Irak-Kämpfe von

Irak: Obama ordnet
Luftangriffe gegen IS an

USA bombardierten IS-Jihadisten - Kurz verurteilt Gewalt an Minderheiten

Irak-Kämpfe - Irak: Obama ordnet
Luftangriffe gegen IS an © Bild: 2014 Brendan Smialowski/AFP/Getty Images

Rund zweieinhalb Jahre nach dem erklärten Ende des Irak-Kriegs haben die USA mit Luftangriffen im Norden des Landes begonnen. Flugzeuge hätten Artilleriegeschütze von IS-Extremisten angegriffen, teilte Pentagon-Sprecher John Kirby am Freitag mit. Diese Geschütze seien verwendet worden, um kurdische Kräfte nahe der Stadt Erbil anzugreifen. Auch US-Soldaten hätten sich in der Nähe befunden.

Zwei F18-Kampfjets hätten 220 Kilogramm schwere, lasergelenkte Bomben auf eine mobile Artillerieeinheit abgeworfen, hieß es. " IS (Islamischer Staat) hat diese Artillerie benutzt, um kurdische Kräfte zu bombardieren, die Erbil verteidigen und wo sich US-Personal befindet." Laut CNN wurden die Angriffe mit Kampfjets vom Flugzeugträger George H. W. Bush geflogen, der bereits im Juni in den Persischen Golf verlegt worden war.

Obama-Entscheid

Die Entscheidung zum Angriff sei nach der Ermächtigung des Oberbefehlshabers der US-Streitkräfte, Präsident Barack Obama, gefallen. Dieser hatte die Luftschläge am späten Donnerstagabend zum Schutz amerikanischer Militärs und bedrohter Minderheiten im Nordirak genehmigt. Bei seiner Ansprache im Weißen Haus hatte er zugleich einen Hilfseinsatz für die tausenden Flüchtlinge im Nordirak angekündigt. Der US-Kongress werde über das Vorgehen informiert. Auch Frankreich will Militärhilfe leisten.

"Wie der Präsident klargemacht hat, wird das Militär der Vereinigten Staaten weiterhin direkte Maßnahmen gegen IS ergreifen, wenn sie unser Personal und unsere Einrichtungen bedrohen", teilte das Pentagon mit. Das Militär habe Grünes Licht, um bei einer Bedrohung der Flüchtlinge weitere Angriffe zu starten, berichtete CNN.

Die irakische Luftwaffe begann laut örtlichen Medienberichten ebenfalls mit neuen Angriffen auf IS-Stellungen. Bereits in der Nacht auf Freitag seien bei Luftschlägen 130 Jihadisten in der Region von Mossul getötet worden, berichtete das kurdische Nachrichtenportal Basnews.

Kämpfer getötet

Die unabhängige irakische Nachrichtenseite Sumaria News meldete ebenfalls, dass mehr als 105 IS-Kämpfer bei einem Angriff auf die Stadt Sinjar getötet und verletzt worden seien. Die Extremisten waren vor etwa einer Woche in Sinjar einmarschiert. Dort leben zahlreiche Angehörige der religiösen Minderheit der Yeziden (Jesiden).

Freitag früh (Ortszeit) hatten drei US-Frachtflugzeuge und zwei Kampfjets 8.000 Fertigmahlzeiten und 20.000 Liter Wasser über dem Sinjar-Gebirge im Nordirak abgeworfen. Damit soll den tausenden Yeziden und Christen, die sich aus Angst vor Verfolgung und Gewalt vor den sunnitischen Extremisten verstecken, geholfen werden. Auch Großbritannien schickte Flugzeuge, um Lebensmittel abzuwerfen.

Nach Angaben der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw sind rund 50.000 Yeziden seit mehreren Tagen in dem Gebirge eingeschlossen. Mindestens 70 Menschen seien bereits an Unterversorgung gestorben. Viele ernährten sich inzwischen von Blättern, berichten Augenzeugen auf Rudaw. Einem Basnews-Bericht zufolge konnten kurdische Soldaten inzwischen eine große Zahl der Flüchtlinge in Sicherheit bringen. Die Menschen sollten nun in Bussen in die Stadt Duhok gebracht werden.

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) verurteilte die Gewalt der IS gegen Christen und andere religiöse Minderheiten im Nordirak scharf. "Das ist eine humanitäre Katastrophe", so Kurz. Die dramatische Zuspitzung der Lage erfordere eine rasche Reaktion der internationalen Gemeinschaft, hieß es weiter in einer Aussendung vom Freitag. "Ich setze mich daher dafür ein, dass die prekäre Situation der religiösen Minderheiten im Irak auch auf europäischer Ebene behandelt wird", betonte Kurz weiter.

Die britische Regierung forderte ihre Landsleute auf, Erbil und die Region zu verlassen, in der viele westliche Ölfirmen tätig sind. Eine direkte Beteiligung britischer Flieger an den militärischen Luftschlägen der USA schloss Premierminister David Cameron am Freitag aus.

Der IS-Vormarsch im Nordirak führte unterdessen zur Schließung eines ersten Ölfeldes in der autonomen Kurdenregion. Der britische Ölkonzern Afren teilte mit, dass er vorsorglich die Arbeit an der Anlage Barda Rash bis auf Weiteres eingestellt habe. Alle nicht zwingend benötigten Mitarbeiter würden abgezogen. Erst am Donnerstag hatten die beiden US-Ölmultis Exxon Mobil und Chevron erklärt, einige Mitarbeiter in dem Gebiet in Sicherheit zu bringen.

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