Iran-Angriff rückt näher: Briten beraten angeblich über Folgen eines Militärschlags

Einmarsch wie im Irak ist laut Zeitung nicht geplant Verteidigungsministerium weist den Bericht zurück

Die britische Regierung will einem Zeitungsbericht zufolge mit ihren Militärstabschefs über die Folgen eines möglichen Angriff auf den Iran sprechen. Bei dem Geheimtreffen wollten die Teilnehmer darüber reden, welche Auswirkungen ein US-geführter Angriff für Großbritannien haben könnte, sagte ein leitender Mitarbeiter des Außenministeriums der Sonntagszeitung "Sunday Telegraph".

Die Stabschefs würden vor allem wissen wollen, welche Folgen ein solcher Angriff "auf britische Einrichtungen im Irak und Afghanistan hat, die beide an den Iran angrenzen". In den kommenden Tagen würden die Staatschefs dann ihre Schlussfolgerungen vor Regierungschef Tony Blair und seinem Kabinett erörtern.

Wenn der Iran "noch einen strategischen Fehler macht" und beispielsweise Forderungen der Vereinten Nationen missachte, dann setze sich unter der britischen Führungsspitze die Ansicht durch, "dass man zu militärischen Mitteln greifen könnte, um die Krise zu beenden", sagte der Außenamtsmitarbeiter dem Blatt. In einigen Regierungsstellen sei man ohnehin der Überzeugung, dass ein Angriff auf den Iran "kaum vermeidbar" sei. Wenn es einen Angriff gebe, dann aber nur auf die Atomanlagen im Iran, sagte der Ministerialbeamte - "einen Einmarsch (wie im Irak) wird es nicht geben". Es stehe "kein unmittelbarer" Angriff bevor, vielleicht sei es aber noch dieses oder kommendes Jahr soweit.

Das britische Verteidigungsministerium wies den Bericht zurück. Es finde kein Treffen zwischen Mitarbeitern des Ministeriums, des Außenamtes oder anderer Stellen statt. Auch der Premierminister und sein Kabinett würden in dieser Hinsicht nicht unterrichtet, "es gibt keine Pläne für ein solches Briefing", sagte ein Sprecher. Großbritanniens Verteidigungsminister Jack Straw hatte im März gesagt, ein militärischer Angriff auf den Iran sei "unvorstellbar". Der Sicherheitsrat der UNO hatte dem Iran am Mittwoch 30 Tage Zeit gegeben, um die Anreicherung von Uran in seinen Atomanlagen einzustellen.

"Washington Post": Iran-Krieg würde weltweit Terror auslösen
Amerikanische Planspiele zu einem Angriff auf den Iran und deren Folgen gehen nach einem Bericht der "Washington Post" von einer Welle terroristischer Anschläge weltweit aus. Unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise berichtet die Zeitung am Sonntag, dass die zuständigen Experten in der US-Regierung damit rechnen, dass iranische Agenten sowie Mitglieder der radikal-islamischen Schiiten-Organisationen Hisbollah ("Partei Gottes") weltweit zuschlagen würden.

Die iranische Führung betrachte den "Islamischen Jihad", die Terrororganisation der Hisbollah, als verlängerten Arm ihres Landes, zitierte die Zeitung den Koordinator des US-Außenministeriums im Kampf gegen den Terrorismus, Botschafter Henry Crumpton. Diese Terrorteams könnten laut Crumpton ohne große Vorlaufzeit aktiviert werden.

Auch US-Ziele im Irak würden den Planspielen zufolge verstärkt attackiert werden, heißt es in der "Washington Post". Schon jetzt befänden sich nach US-Analysen zahlreiche iranische Geheimdienstagenten im Irak.

In Washington werden derzeit die möglichen Optionen der USA und des Westens diskutiert, falls der Iran nicht bereit sein sollte, sein Atomprogramm und die damit befürchtete nukleare Aufrüstung aufzugeben. Für die Geheimdienste sei dies derzeit ein ganz großes Thema, so die Zeitung.
(apa/red)