Irak kommt nicht zur Ruhe: Spirale der Gewalt dreht sich unaufhörlich weiter

Wieder mehrere Tote bei neuen Anschlägen PLUS: Großrazzia der US-Truppen in Bagdad

Bei Anschlägen, Überfällen und neuer Gewalt in den irakischen Städten Bakuba und Basra sind am Samstag mindestens 13 Menschen getötet worden. Zu den Opfern zählen auch vier Bewohner eines Dorfes nahe Bakuba, die von Unbekannten entführt und zwei Stunden später tot aufgefunden wurden. Den Männern waren die Hände gefesselt und die Augen verbunden worden, bevor sie erschossen wurden. Bei einer Razzia während einer Trauerfeier in der Hauptstadt Bagdad haben US-Truppen nach eigenen Angaben 60 mutmaßliche Extremisten festgenommen.

Unter den Todesopfern war auch ein Polizeioffizier, der nach Angaben aus Sicherheitskreisen aus einem fahrenden Auto heraus erschossen wurde. Kurz darauf eröffneten Unbekannte auf einem Markt in Bakuba das Feuer und erschossen drei weitere Menschen. Bei einem Bombenanschlag in der südirakischen Metropole starben unterdessen drei Menschen. Zwei Menschen wurden verletzt, als die Bombe in einem Elektronikfachgeschäft in der Stadt etwa 550 Kilometer südlich von Bagdad detonierte, wie die irakische Nachrichtenagentur Al-Dar al-Irakiya unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete.

Razzia in Bagdad
Die bei der Razzia in Bagdad festgenommenen Männer hätten vermutlich Verbindungen zu einer Al-Kaida-Zelle, die für eine Serie von Autobombenanschlägen in der irakischen Hauptstadt verantwortlich sei, teilten die US-Truppen am Samstag mit. Die Verdächtigen seien am Freitag im südlichen Stadtteil Arab Jabour aufgegriffen worden. Das Viertel gilt als Hochburg sunnitischer Aufständischer. Es war die erste Massenfestnahme, seit die US-Streitkräfte in der vergangenen Woche mit der Verstärkung ihrer Truppen in Bagdad begonnen haben. Insgesamt sollen 12.000 zusätzliche amerikanische und irakische Soldaten in der Hauptstadt stationiert werden. Es gibt allerdings keine offiziellen Informationen darüber, wie viele von ihnen bereits eingetroffen sind.

US-Generalstabschef Peter Pace räumte am Samstag während eines Besuchs in Bagdad ein, noch bis vor einem Monat habe die Militärführung gehofft, die Zahl der im Irak stationierten Soldaten verringern zu können. Seither habe die Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten aber deutlich zugenommen.

US-Botschafter Zalmay Khalilzad warnte in einem Interview mit der "New York Times" vor der Beeinflussung schiitischer Extremisten durch den Iran. Teheran stachle die Aufständischen auf, um Rache für die israelische Offensive gegen die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon zu nehmen, wurde Khalilzad am Samstag zitiert. Bei den schiitischen Kämpfern handle es sich um Mitglieder einer Splittergruppe der Miliz "Mahdi-Armee" des radikalen Prediger Muktada al-Sadr. Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf Gewährsleute von Sadrs Organisation, einige Mitglieder der Mahdi-Miliz führten Angriffe auf eigene Faust aus. Die irakische Regierung hatte jüngst einen US-Militäreinsatz gegen die Sadr-Miliz in einem Bagdader Schiiten-Viertel missbilligt.

(apa/red)