Inzestfall erschüttert Italien: Vater und Bruder misshandelten Frau 25 Jahre lang

Horror-"Tradition": Recht auf die älteste Tochter Medien rätseln über kollektive Ahnungslosigkeit

Inzestfall erschüttert Italien: Vater und Bruder misshandelten Frau 25 Jahre lang © Bild: APA/Techt

25 Jahre ist "Laura" vom eigenen Vater und Bruder vergewaltigt worden, 22 Jahre eingesperrt in einem dunklen Zimmer. Nach der Aufdeckung dieses schweren Falls von Inzest in Turin steht Italien unter Schock. "Der Horror, den niemand sah", titelte die Turiner Tageszeitung "La Stampa" und legte damit den Finger in die Wunde.

Der Vater habe nach Angaben der Ermittler eine Art gruselige "Tradition" geltend gemacht, nach der das "Oberhaupt der Familie" uneingeschränktes Recht auf die älteste Tochter hatte. Das Mädchen sei zwar "physisch frei", aber so psychisch abhängig von seinem Vater gewesen, dass es nichts ohne diesen getan hätte, bestätigte die Staatsanwaltschaft. Wie im Fall Josef F. in Österreich drängt sich auch hier die Frage auf, wieso niemand etwas bemerkt haben will.

Der heute 41-jährige Bruder des Opfers soll die Horror-Tradition seines Vaters übernommen haben: Auch ihm werden Vergewaltigung und Misshandlung seiner eigenen vier Töchter im Alter von sechs bis 20 Jahren vorgeworfen. Wie konnte so viel Grauen unbemerkt über Jahre geschehen?

Keiner will etwas bemerkt haben
Manch einem Nachbarn war die krankhafte Zuneigung des Vaters gegenüber seiner Ältesten dabei durchaus aufgefallen. Doch "waren es nur so Vermutungen. Wer hätte ahnen können, was das Schwein mit seiner Tochter macht", wehren sich die schockierten Nachbarn heute. Und außerdem kümmere sich schließlich "jeder um seinen eigenen Dreck."

Am unverständlichsten bleibt Medien und Beobachtern das Unwissen der Sozialbehörden. Ein behinderter Bruder des Opfers stand unter regelmäßiger Beobachtung der Fürsorge. Vor 15 Jahren war der Vater zudem beim Stehlen von Kleidern zusammen mit einigen seiner Kinder erwischt worden. Spätestens damals sei die Familie von den Behörden als "Risiko-Familie" eingestuft worden. Und dennoch sei kein Sozialarbeiter, Lehrer, Priester oder Nachbar eventuellen Zweifeln nachgegangen.

Vater bestreitet alle Vorwürfe
Im Oktober vergangenen Jahres nahm die Polizei schließlich Ermittlungen auf, nachdem das Opfer den Bruder, der in Haft sitzt, der Vergewaltigung bezichtigte. Durch dauerhafte Beschattung und Abhörung war es den Ermittlern jetzt möglich, auch die jahrelange Gewalt des Vaters aufzudecken und diesen festzunehmen. Der Vater und "Herrscher" streitet laut italienischen Medienberichten alle Vorwürfe ab. (apa/red)