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Atomgespräche in Wien:
Historische Einigung mit Iran

Abkommen nach jahrelangen Gesprächen - Obama: Einigung macht die Welt sicherer

Mogherini und Zarif © Bild: JOE KLAMAR/AFP/Getty Images

Der Atomstreit mit dem Iran ist nach 13-jährigem diplomatischen Ringen beigelegt. Die UN-Vetomächte, Deutschland und der Iran erzielten nach Marathonverhandlungen in Wien eine historische Einigung zur deutlichen Verringerung der Atomkapazitäten der Islamischen Republik. Das gaben die Verhandlungsführer am Dienstag in Wien bekannt.

Der Iran verpflichtet sich darin, sein Atomprogramm stark zurückzufahren. Im Gegenzug werden die gegen das Land verhängten Sanktionen aufgehoben. Der Durchbruch wurde weltweit als historischer Erfolg gefeiert, Kritik kam vor allem aus Israel. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sprach zum Abschluss des Verhandlungsmarathons im Wiener Palais Coburg von einem "Zeichen der Hoffnung für die ganze Welt". Die Einigung öffne ein "neues Kapitel in den internationalen Beziehungen". Irans Außenminister Mohammad Jawad Zarif sprach von einem "historischen Augenblick". Das Abkommen sei zwar "für niemanden perfekt", aber "es ist das, was wir erreichen konnten".

Irans Präsident Hassan Rohani erklärte, das Abkommen öffne "neue Horizonte". Die Einigung zeige, dass "Gott die Gebete der Nation erhört hat", sagte er in einer Fernsehansprache. US-Präsident Barack Obama sagte im US-Fernsehen, für den Iran sei nun "jeder Pfad" zur Atombombe abgeschnitten. Die Verbreitung von Atomwaffen im Nahen Osten sei "gestoppt".

Netanyahu: Historischer Fehler

Der US-Kongress, in dem viele Abgeordnete eine Kooperation mit dem Iran ablehnen, muss aber noch zustimmen. Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu geißelte die Einigung gar als "historischen Fehler" und warnte: "Wir haben uns verpflichtet, einen atomar bewaffneten Iran zu verhindern. Dazu stehen wir".

Ganz anders erste Reaktionen der Hardliner in Teheran: "Das Atomteam hat in einer einzigartigen Art und Weise und mit viel diplomatischem Geschick die Interessen des Landes erfolgreich verteidigt", meldete sich die konservative Partei Isargaran (Selbstlose) zu Wort.

Mit der Vereinbarung geht ein Verhandlungsmarathon in Wien zu Ende, der die Welt 21 Monate lang in Atem hielt. Zuletzt hatten die Unterhändler 17 Tage ununterbrochen in der österreichischen Hauptstadt über das Abkommen verhandelt. US-Außenminister John Kerry hatte die ganze Zeit über in Wien verbracht.

Schrittweise Reduktion der Sanktionen

Das Abkommen soll den Bau einer iranischen Atombombe verhindern. Im Gegenzug werden die Wirtschaftssanktionen des Westens schrittweise aufgehoben. Die Übereinkunft ist in Zeiten vieler Konflikte einer der wenigen überragenden diplomatische Erfolge. Sie markiert auch ein Ende der Eiszeit in den Beziehungen zwischen den USA und dem Iran. Seit dem Sturz des Schahs 1979 und der Geiselhaft von 52 US-Diplomaten standen sich beide Länder in bitterer Feindschaft gegenüber. Zugleich dürfte der Iran auch seine außenpolitische Isolation überwinden und als Regionalmacht gestärkt werden.

Nun steigen nach Überzeugung von Diplomaten die Chancen, auch andere Krisen wie etwa in Syrien zu lösen. Während der Westen und Russland wegen des Ukraine-Konflikts politisch zerstritten sind, haben sie im Fall des Iran-Abkommens eng kooperiert.

Zu den Kritikern der Annäherung zählen auch die Golfstaaten, die eine Verschiebung des regionalen Machtgefüges zugunsten des Irans befürchten. Israels Regierungschef Netanyahu sieht den Iran, dessen Staatsdoktrin die Erzfeindschaft mit dem Judenstaat unantastbar festschreibt, nun auf dem Weg zur Atommacht. Außerdem werde der Deal Teherans "Terror- und Eroberungsmaschinerie Hunderte Milliarden Dollar liefern". Es wird erwartet, dass Netanyahu alles versuchen werde, um die Vereinbarung mithilfe des US-Kongresses noch zum Scheitern zu bringen.

