Interview Peter Schöttel von

"Attraktiv und erfolgreich"

Der neue Rapid-Trainer im Gespräch mit NEWS.AT vor dem Start der Saison 2011/2012

Interview Peter Schöttel - "Attraktiv und erfolgreich" © Bild: GEPA/Ort

Der neue Rapid-Trainer Peter Schöttel traf NEWS.AT und verriet, was er von der kommenden Saison erwartet, wie seine ideale Mannschaft spielt und warum er nur bei Rapid gespielt hat. Außerdem sagt Schöttel, was er von der Frauen-WM hält und ob Damen-Trainer ein Job für ihn wäre.

NEWS.AT: Sind Sie mit der Vorbereitung zufrieden?
Schöttel: Die Vorbereitung ist sehr gut gelaufen. Mit dem Wermutstropfen, dass wir ein paar Verletzte haben. Das tut mir immer sehr weh. Aber sonst haben wir unser Programm so durchgezogen, wie wir das wollten.

NEWS.AT: Die neuen Spieler sind schon gut integriert?
Schöttel: Ich denke schon. Wir haben sechs neue Spieler, die alle in den ersten Wochen schon bewiesen haben, dass sie Verstärkungen werden können. Ich glaube, es ist nicht schwierig, sich in diese Mannschaft zu integrieren. Das ist eine sehr offene, charakterstarke Truppe.

NEWS.AT: Mit Kayhan, Kavlak und Pehlivan sind drei wichtige Spieler weg. Wie schwierig ist es, diese zu ersetzen?
Schöttel: Vor allem war es überraschend, dass sie gegangen sind. In der Planung waren sie eigentlich drin. Jetzt ist der Umbruch natürlich stärker, als wir das vorhatten. Wir haben für die Kayhan-Position Christian Thonhofer aus Neustadt zurückgeholt. Für Pehlivan und Kavlak haben wir Thomas Prager geholt. Andererseits schwebt mir für Steffen Hofmann eine etwas defensivere, zentralere Rolle vor. Ich denke, dass wir trotzdem gut aufgestellt sind.

NEWS.AT: Das heißt, Sie wussten von dem Transfer, er war aber nicht Ihre Idee?
Schöttel: Ja. Die Spieler wollten wechseln. Bei Kavlak hat man das ja schon in den letzten Transferzeiten gehört, dass er wechseln will. Diesmal hat es gepasst. Der Wechsel war nur unerwartet. Aber wir halten niemanden auf, der den Schritt ins Ausland wagen möchte.

NEWS.AT: Ohne Steffen Hofmann bricht bei Rapid die Kreativabteilung zusammen. Dadurch wird Rapid ausrechenbar. Kann man diese Abhängigkeit verringern?
Schöttel: Genau so ist es. Wir müssen das verringern. Wir haben durchaus andere sehr kreative Spieler. Wenn ich an Prokopic, Saurer, Prager denke. Man muss die Last auf mehrere Schultern verteilen. Sonst hängt zuviel an Steffen Hofmann, der sowieso als Kapitän in diesen schwierigen Zeiten immer voran geht. Wir müssen schauen, dass wir ihn entlasten.

NEWS.AT: Mit den Spielern, die in den letzten Jahren verkauft wurden, könnte man fast eine Meistermannschaft bestücken. Sie haben das als Außenstehender verfolgt. Haben Sie sich gewundert?
Schöttel: Eigentlich nicht. Das ist der Beweis, dass gut gearbeitet wurde und der Verein hat gutes Geld verdient. Natürlich verstehe ich auch Fans, die wollen, dass diese tollen Spieler für immer bei uns bleiben. Aber da haben sich die Zeiten geändert. Wir können es versuchen, sie mit Geld zuzuschütten. Aber dann werden wir in zwei Jahren zusperren.

