Nach Lausanne-Pakt von

Iran bejubelt Einigung im
Atomstreit, aber warum?

Freude über Verhandlungserfolg ist so groß wie die Erwartungshaltung der Bevölkerung

Iranischer Außenminister © Bild: FABRICE COFFRINI/AFP/Getty Images

Weltweit ist die Rahmenvereinbarung im Atomstreit mit dem Iran als wichtiger Durchbruch begrüßt worden. US-Präsident Barack Obama sprach am Donnerstag in einer Fernsehansprache von einer "historischen Übereinkunft", in Teheran gab es in der Nacht Freudenfeiern auf den Straßen. Am Mehrabad-Flughafen wurde Irans Außenminister Mohammad Javad Zarif bei seiner Rückkehr gefeiert wie ein Nationalheld. Hunderte riefen "Lang lebe Dr. Zarif " und schwenkten stolz die iranische Flagge. Autofahrer hupten, Menschen tanzten.

Jugendliche auf den Straßen skandierten "Obama, Obama". Sie wünschen sich eine Normalisierung der Beziehungen mit den USA - nach über 35 Jahren Feindseligkeit. Einige hielten in der einen Hand einen 10.000-Rial-Schein und in der anderen eine Ein-Dollar-Note. Die Botschaft: Das sollte demnächst der neue Umtauschkurs werden. Noch kostet ein Dollar das Dreifache.

Im Iran interessiert sich kaum ein Bürger für die Anzahl der Zentrifugen und ob in Arak nun ein Schwer- oder Leichtwasserreaktor gebaut wird. Was die Menschen in erster Linie interessiert, ist die Aufhebung der Sanktionen und damit ein Ende der Inflation. "Wir wissen nur dann, woran wir sind, wenn die Sanktionen weg sind", sagt der Devisenmakler Hamid. Werden sie nun alle auf einmal aufgehoben oder schrittweise? Wegen der widersprüchlichen Aussagen sind auch die Auswirkungen auf den Devisenkurs noch unklar.

Taxifahrer in Teheran mit Banknote
© ATTA KENARE/AFP/Getty Images Jubel auf Teherans Straßen

Ungewisse Wirtschaftslage

Unsicherheit herrscht auch weiterhin bei iranischen Unternehmern. "Da ist mir zu viel Inshallah (so Gott will) bei Zarifs Erläuterungen", sagt der Seifen-Importeur Ramin. Was wird beispielsweise aus den Finanzsanktionen gegen Banken, die in den vergangenen Jahren sowohl Import als auch Export erschwert haben? Daher will der Unternehmer wie andere auch lieber mit Planungen bis Ende Juni warten - bis das endgültige Abkommen steht. Alles andere wäre zu riskant.

Da der oberste Führer, Ayatollah Ali Khamenei, bis jetzt Präsident Hassan Rohanis Atompolitik unterstützt hat, halten sich die Kritiker in Land auch eher zurück. Zu Wort hat sich nur erneut Oberislamist Hussein Shariatmadari gemeldet. "Da haben wir das gute Pferd mit einem Ackergaul ausgetauscht", sagte Herausgeber der islamistischen Zeitung "Kayhan".

Niederlage für iranische Hardliner

Iranische Hardliner befürworten zwar eine Einigung im Atomstreit und damit ein Ende der Wirtschaftskrise, aber sie bangen um ihre politische Zukunft. Denn schon im Februar 2016 gibt es Parlamentswahlen. "Eine Einigung wäre für die Reformer nicht nur ein großer strategischer Erfolg, sondern auch ein Garant für einen Wahlsieg und damit eine Übernahme des Parlaments von den Hardlinern", sagt ein Politologe der Universität Teheran.

Aber umgedreht könnte ein Scheitern der Verhandlungen zum politischen Verhängnis für die Reformer und auch Präsident Rohani werden. Das würde dann nicht nur erneut den Einfluss der Hardliner stärken. Viele befürchten in dem Fall auch ein Comeback von Ex-Präsident Mahmoud Ahmadinejad. Der sitzt laut Medienberichten in Lauerstellung und wartet besonders auf ein Scheitern Rohanis in den Atomverhandlungen.

"Ewig im Gedächtnis bleiben"

Nach den Worten Rouhanis wird die Unterzeichnung eines endgültigen Abkommens zur Beilegung des Atomstreits "dem Volk ewig im Gedächtnis bleiben". Rohani äußerte sich nach Angaben des Senders Press TV am Freitag in einer Fernsehansprache in Teheran. "Die Welt soll wissen, dass wir keine Lügner und Betrüger sind. Wir machen alle unsere Versprechungen unter Berücksichtigung unserer nationalen Interessen und werden diese einhalten, wenn sich auch die Gegenseite an ihre Versprechungen hält", betonte der Präsident.

Wenn sich die Gegenseite eines Tages dazu entscheide, einen neuen Weg einzuschlagen, dann werde sich auch für die iranische Nation der Weg öffnen, um eine angemessene Entscheidung zu treffen, sagte Rohani. Das Atomabkommen sei aber nur ein Schritt bei der Entwicklung der Beziehungen zwischen dem Iran und der Welt und all jenen Ländern, die die iranische Nation akzeptierten und die mit dem iranischen Volk im Rahmen gegenseitiger Interessen zusammenarbeiten wollten. Davon würden zweifellos alle profitieren, unterstrich Rohani. "Nun beginnt die Ära des Respekts und der Zusammenarbeit mit der Welt."

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