IOC-Showdown in Denver: Der Kampf um
Milliarden als unschöne Schlammschlacht

IOC-Präsident Jacques Rogge in Erklärungsnotstand USOC-Sonderstellung: Neuordnung der Einnahmen

IOC-Showdown in Denver: Der Kampf um
Milliarden als unschöne Schlammschlacht © Bild: Reuters

Vor dem Showdown in Denver will IOC-Präsident Jacques Rogge von atmosphärischen Störungen nichts wissen. Dabei warten auf den Ober-Olympier bei der dreitägigen IOC-Sitzung in der Rocky-Mountains-Metropole unnötige Glaubwürdigkeitsdebatten und brisante Diskussionen mit seinem Exekutivkomitee. Mit seiner Anordnung, die Verhandlungen über die amerikanischen TV-Übertragungsrechte der Olympischen Sommerspiele 2016 erst nach der Wahl des Gastgebers im Oktober in Kopenhagen abzuschließen, hat er dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) den Vorwurf der Mauschelei eingebrockt.

Auch seinen Wunsch, dem IOC Beobachterstatus in der UN-Vollversammlung zu verschaffen, hat Rogge nahezu im Alleingang vorangetrieben. Und aus vermeintlich diskreten Geheimgesprächen mit dem Nationalen Olympischen Komitee der USA (USOC) über die seit Jahren überfällige Neuverteilung der olympischen Dollar-Milliarden ist ein öffentlich ausgetragener Machtkampf geworden.

"USOC in Streit mit dem IOC verwickelt", schrieb die "New York Times". Rogge schürte mit seinen teilweise fragwürdigen Vorstößen in direktem Zusammenhang mit Chicagos Bewerbung um die Spiele 2016 die Empörung unter den Kandidaten Madrid, Rio und Tokio, die einen Wettbewerbs-Nachteil befürchten. Offiziell "freut" sich der Belgier auf das erste Treffen mit seiner Exekutive im Wahljahr 2009, aber der 66-Jährige ist wieder einmal als Krisenmanager gefordert. In Zeiten der Weltwirtschaftsflaute ist der offene Verteilungskampf auch innerhalb der olympischen Familie auf jeden Fall härter geworden.

Neuordnung der Einnahmen
Es geht um die Neuordnung der Einnahmen, die das IOC durch den Verkauf seiner Olympia-Rechte erhält - für den Zeitraum 2005 bis 2008 mit den Spielen in Turin und Peking waren dies 4,5 Milliarden Dollar. Knapp die Hälfte davon ist für die beiden Organisations-Komitees reserviert. Den beträchtlichen Rest teilt sich das IOC zu je einem Drittel mit den 205 Nationalen Olympischen Komitees (NOK) und den 35 internationalen Verbänden mit olympischen Sportarten.

So harmonisch sich diese Theorie darstellt, so konfliktgeladen präsentiert sich die Praxis mit der krassen Bevorteilung des USOC. Verbände und NOKs sind frustriert, weil das US-NOK seit mehr als zwei Jahrzehnten fast soviel verdient wie sie jeweils zusammen. 1988 hatte Rogges Vorgänger Juan Antonio Samaranch einen zeitlich unbegrenzten Deal mit den US-Amerikanern abgeschlossen. Danach gehen 12,75% der Zahlungen des US-Fernsehens und 20% der Einkünfte aus dem globalen TOP-Sponsoren-Programm des IOC im Vorabzug ans USOC. Für die Periode 2009 bis 2012 kann das USOC mehr als 450 Millionen Dollar (332 Mio. Euro) erwarten.

Seit mehr als zwei Jahren streiten sich IOC und USOC um eine Neufassung des unbefristeten Vertrags. Selbst die von Rogge eingesetzte Dreier-Kommission mit den IOC-Granden Denis Oswald, Marketing-Chef Gerhard Heiberg und Mario Vazquez Rana ist bei den knallharten Verhandlungspartnern bisher abgeblitzt. Nun hat das IOC seine Anwälte eingeschaltet. "Wenn wir keine Einigung erzielen, kündigen wir den Vertrag. Es kann nicht sein, dass wir auf Lebzeiten verpflichtet sind", tönte Oswald. Nach seiner Verbaloffensive muss der Schweizer damit rechnen, von Rogge zurückgepfiffen zu werden, um das Gesprächsumfeld nicht noch zusätzlich zu belasten.

Spiele in den USA bringen das meiste Geld
"Wir würden mehr teilen, wenn der zu teilende Kuchen größer würde", hatte der ehemalige USOC-Boss Peter Ueberroth vor seinem Ausscheiden die amerikanische Position unmissverständlich klar gemacht und die Lösung gleich mitgeliefert: "Spiele in den USA haben schon immer das meiste Geld eingebracht. Wenn Chicago die Spiele 2016 bekommt, würden die Preise in die Höhe gehen. Wenn nicht, werden sie sinken." Soll heißen, mit der Gewissheit des Ringe-Spektakels in Chicago würden US-TV-Giganten wesentlich mehr Dollars ausgeben als die 1,12 Milliarden für die Übertragungsrechte an London 2012.

Durch Rogges Direktive ("wir sind nicht in Eile"), die Verträge mit US-Sendern erst nach dem Votum in Kopenhagen unterzeichnen zu wollen, bekommt die Abstimmung schon jetzt einen unguten Beigeschmack. Da passt es, dass Oswald die Bevorteilung des USOC als "unmoralisch" anprangert. Daran ändert auch die USOC-Offerte nichts, bis zu 20 Millionen Dollar als Sondervergütung zur Finanzierung der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und des internationalen Sportgerichtshofs CAS locker zu machen.

In der Fehde mit dem IOC um eine neue Verteilerformel müssen die mächtigen Sportpolitiker der USA zu mehr als nur einer Geste des guten Willens bereit sein. Rogge will von 2020 an einen gerechteren Schlüssel. Mit dem Faustpfand Chicago lässt es sich gelassener verhandeln, und bis zur Abstimmung der IOC-Vollversammlung über den Olympia-Gastgeber 2016 müssen in dieser Frage Ergebnisse her. Sonst wird es schwer werden für Chicago, denn die Vollversammlung ist vor allem mit Vertretern der NOKs und Verbände besetzt.

(apa/red)