NEWS.AT: Im Rapid-Kader sind nur fünf Ausländer. Ist das eine bewusste Planung oder passiert das?
Schöttel: Ich habe immer versucht, die österreichische Lösung zu finden. Die Ausbildung ist in den letzen Jahren stark verbessert worden. Es ist für mich ganz normal, auf die eigenen Spieler zu schauen. Noch dazu, wo Sprache und Kommunikation ganz, ganz wichtig sind. Eine erfolgreiche Mannschaft muss am Platz viel sprechen. Das fällt natürlich leichter, wenn alle die gleiche Sprache sprechen.

NEWS.AT: Wo sehen Sie die Mannschaft in der kommenden Saison? Gibt es ein definiertes Ziel?
Schöttel: Wenn wir rasch zueinander finden, glaube ich, dass wir vorne mitspielen können. Wenn wir am Anfang schon Punkte liegen lassen, dann wird es mühsam. Wir wissen, dass es im Umfeld im Moment sehr angespannt ist.

NEWS.AT: Was charakterisiert den Trainer Peter Schöttel? Worauf legen Sie Wert?
Schöttel: Die ideale Mannschaft ist eine attraktiv spielende und trotzdem erfolgreiche Mannschaft, wie sich das jeder Trainer vorstellt. Meine Mannschaft wird sicher aus einer klaren Grundordnung spielen, wo jeder Spieler weiß, was wir von ihm auf seiner Position erwarten. Aber natürlich gibt es nach vorne und nach hinten Muster, die wir einstudieren müssen. Das bedeutet auch, dass es Zeit braucht, bis sich das einschleift.

NEWS.AT: Sie legen sich nicht auf bestimmtes System fest?
Schöttel: Nein. Ich bin ein Trainer, der sich genau anschaut, was für Spieler er zur Verfügung hat. In Neustadt haben wir das 4-2-3-1 für uns als Hauptsystem gefunden. Hier bei Rapid kann ich mir vorstellen, immer mit zwei Spitzen zu spielen. Aber wir werden uns schon auch um den Gegner kümmern. In der heutigen Zeit bereiten sich auch die großen Mannschaften sehr genau auf den Gegner vor.

NEWS.AT: Wo will der Trainer Peter Schöttel in seiner Karriere hin? Gibt es Träume?
Schöttel: Nein, ich habe auch keine Zehn-Jahres-Pläne. Ich will mit der Mannschaft jetzt erfolgreich sein und sie wieder nach vorne bringen. Ich will so lang wie möglich hier Trainer sein. Weil ich mich sehr wohl fühle und es für mich etwas ganz besonderes ist, hier Trainer sein zu dürfen. Ich habe durch meine Tätigkeit in Wiener Neustadt aber gesehen, dass ich mir durchaus vorstellen kann, auch überall anders Trainer zu sein.

NEWS.AT: Wie ist Ihr Verhältnis zu den Fans? Sie sind ja wahrscheinlich eine der größten Rapid-Ikonen.
Schöttel: Das war ja nicht immer so. Es hat auch mühsame Zeiten gegeben. Je älter ich geworden bin, je mehr Spiele ich gemacht habe und je wertvoller ich für die Mannschaft geworden bin, desto mehr ist auch mein Ansehen bei den Fans gestiegen. Ich habe aber immer ein gutes Verhältnis zu den Fans gehabt. Ich habe aber auch immer geschaut, dass eine gewisse Distanz da ist, weil ich das für wichtig halte. Das ist bis heute so geblieben.

NEWS.AT: 8.700 Zuschauer im Trainingsspiel gegen Hoffenheim, über 8.000 Abos verkauft - spricht das dafür, dass die Rapid-Familie groß genug ist, um die Problemfans einfach aussperren zu können?
Schöttel: Ich glaube, Rapid besteht aus so vielen Puzzleteilen, dass alle ihren Platz bei Rapid finden sollten. Was passiert ist, kann man natürlich nicht durchgehen lassen und tolerieren, aber ich hoffe, dass es eine gute Lösung gibt. Konsequenzen muss es geben. Aber es ist wichtig, dass der Verein wieder zueinander findet und als Einheit auftritt. Es hängen ja alle mit dem Herz dran. Manche vielleicht sogar mit zu viel Herz. Aber das verbindet uns auch alle, das ist ja Rapid.

