Irak-Waffen: Waffeninspektor Blix wirft Blair Propaganda vor

Er habe Bush und den britischen Premier vor falschen Schlüssen gewarnt Blix' vermutet: "Die Absicht war es, zu dramatisieren"

Der ehemalige Chef-Waffeninspektor der UNO, Hans Blix, hat dem britischen Premier Blair Propagandamethoden vorgeworfen. In einem Interview mit BBC sagte Blix am Sonntag, die Behauptung, dass Saddam Hussein binnen 45 Minuten mit seinen Massenvernichtungswaffen zuschlagen könne, sei nur des Effekts wegen in das vor dem Krieg veröffentlichte Irak-Dossier der britischen Regierung aufgenommen worden.

"Die Absicht war es, zu dramatisieren, so wie die Verkäufer mancher Waren versuchen, die Bedeutung dessen, was sie haben, zu übertreiben," so Blix. Er sagte weiter, er unterstelle Blair nicht, "in böser Absicht" gehandelt zu haben: "Doch von Politikern, von unseren westlichen Führern, erwarten wir vielleicht mehr als das: ein bisschen mehr Aufrichtigkeit." Er und die anderen Inspektoren hätten US-Präsident Bush und Blair vor dem Krieg gewarnt, dass die Massenvernichtungswaffen nicht auffindbar seien und möglicherweise gar nicht mehr existierten.

"Wir haben die korrekte Warnung rausgegeben", sagte Blix. "Aber sie haben das nicht ernst genommen." Der amerikanische und der britische Geheimdienst seien dafür mit verantwortlich: "Die haben ganz klar zu viel von dem geglaubt, was irakische Überläufer gesagt haben." Zusammen mit dem auf Massenwirkung bedachten "Informationsmanagement" von Bush und Blair habe sich so ein Zerrbild ergeben, so Blix.

Nach einer Umfrage will eine Mehrheit von 51 Prozent der Briten Blairs Rücktritt. 35 Prozent der 1.000 Befragten sprachen sich hingegen dafür aus, dass er weitermachen solle. Der Rest war unentschieden. Auf die Frage, ob sie glaubten, dass Blair bei seinen Aussagen über irakische Massenvernichtungswaffen gelogen habe, antworteten 54 Prozent mit Ja, 31 Prozent mit Nein. (apa)