Iran von

Ahmadinejad tritt ab

Umstrittener Rebell scheidet nach acht Jahren aus aktuellem politischen Geschehen

Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad © Bild: APA/EPA/Str

Im Iran geht die Ära Mahmoud Ahmadinejad ist zu Ende. Nach acht Jahren wird der wegen seines draufgängerischen Kurses bekannte scheidende Präsident von der Bildfläche des innersten iranischen Führungszirkel verschwinden. In den letzten Monaten musste er schon damit leben, als "Präsident auf dem Abstellgleis" dienen zu müssen.

Sein Wunschnachfolger, Esfandiar Rahim Mashaei, wurde vom Wächterrat wegen seiner von jenen der Geistlichkeit abweichenden nationalistischen und spirituellen Ansichten erst gar nicht zugelassen.

Ahmadinejads Präsidentschaft begann für ihn selbst durchaus vielversprechend. Als bescheidener Anwalt der kleinen Leute konnte er im Jahre 2005 gegen seinen etablierten Herausforderer Ali Akbar Hashemi-Rafsanjani punkten und wurde Präsident.

Der 1956 im Teheraner Vorort Garmsar geborene, als eines von sieben Kindern aufgewachsene Sohn eines Schmieds meldete sich während des Iran-Irak-Krieges als Freiwilliger und trat 1986 den Revolutionsgarden bei. Seine politische Laufbahn begann er als Bürgermeister der Städte Maku und Khoy in der Provinz West-Azarbaijan und als Gouverneur von Ardabil.

"Robin Hood der Armen"

In seiner Zeit als Bürgermeister Teherans bekam er den Beinamen "Robin Hood der Armen", da er sich vor allem für die Unterschicht einsetzte. Bis 2005 lebte der 1,54 Meter große Ahmadinejad in einer einfachen Drei-Zimmer-Wohnung im Osten Teherans und fuhr einen 30 Jahre alten Peugeot.

Doch vom Robin-Hood-Image ist nicht viel übrig: Rund 65 Prozent Geldentwertung, eine hohe Arbeitslosigkeit und die Folgen der Sanktionen wegen des Atomstreits sind neben seinen Hasstiraden gegen den Westen Teil der Bilanz seiner achtjährigen Präsidentschaft. Auch mit seinem ehemaligen Fürsprecher, dem Obersten Führer Ali Khamenei, hat es sich Ahmadinejad in den vergangenen Monaten mehr und mehr verscherzt. Zu eigenwillig und aufmüpfig sei er Khamenei geworden, berichten Insider.

Ahmadinejad will sich aber noch nicht zur Ruhe setzen und nach eigenen Angaben weiterhin in der Politik mitmischen. Ob die geistliche Elite dies aber zulässt ist fraglich. Zuletzt durfte er weder bei den Feierlichkeiten zu Ehren von Revolutionsgründer Khomeini sprechen, noch bekam er Sendezeit in den staatlichen Medien, um sich gegen Angriffe der Präsidentschaftskandidaten zu wehren.

Anzeige wegen unerlaubter Wahlhilfe

Nach seinem Abtreten könnte Ahmadinejad noch weiteres - und möglicherweise viel schlimmeres - Ungemach drohen. Unbestätigten Berichten zufolge war er vor einigen Wochen gegen seinen Willen von Revolutionsgarden mehrere Stunden lang festgehalten worden. Zudem hat ihn der Wächterrat wegen unerlaubter Wahlhilfe für Mashaei bei der Justiz angezeigt.

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