NEWS.AT: Ihr letzter Abschied verlief nicht so, wie Sie sich das vermutlich gewünscht haben. Ist das für Sie abgeschlossen oder gibt es schlechte Erinnerungen?
Schöttel: Ich habe das nie persönlich genommen. Ich war der, der rausgegangen ist und sich den Fans gestellt hat. Da ist es mehr um die Funktion gegangen, dass ein Verantwortlicher von Rapid draußen war. Das war auch nicht der Grund, warum ich gegangen bin. Da gab es andere.

NEWS.AT: Seit heuer darf Ihre Nummer 5 wieder vergeben werden. Dürfen Sie da mitreden?
Schöttel: Das werde ich relativ oft gefragt. Ich sage dazu immer, dass es im September zehn Jahre her ist, dass ich aufgehört habe. Die Transferzeit endet Ende August, damit stellt sich dieses Thema im Moment noch nicht. Vielleicht in der nächsten Transferzeit.

NEWS.AT: Würden Sie gerne mitreden?
Schöttel: Ich habe damit kein Problem. Natürlich blödelt man herum und sagt, dass die Nummer nie wieder ein Spieler bekommen wird. Aber ich bin in dieser Hinsicht nicht eitel genug.

NEWS.AT: Sie hätten selbst ja durchaus die Chancen gehabt ins Ausland zu gehen, wo Sie sicher auch mehr verdient hätten. Warum ist das nie passiert?
Schöttel: Bis 95 gab es kein Bosman Urteil, da gab es im Ausland nur drei Legionäre pro Team. Da musste man schon sehr gut sein, um bei einer guten Mannschaft unterzukommen. Später war meine familiäre Situation einfach nicht danach, meine Kinder waren gerade klein. Bei Rapid hatte ich schon einen guten Stellenwert und habe einen Wechsel nie angestrebt. Ich bin bald Kapitän geworden und hatte eigentlich meine besten Jahre. Außerdem habe ich nie einen Manager gehabt, vielleicht hat das auch eine Rolle gespielt. Und ein Über-Drüber-Angebot, bei dem ich das Fünffache verdient hätte und in einer guten Mannschaft spiele, das ist auch nie gekommen.

NEWS.AT: Ihr Traum, ein Angebot von Real Madrid abzulehnen, ist nicht wahr geworden?
Schöttel: Das war ein flapsiger Spruch von mir, und der ist mir geblieben. Das Angebot von Real ist nie gekommen. Die haben es auch ganz gut ohne mich geschafft.

NEWS.AT: Was halten Sie von der Frauen-WM?
Schöttel: Mir gefällt das gut. Das Spiel Japan gegen Deutschland fand ich extrem spannend. Man muss nur aufpassen, es nicht mit der Champions League der Männer zu vergleichen, das ist etwas ganz anderes. Aber es gefällt mir gut.

NEWS.AT: Wäre Frauen-Trainer ein Job für Sie?
Schöttel: Ich glaube, da gibt es geeignetere Trainer als mich.

Zur Person:
Peter Schöttel wurde 1967 in Wien geboren. Schon im Nachwuchs kam der junge Schöttel zu Rapid und wechselte im Laufe seiner aktiven Karriere nie den Verein. Von 1986 bis 2001 spielte er in der Kampfmannschaft der Hütteldorfer, war ab 1997 auch Kapitän. Insgesamt absolvierte er 524 Pflichtspiele für die Hütteldorfer und hält den Rekord für die meisten Meisterschaftsspiele bei den "Grün-Weißen". Sechs Tore gelangen dem Libero dabei. Seine Rückennummer 5 wurde für zehn Jahre gesperrt, also bis 2011. Für das Nationalteam bestritt Schöttel 63 Länderspiele und nahm an den Weltmeisterschaften in Italien und Frankreich teil. Nach seiner aktiven Karriere war Schöttel Nachwuchsleiter und Trainer der Rapid-Amateure, wurde später Sportmanager in Hütteldorf. Es folgten Stationen beim Wiener Sportklub, der Vienna und Wiener Neustadt, ehe Schöttel zu Rapid zurückkehrte.