Treffen von

USA: Gespräche
mit Iran zur Irak-Krise

Regierungen wollen womöglich auch in Wien über Jihadisten-Vormarsch beraten

Freiwillige kämpfen an der Seite der irakischen Armee gegen die islamischen Extremisten. © Bild: REUTERS/Thaier Al-Sudani

Die Krise im Irak sorgt für eine vorsichtige Annäherung der Erzfeinde USA und Iran. US-Außenminister John Kerry zeigte sich am Montag offen für eine Zusammenarbeit mit Teheran: "Ich würde nichts ausschließen, was konstruktiv sein könnte", sagte er. Das Pentagon erteilte einer militärischen Kooperation allerdings eine Absage.

Kämpfer der sunnitischen Extremistengruppe Islamischer Staat im Irak und in der Levante (ISIL) hatten in den vergangenen Tagen mehrere Städte und Regionen im Norden des Iraks erobert und rückten anschließend in Richtung der Hauptstadt Bagdad vor. Der iranische Präsident Hassan Rohani (Rouhani) schloss daraufhin am Samstag nicht aus, mit dem Erzfeind USA gegen die Jihadisten zu kooperieren.

Seit 35 Jahren herrscht diplomatischer Stillstand zwischen dem Iran und den USA. In den vergangenen Jahren kam der Streit um das iranische Atomprogramm erschwerend dazu. Zuletzt gab es aber eine Annäherung.

Verhandlungen könnten in Wien stattfinden

Es sei noch unklar, über welche diplomatischen Kanäle der Austausch stattfinde, sagten US-Regierungsvertreter dem "Wall Street Journal". Möglich wäre, dass die Atomverhandlungen in Wien als Forum für die Gespräche genutzt werden. In der Bundeshauptstadt kamen am Montag Vertreter des Iran und der 5+1-Gruppe der fünf UNO-Vetomächte und Deutschlands zusammen, um über eine endgültige Lösung zur Beilegung des jahrelangen Streits über das iranische Atomprogramm zu verhandeln.

Wie das State Department mitteilte, wird die Nummer zwei der amerikanischen Diplomatie, Vize-Außenminister William Burns, diese Woche nach Wien zu den Gesprächen kommen. Das Weiße Haus wollte den Zeitungsbericht weder bestätigen noch dementieren.

Kerry offen für Gespräche mit Iran

"Ich würde nichts ausschließen, was konstruktiv sein könnte", sagte Kerry in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenseite "Yahoo News". Vorher müsse aber klar sein, "wozu der Iran bereit oder nicht bereit sein würde". Grundsätzlich befürworte die US-Regierung aber "jeden konstruktiven Prozess, der die Gewalt verringert, den Irak zusammenhält (...) und die Präsenz von ausländischen terroristischen Kräften beendet", ergänzte der US-Außenminister.

Kerry bekräftigte, dass Washington auch über Drohnenangriffe gegen ISIS nachdenke. US-Präsident Barack Obama prüfe "jede verfügbare Option", sagte der US-Außenminister. Obama hatte am Freitag den Einsatz von Bodentruppen im Irak ausgeschlossen, sich die Möglichkeit von Luftangriffen aber offen gelassen. Washington entsandte bereits den Flugzeugträger "USS George H.W. Bush" in den Golf.

Vereinte Nationen ziehen Personal aus dem Irak ab

Nach der jüngsten Eskalation der Gewalt im Irak ziehen die Vereinten Nationen einen Teil ihres Personals aus der Hauptstadt Bagdad ab. 58 Mitarbeiter würden das Land verlassen, sagte ein UN-Sprecher am Montag in New York. Für weitere der insgesamt 200 Mitarbeiter gebe es ebenfalls Pläne, sie demnächst abzuziehen und vorübergehend an sicherere Orte zu bringen.

Im Irak liefern sich jihadistische Milizen und die Armee nahe der Hauptstadt Bagdad weiter heftige Gefechte. Wie am Montag aus Sicherheitskreisen verlautete, wurden dabei in der Region von Bakuba 23 Kämpfer der Gruppe "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" getötet. Bakuba liegt rund 60 Kilometer nördlich von Bagdad. Die NATO fordert indes die Freilassung der in Mossul verschleppten Türken.

Kommentare

Die weltweiten Demonstrationen der Muslime gegen diese Radikalen sind sehr gut und wichtig. Auch in vielen österreichischen Städten sind Muslime zu Tausenden auf der Strasse und zeigen mit aller Deutlichkeit, dass sie mit diesen Radikalen nichts zu tun haben möchten.

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