden

@lagi62 spar dir dein primitives Kommentar, bei deiner Schreibweise kennt man sich schon aus dast a Schwitzbirn bist.
Red net wenst di net auskennst und selbst wahrscheinlich noch nie in so an Land woast und mit den argumentierst was dir die Medien vorgaukeln.

S/A/R melden

Ich hab noch nie soviel schwachsinn gelesen. War selbst 1 Jahr in Iran, aber soviel bs um Iranische Regierung irgendwie niederzumachen ist einfach unglaublich! Aber hey, der Westen hat jetzt einen Grund mehr Iran anzugreifen. LOLLL

melden

also ich bin mir da nicht so sicher ob das wirklich so ein schwachsinn ist. man weiß ja ohnehin, dass länder wie iran,irak afghanistan etc, alles verpöhnen was westlich ist.

wintersun melden

Mag sein dass gewisse Kräfte in diesen Ländern alles westliche verpöhnen. Aber was mit diesem Artikel bezweckt werden soll ist wohl auch klar. Am besten noch heute angreifen diesen bösen, tiefbösen Iran :-)
Wärs der Iran gewesen der uns ausspioniert, wie würden da die KONSEQUENZEN aussehen?
Die Politiker und Medien würden sich vor lauter Empörung gar nicht mehr erholen können und würden mit letzter Kraft nur noch rausposaunen wir MÜSSEN endlich angreifen, die rote Linie ist überschritten bla bla bla...

melden

so interpretiere ich den artikel nicht! ist wohl eine ansichtssache!

melden

so interpretiere ich den artikel nicht, als hetze gegen ein land! ist wohl ansichtssache!

Seite 1 von 1