Irak von weiteren Anschlägen erschüttert: 16 Tote bei Selbstmordattentat in Bagdad

Insgesamt 50 Tote in den letzten beiden Tagen

Bei einer neuen Gewaltwelle sind im Irak mindestens 50 Menschen getötet worden. In Diwaniya südlich von Bagdad lieferten sich irakische Soldaten heftige Gefechte mit schiitischen Milizionären der "Mahdi-Armee" des radikalen Predigers Muktada al-Sadr. Dabei kamen nach Krankenhaus- und Armeeangaben 25 Soldaten ums Leben, fünf weitere wurden vermisst. Ein Krankenhausmitarbeiter berichtete von neun toten Zivilisten. Bei Gewaltausbrüchen waren allein am Sonntag landesweit mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen.

In Bagdad sprengte sich unterdessen ein Selbstmordattentäter in die Luft und riss 16 Menschen mit in den Tod. Wie aus Polizeikreisen verlautete, wurden bei dem Anschlag 35 Personen verwundet. Der Attentäter brachte sein Auto in der Nähe des Innenministeriums zur Detonation. Dort fand zu diesem Zeitpunkt ein Treffen der Polizeichefs aller 18 Provinzen statt.

Bei mehreren Anschlägen wurden am Wochenende sechs US-Soldaten getötet, wie die US-Streitkräfte am Montag bestätigten. Vier von ihnen kamen am Sonntag ums Leben, als ihr Wagen von einer am Straßenrand versteckten Bombe im Norden Bagdads zerrissen wurde. Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mehr als 2600 US-Militärangehörige getötet worden.

Die irakischen und US-Streitkräfte hatten im August eine zweite Phase ihrer Sicherheitsoffensive "Gemeinsam vorwärts" in und um Bagdad eingeleitet, nachdem die erste Phase zu keiner wahrnehmbaren Entspannung geführt hatte. Die neue Strategie besteht unter anderem darin, als Unruheherde geltende Viertel komplett abzuriegeln

Der britische Verteidigungsminister Desmond Browne ist am Montag zu einem aus Sicherheitsgründen nicht angekündigten Besuch in Bagdad eingetroffen. Das irakische Staatsfernsehen berichtete, Browne werde Ministerpräsident Nuri al-Maliki treffen. Im Südirak hatte es in den vergangenen Wochen mehrfach gewaltsame Zusammenstöße zwischen bewaffneten Irakern und den britischen Truppen gegeben. Ein Hauptthema dürfte die im kommenden Monat geplante Übergabe der Sicherheitskontrolle in einer zweiten südirakischen Provinz durch die Briten an die einheimischen Sicherheitskräfte sein.

Nur hundert Tage nach der Regierungsbildung plant Ministerpräsident Maliki eine Umbildung seines Kabinetts. Grund sei Malikis Enttäuschung über die Leistung einiger Minister sowie die mangelnde Loyalität anderer, sagte Vizepremier Barham Salih.
(apa)