Iran baut zwei Drittel seiner Zentrifugen ab

Das Rahmenabkommen von Lausanne im April zeichnete den Weg für die jetzige umfassende Lösung vor. Der Iran sagt in der nun erfolgten Einigung unter anderem zu, die Zahl seiner Zentrifugen zur Urananreicherung für zehn Jahre um rund zwei Drittel zu reduzieren und fast seine gesamten Bestände angereicherten Urans außer Landes zu bringen oder zu beseitigen. Inspektoren sollen zudem Zugang zu allen verdächtigen Anlagen bekommen, auch zu Militäranlagen.

Im Gegenzug sollen die gegen den Iran verhängten Sanktionen ab Anfang 2016 schrittweise aufgehoben werden. Sollte die Islamische Republik gegen ihre Verpflichtungen verstoßen, werden die Strafmaßnahmen aber wieder in Kraft gesetzt. Die Sanktionen hatten im Iran zu einer schweren Wirtschaftskrise geführt.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sagte, er erwarte bereits in "wenigen Tagen" eine Resolution des UN-Sicherheitsrats zu dem Abkommen. Die Annahme einer solchen Resolution ist die Bedingung dafür, dass die Einigung in Kraft treten kann.

Streit nach 13 Jahren beendet

Insgesamt zog sich der Atomstreit mit dem Iran rund 13 Jahre hin. Im August 2002 hatte eine iranische Exilgruppe erstmals von nicht deklarierten Atomanlagen im Iran berichtet. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) berichtete ein Jahr später von Spuren angereicherten Urans in der Atomanlage in Natanz.

Neben der Einigung im Atomstreit stimmte der Iran am Dienstag auch einer Untersuchung zur Vergangenheit seines Atomprogramms durch die IAEA zu. Wie IAEA-Generaldirektor Yukiya Amano mitteilte, unterzeichnete er mit iranischen Vertretern einen Fahrplan für die Klärung der offenen Fragen. Die Klärung des Vorwurfs, dass der Iran bis 2003 und womöglich auch danach an der Entwicklung von Atomwaffen arbeitete, war eine der Hauptforderungen der Weltmächte.

Khamenei dankt Verhandlungsteam

Die mit Spannung erwartete Reaktion des obersten iranischen Führers Ali Khamenei auf die in Wien erzielte Atomeinigung fiel positiv aus. "Ich bedanke mich und würdige die aufopferungsvollen Bemühungen des Atomteams", sagte der Ayatollah am Dienstag gegenüber Präsident Hassan Ruhani. Khamenei hatte den Präsidenten und seine Minister am Abend der Atomeinigung zum Fastenbrechen (Iftar) eingeladen. Schon die Einladung wurde von Beobachtern in Teheran als seine Befürwortung der Atomeinigung ausgelegt. Laut iranischer Verfassung hat Khamenei das letzte Wort in allen strategischen Belangen, also auch in der Atompolitik.

Khamenei dankte Zarif laut "Press TV" explizit für dessen "ehrlichen und hartnäckigen Zugang zu den Verhandlungen", bei denen er "das Beste für die iranische Nation" herausgeholt habe. Das Verhandlungsteam und die mitgereisten Journalisten waren am Montagabend bereits auf dem Rückflug nach Teheran. Sie sollten nach der Ankunft auch von Khamenei empfangen werden.

Jubel auf den Straßen Teherans

Zahlreiche Iraner strömten nach dem Fastenbrechen jubelnd auf die Straßen der Hauptstadt Teheran. Nach Augenzeugenberichten feiern alleine auf der Parkway Autobahn Tausende hauptsächlich Jugendlicher in ihren Autos mit iranischen Flaggen und lauter Pop-Musik. Noch voller sei es in der Stadtmitte, hieß es. Wege der Feiern sind mehrere Straßen blockiert. Laut Augenzeugen waren die Hupkonzerte ohrenbetäubend.

Auf Bannern und mit Parolen dankten die Demonstranten besonders Präsident Hassan Rohani und Mohammed Jawad Zarif als die Initiatoren der Atomeinigung mit dem Westen. Einer der Slogans ist "Rohani, Zarif, danke für die Öffnung des Landes." Erneut gab es auch viele "Obama, Obama"-Sprechchöre und die Forderung nach einer Wiederaufnahme der Beziehungen zu den USA.

In den sozialen Netzwerken kursieren diverse Videos über die Feiern. In einem Video singen die Jugendlichen "Jare Dabestani Man" des iranischen Chansonniers Ferejdun Forughi. Das Lied gilt seit Jahren als die Hymne der Reformanhänger des Landes und auch als symbolische Forderung der Freilassung politischer Gefangener.

Kommentare

Squidy melden

Ich bin skeptisch - hat die USA überhaupt einen Begriff von Taqiyya?

günza melden

Hab den Begriff gerade mal nachgelesen. Auf gut Deutsch" Du kannst Lügen was das Zeug hält wenn es notwendig ist" Die fühlen sich eben bedroht und da geht das.

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