Interview von

Tobias Pötzelsberger: "Ich bin
ein ganz normales Landei"

Tobias Pötzelsberger © Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

ORF-Moderator Tobias Pötzelsberger moderierte sich im Zuge der Sondersendung zur Ibiza-Affäre live zum heimlichen Star. Und auch seine ersten ORF-Sommergespräche absolvierte er gekonnt. Gegenüber News.at verrät der 36-Jährige, wie sein idealer Politiker aussieht und warum er trotz des Hypes um seine Person am Boden geblieben ist.

Sie haben einmal gesagt, dass die Sommergespräche quasi "die Königin Mutter des Interviews" sind. Wie war Ihr erstes Mal und würden Sie es gerne wiederholen?

Tobias Pötzelsberger: Jedes Gespräch war eine spannende Herausforderung und in der Vorbereitung sehr arbeitsintensiv. Vor allem aber wahnsinnig interessant. Also: Natürlich würde ich es wieder machen. Sofort.

Auch interessant: Sind politische Inhalte irrelevant geworden?

Inwieweit kann es für Sie als Journalist auch ein Stück weit frustrierend sein, top gecoachte Politiker aus der Reserve zu locken?

Wenn mich das frustrieren würde, wäre ich am falschen Platz. Natürlich sind alle Politiker sehr gut geschult. Aber das gehört offenbar dazu. Ich denke schon, dass es hin und wieder gelungen ist, die Politikerinnen und Politiker aus der Reserve zu locken.

Wenn Sie Sebastian Kurz jetzt noch einmal im Interview hätten, welche Fragen würden Sie ihm in puncto doppelte Buchhaltung noch gerne stellen?

Im Nachhinein gibt es in jedem Interview Dinge, die ich vielleicht doch anders machen würde. Aber es ist Vergangenheit und daher etwas müßig. Sicher ist, dass ich aus jedem Interview lerne.

Tobias Pötzelsberger
© APA/HERBERT NEUBAUER Tobias Pötzelsberger im Sommergespräch mit ÖVP-Chef Sebastian Kurz
»Gute Politiker sind ehrlich, klug und vorausschauend«

Das Politiker-Image ist derzeit etwas angekratzt – Stichwort Dirty Campaigning. Wie sähe Ihr idealer Politiker aus?

Gute Politiker sind ehrlich, klug und vorausschauend, neben vielen anderen Dingen. Ich glaube durchaus, dass es viele solcher Politiker gibt – auch wenn im Wahlkampf vielleicht manchmal ein anderer Eindruck entsteht.

Sie erhalten auch Feedback auf Ihre Arbeit. Wie politikmüde sind die Österreicher aufgrund von Skandalen wie der Ibiza-Affäre?

Nicht wirklich. Das zeigen die Quoten: Viele Politiksendungen erreichen äußerst viele Menschen. Und es waren die erfolgreichsten "Sommergespräche" in der ORF-Geschichte.

ORF-Journalist Robert Hochner hat einmal gesagt: "Die Rache der Fernsehjournalisten an den Politikern ist der Griff ins Archiv". Wie sehen Sie das?

Robert Hochner gehört zu meinen Vorbildern und ich bin da durchaus bei ihm. Zu wissen, was einmal war, hilft sehr beim Einordnen der Gegenwart.

Sie sind nicht nur Journalist, sondern auch Musiker und mit Ihrer Band The More or The Less erfolgreich. Wie wichtig sind für Sie die Musik und die Arbeit mit der Band? Und Welche Songs hören Sie zurzeit gerade am liebsten?

(Schmunzelt) Ein Leben ohne Musik erscheint mir völlig sinnlos. Musizieren ist ein toller Ausgleich, ich habe das Gefühl, dass da völlig andere Hirnregionen angesprochen werden. Aktuell mag ich sehr gerne circa alle Songs von Bilderbuch, außerdem "Hey, Ma" von Bon Iver und "Wach zu werden" von Julian Le Play.

»Ich habe viel Zeit auf einem Bauernhof verbracht «

Trotz des jüngsten Hypes um Ihre Person, haben Sie betont, dass Sie kein Star sind. Würden Sie sich als bodenständigen, geerdeten Menschen beschreiben?

Ich bin ein ganz normales Landei, habe viel Zeit auf einem Bauernhof verbracht und weiß, was Handarbeit bedeutet. Ja, das erdet natürlich schon ganz gut, gemeinsam mit einer tollen Familie.

Was sind Ihre nächsten Projekte nach dem Urlaub?

Deutlich mehr Musik machen und ansonsten: Die "ZiB" moderieren und viele möglichst interessante Beiträge gestalten.