IOC hält an olympischem Fackellauf fest:
'Keine Änderung bei internationaler Route'

IOC-Präsident Rogge trifft auf Chinas Premierminister Fischer: Sportler sollen selbst Teilnahme bestimmen

IOC hält an olympischem Fackellauf fest:
'Keine Änderung bei internationaler Route' © Bild: AP/Wong

Trotz der teilweise gewaltsamen Proteste gegen die chinesische Tibet-Politik beim olympischen Fackellauf wird es nach Angaben des Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Rogge, keinen Abbruch des Fackellaufes geben. Dieser werde entgegen anderslautenden Berichten im IOC auch nicht erwogen, sagte Rogge: "Es ist ein Gerücht, das falsch ist."

Auch die meisten anderen IOC-Mitglieder haben sich am Rande der olympischen Woche in Peking entschieden gegen einen vorzeitigen Abbruch des Fackellaufs ausgesprochen. "Ich habe mit unserem Präsidenten (Jacques) Rogge gesprochen. Er ist zu 100 Prozent überzeugt, dass es keine Änderungen bei der internationalen Route der Fackel geben wird. Aber wir überlegen uns Veränderungen für die Zukunft", sagte Mario Vazquez-Rana, Präsident der Vereinigung aller 205 Nationalen Olympischen Komitees.

Fischer: Sportler sollen selbst entscheiden
Bundespräsident Heinz Fischer hat sich gegen den Versuch der Politik ausgesprochen, Sportler davon abzuhalten, wegen des Tibet-Konflikts zu den Olympischen Spielen nach China zu fahren. "Die Sportler sollen selbst entscheiden, ob sie hinfahren wollen", sagte Fischer in einem Interview mit der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit".

In der Diskussion um einen symbolischen Boykott der Eröffnung der Spieler durch Vertreter der Politik meinte Fischer, "für Österreich gibt es keinen Grund, sich voreilig festzulegen. Manche Medien sagen zwar, Klarheit wäre notwendig. Ich glaube hingegen, bei einer raschen, definitiven Entscheidung beraubt man sich eines wichtigen Spielraumes. Dann hat man schon alle Karten auf den Tisch gelegt. Wir werden in guter Zeit unter Abwägung aller Gesichtspunkte entscheiden."

Fischer selbst wird übrigens nicht nach Peking reisen: "Eine Teilnahme des österreichischen Bundespräsidenten an der Eröffnung Olympischer Spiele außerhalb Europas hat es noch nie gegeben, und daher steht eine Reise nach China heuer auch nicht auf meinem Terminkalender."

Frisco ist gewappnet
Ein massives Aufgebot an Sicherheitskräften hat sich in San Francisco auf den olympischen Fackellauf vorbereitet. Die Behörden rechneten wegen der chinesischen Politik in Tibet wie zuvor in London und Paris mit heftigen Protesten. Entlang der 9,6 Kilometer langen Route des Fackellaufs wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Der Zugang zur Golden Gate Bridge wurde erschwert.

Mehrere hundert Menschen protestierten friedlich gegen die chinesische Tibet-Politik. Sie marschierten durch die Straßen zum chinesischen Konsulat, viele mit tibetischen Flaggen. "Es geht hier nicht darum, gegen die Fackelläufer zu kämpfen", sagte Lhadom Tethong von der Gruppe "Studenten für ein freies Tibet". "Es geht hier um die chinesische Regierung, die den Fackellauf für politische Propaganda nutzt", sagte er.

Bei einer Abendveranstaltung forderten der US-Schauspieler und Tibet-Aktivist Richard Gere und der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Erzbischof Desmond Tutu US-Präsident Bush auf, die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Peking zu boykottieren.

4.200 Sicherheitsleute in Buenos Aires
Angesichts weltweiter Proteste gegen die Tibet-Politik Chinas und Störaktionen haben die Behörden in Buenos Aires für den olympischen Fackellauf durch die argentinische Hauptstadt starke Sicherheitskräfte mobilisiert. Mindestens 1.200 Polizisten sollen zusammen mit 3.000 zivilen Helfern dafür sorgen, dass die etwa 80 Läufer mit dem Olympischen Feuer, darunter voraussichtlich auch der frühere Fußballstar Diego Maradona, die insgesamt 13 Kilometer lange Strecke durch die lateinamerikanische Millionenmetropole ohne Störungen überstehen. "Wir gehen davon aus, dass die Fackel kommt", sagte Bürgermeister Mauricio Macri angesichts von Gerüchten, der Lauf könne abgebrochen werden. Schon bei der Präsentation gab es jedoch Störungen durch Gegner der Politik Pekings gegenüber den Tibetern.

Buenos Aires ist die siebente von weltweit 21 geplanten Stationen des Fackellaufes. Nie zuvor war das Olympische Feuer am Rio de la Plata, und die Hauptstadt des Tango ist zugleich der einzige Ort in der spanischsprachigen Welt, durch die der Fackellauf gehen soll.

Sport und Politik nicht vermischen
"Es wird alles gut organisiert, und wir sind überzeugt, dass dies ein Grund der Freude und des Stolzes sein wird", sagte Macri. Zugleich rief er dazu auf, Sport und Politik nicht zu vermischen. "Wir sind für die Menschenrechte hier, in China und in Paris, aber ein Akt des Friedens darf nicht mit einem politischen Vorgang verwechselt werden", betonte der konservative Politiker.

IOC-Präsident trifft Chinas Premierminister
IOC-Präsident Jacques Rogge wird heute in Peking mit Chinas Premierminister Wen Jiabao über den Stand der Vorbereitungen für die Olympischen Sommerspiele sprechen. Dies bestätigte der Norweger Gerhard Heiberg, Mitglied des Exekutiv-Komitees des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Zudem trifft sich die IOC-Exekutive zu einer anberaumten außerordentlichen Sitzung, in der auch die weitere Vorgehensweise beim olympischen Fackellauf nach den zahleichen Protestaktionen diskutiert werden soll. (APA/red)