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Blutige Anschlagsserie

Machtkampf in Bagdad eskaliert: Mindestens 70 Tote und zahlreiche Verletzte

Irak - Blutige Anschlagsserie © Bild: Reuters

Bei der schwersten Anschlagsserie im Irak seit Monaten haben Terroristen in der Hauptstadt Bagdad mehr als 70 Menschen getötet. Polizisten und Krankenhausärzte sprachen von über 180 Verletzten. Die Bomben explodierten in Stadtvierteln, in denen Schiiten, Sunniten und auch Christen leben. Es dürften um die zehn Sprengkörper gewesen sein. Zumindest eine davon wurde von einem Selbstmordattentäter gezündet.

Kurz nach dem Abzug der letzten US-Kampftruppen handelte es sich um die erste Serie offenbar koordinierter Anschläge, nachdem zuletzt die Spannungen zwischen den verschiedenen Religionsgruppen wieder aufgebrochen waren. Fast neun Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins buhlen in dem tief gespaltenen Land Schiiten und Sunniten erbittert um die Macht.

Die Anschläge wurden in den Stadtvierteln Karrada, Al-Wasirija, Al-Schaab und Al-Alwija verübt. Im Innenstadt-Viertel Karrada explodierte eine Autobombe. Zur gleichen Zeit zündete ein Selbstmordattentäter seinen Sprengstoffgürtel. Zwei Sprengsätze detonierten nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Al-Alwija in der Nähe eines Kinos. Augenzeugen berichteten von aufsteigenden Rauchsäulen in mehreren Stadtvierteln. Zerstörte Autos lagen übereinander. Viele Beamte flohen in Panik aus ihren Büros in der Innenstadt.

Krisensitzung im Parlament
Parlamentspräsident Osama al-Nujaifi berief eine Krisensitzung des Parlaments ein. Bei dem Treffen soll es auch um die aktuelle Vertrauenskrise zwischen sunnitischen und schiitischen Politikern der Regierungskoalition von Ministerpräsident Nuri al-Maliki gehen.

Der Konflikt hatte in den vergangenen Tagen die Arbeit des Parlaments und der Regierung lahmgelegt. Al-Maliki hatte damit gedroht, Minister aus den Reihen der Al-Irakija-Liste, die seine Kabinettssitzungen boykottiert hatten, durch Minister seiner Wahl zu ersetzen.

Zuvor hatte die Justiz des Landes wegen Terrorvorwürfen Haftbefehl gegen den sunnitischen Vizepräsidenten Tarek al-Hashemi erlassen. Die innenpolitische Krise kommt rund ein Jahr nach der Regierungsbildung.

Ashton "äußerst besorgt"
Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hatte sich bereits vor den Explosionen "äußerst besorgt" über den Machtkampf im Irak gezeigt. Sie sehe die Berichte über die "innenpolitischen Entwicklungen im Irak" mit großer Sorge, erklärte Ashton am Mittwoch in Brüssel. Die Regierung in Bagdad und alle politischen Gruppen müssten in einen Dialog eintreten, um ihre Differenzen beizulegen.